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Schuldenkrise

Zypern und Spanien beantragen Hilfe

Beide Länder haben im Abstand weniger Stunden offiziell Finanzhilfen aus dem Euro-Rettungsschirm beantragt. Allerdings sind noch keine genauen Summen bekannt.

Zypern ist das fünfte Land, das sich unter den Euro-Rettungsschirm EFSF flüchtet. Die zyprische Regierung erklärte in Nikosia, der Inselstaat sei aufgrund seiner engen Verflechtung mit der griechischen Wirtschaft auf Hilfe angewiesen. Zyperns Antrag war erwartet worden, Präsident Dimitris Christofias hatte sich aber doch sehr kurzfristig für den Hilfsantrag entschieden. Zypern ist die drittkleinste Volkswirtschaft im Währungsraum. Das Land rückt gerade jetzt besonders in den Blick, weil der kleine Mittelmeerstaat am 1. Juli für sechs Monate den EU-Ratsvorsitz übernimmt.

Dass Spanien Hilfe aus dem Rettungsschirm brauchen würde, stand dagegen seit Tagen fest. Am Montag nun hat die Regierung in Madrid den Antrag abgeschickt. Im Gegensatz zu Griechenland, Irland und Portugal, die schon vorher unter den Rettungsschirm geschlüpft sind, braucht Spanien nur spezielle Notkredite zur Stabilisierung seiner Banken. Die spanische Zentralbank hatte in der vergangenen Woche den Bedarf auf bis zu 62 Milliarden Euro beziffert. Die Finanzminister der Eurozone hatten Spanien Hilfen von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt.

Rettung für Bankia

Die meisten Staatshilfen dürften an das bereits vom Staat gestützte Institut Bankia gehen sowie an die drei Geldhäuser Nova Caixa Galicia, Caixa Catalunya und die Banco de Valencia. Diese Institute könnten möglicherweise schon im Juli rund 40 Milliarden Euro benötigen. Spanien, das tief in der Wirtschaftskrise steckt und unter einer Rekordarbeitslosigkeit leidet, kann sich selbst an den Kapitalmärkten nur noch zu hohen Zinsen frisches Geld besorgen. Mit der europäischen Geldspritze für die Kreditinstitute will sich die Regierung nun etwas Luft im Kampf gegen die Schuldenkrise verschaffen.

Allerdings nannte der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos in einem Brief an Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker noch keine genaue Summe, die das Land für die Stützung seiner Banken braucht. Der spanische Wirtschaftsstaatssekretär Jiménez Latorre sagte, beim nächsten Treffen der Eurogruppe am 9. Juli solle "eine Größenordnung" für den Finanzbedarf angegeben werden.

Auch Zypern nannte in seinem Antrag noch keine konkrete Summe. Die Finanzhilfen sollten die Risiken des angeschlagenen Finanzsektor des Landes "zügeln", hieß es in dem Schreiben. Allerdings ist noch unklar, ob Zypern - wie Spanien - das Geld nur für seinen Bankensektor benötigt. Ein Sprecher der Eurogruppe sagte am Montag, zunächst müssten Experten der Europäischen Zentralbank (EZB), der Europäischen Bankenaufsicht (EBA) und der EU-Kommission vor Ort den Kapitalbedarf klären.

Zypern flüchtet unter Euro-Rettungsschirm

Eine Sprecherin des Internationalen Währungsfonds erklärte, dass beim IWF kein Hilfeersuchen eingegangen sei. Es handele sich um eine Sache zwischen einem Euroland und dem europäischen Rettungsschirm. Diplomaten werteten dies als Zeichen dafür, dass auch Zypern die Hilfen nur für seine Banken braucht. Das würde bedeuten, dass sich die Reformauflagen, die mit der Zahlung verbunden sind, nur auf den Finanzsektor beschränken.

Fitch stuft Bonität Zyperns herab

Der Hilfsantrag Zyperns folgte unmittelbar auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes auf Ramschniveau. Die Ratingagentur Fitch hatte die Bonität des Landes am Montag um eine Stufe von BBB- auf BB+ gesenkt. Die beiden anderen großen Ratingagenture, Moody's und Standard & Poor's, hatte ihre Ratings schon in den Vormonaten auf ein entsprechendes Niveau gesenkt.

Die großen zyprischen Banken sind stark in Griechenland engagiert und damit den Risiken durch die griechische Staatsverschuldung besonders ausgesetzt. Allein die Cyprus Popular Bank, das zweitgrößte Institut des Landes, benötigt bis Ende Juni 1,8 Milliarden Euro - das entspricht einem Zehntel der jährlichen Wirtschaftsleistung Zyperns. Die Ratingagentur Fitch schätzte den Kapitalbedarf der zyprischen Banken auf vier Milliarden Euro.

Moody´s stuft Spaniens Banken herab

Sicher ist: Finanzexperten betrachten auch die Situation in Spanien mit großer Sorge. Die Ratingagentur Moody´s stufte die Kreditwürdigkeit von insgesamt 28 spanischen Banken nach unten und das um bis zu vier Stufen.

bea/ haz (dapd, dpa, rtr)

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