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Ernährung

Verschwendung von Lebensmitteln in der EU

Millionen von Tonnen an Lebensmitteln werden in der Europäischen Union jedes Jahr verschwendet. Das führt unter anderem zu steigenden Lebensmittelpreisen weltweit. Die EU will das ändern.

Die Nudeln vom Vortag, die aufgewärmt nicht mehr schmecken, oder der abgelaufene Joghurt landen in Europa viel zu oft im Abfalleimer. Und das passiert nicht nur in Privathaushalten, sondern auch in Schulen, Kantinen und Krankenhäusern.

Die gesamte Wertschöpfungskette ist angesprochen

89 Millionen Tonnen an Lebensmitteln werden Schätzungen zufolge in der Europäischen Union jedes Jahr verschwendet. Besondern viel Essen wird in Privathaushalten und im Einzelhandel weggeworfen, etwa weil zu viel gekauft oder gekocht wurde, oder die Lebensmittel schlecht gelagert worden sind. Aber Lebensmittelverschwendung findet in der EU letztendlich an allen Stellen der Wertschöpfungskette statt: "Das beginnt schon auf dem Feld. Wenn Gurken krumm oder Karotten zu klein sind oder farblich abweichen, werden sie entsorgt", kritisiert Selina Juul, Gründerin der dänischen "Stop Wasting Food"-Bewegung. "Auch in der Verpackungsindustrie werden 20 Prozent der Lebensmittel verschwendet."

Durch einen sorgfältigeren Umgang mit Nahrung, so Juul, würde man nicht nur viel Geld sparen, sondern auch zur globalen Ernährungssicherheit beitragen: "Zwar können wir die Essensreste nicht nach Afrika transportieren - das ist unmöglich. Aber auf der Theorieebene ist es so: Je mehr Essen verschwendet wird, desto höher liegen die weltweiten Lebensmittelpreise."

EU hat den Kampf aufgenommen

Porträt von Toine Timmermans, Koordinator von FUSIONS (Foto: Privat)

Toine Timmermans, Koordinator von FUSIONS

Das Problem hat nun auch die Europäische Union erkannt: Sie will bis 2025 die Lebensmittelverschwendung in Europa um 50 Prozent reduzieren. Dazu finanziert sie auch das im August angelaufene Projekt FUSIONS (Food Use for Social Innovations by Optimising Waste Strategies). Beteiligt sind neben der UN-Ernährungsorganisation FAO auch Nichtregierungsorganisationen, Unternehmen aus Europa und 20 europäische Universitäten, unter anderem die deutsche Universität Hohenheim.

"Wir wissen, dass 25 bis 30 Prozent der Produkte, die für den menschlichen Verzehr gedacht sind, irgendwo in der Lieferkette verschwendet werden", sagt Projektkoordinator Toine Timmermans von der Universität Wageningen in den Niederlanden. Gerade in Ländern wie Frankreich oder Großbritannien, wo etwa im Vergleich zu Skandinavien weniger Bewusstsein für Nachhaltigkeit vorhanden sei und viele Menschen in Großstädten lebten, sei die Verschwendung groß.

FUSIONS möchte daher die Verbraucher für das Problem sensibilisieren und Politik und Wirtschaft verlässliche und vergleichbare Daten zur Verfügung stellen - denn die gibt es bislang nur bedingt. "Zweitens möchten wir Best-practice-Fälle austauschen und Machbarkeitsstudien entwickeln - denn es gibt bereits viele Aktivitäten an verschiedenen Stellen der Lieferkette und in verschiedenen Sektoren", sagt Toine Timmermans im DW-Interview.

Eine gute Idee hatte etwa die skandinavische Supermarktkette REMA 1000: "Sie verkauft jetzt Lebensmittel, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, an einem Extra-Ladentisch - 70 Prozent billiger", berichtet Selina Juul, die mit ihrer NGO "Stop Wasting Food" ebenfalls an dem Projekt beteiligt ist. Beide Seiten würden davon profitieren: Die Konsumenten müssten weniger bezahlen und die Kette erziele mit den zusätzlich verkauften Produkten Gewinne.

Jeder kann etwas tun

Blick in einen Abfallbehälter voller Lebensmittel. (Foto: Arne Lichtenberg/DW)

Verschwendete Lebensmittel in Deutschland

Toine Timmmermans sieht auch die Politik in der Pflicht, die beispielsweise die Lebensmitteletikettierung verbessern müsste. Gerade zu Weihnachten, der Zeit, in der die meisten Lebensmittel weggeworfen werden, könne aber auch jeder etwas tun - etwa durch eine bessere Planung der Einkäufe oder bescheidenere Portionen auf dem Teller: "Die Leute zu Hause sollten schauen, dass sie möglichst genau zubereiten und neue Rezepte schon ausprobieren, bevor sie diese für zehn oder 20 Gäste zubereiten."

Selina Juul empfiehlt, ein Resteessen am ersten Weihnachtstag zu veranstalten oder den Gästen die Überbleibsel mit nach Hause zu geben. Sie selbst geht mit gutem Beispiel voran: Wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit beliefert sie Kopenhagener Wohltätigkeitsorganisationen mit Resten aus dem Einzelhandel, die dann an Obdachlose verteilt werden.

Ein innovatives Projekt gegen Lebensmittelverschwendung ist gerade in Deutschland gestartet: Über das Internetportal foodsharing.de können Menschen Lebensmittel an andere abgeben, sie tauschen oder kostenlos abholen.

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