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Migration

Zuwanderer mit Diplom

Immer mehr Zuwanderer in Deutschland sind Akademiker. Das ist ein Trend, den deutsche Politiker schon seit Jahren anstreben. Wissenschaftler sehen die Entwicklung allerdings nicht nur positiv.

Magdeburg (Sachsen-Anhalt): Die italienische Biologin Maria Rosa Spina, Biochemiker Sanjoy Roychowdhury aus Indien und Prof. Dr. Gerald Wolf (l-r) arbeiten am 09.08.2000 gemeinsam im Labor des Instituts für Neurobiologie an der Otto-von Guericke-Universität Magdeburg. An der Magdeburger Bildungseinrichtung arbeiten derzeit rund 100 Forscher aus mehreren Ländern. Um das hohe Forschungsniveau an der Universität zu halten oder Kapazitäten auszubauen, sind nach Meinung der Institutsleitung Experten aus dem Ausland dringend nötig. (MGB01-100800)

Deutschland ausländische Experten

Die Zeiten, als das Bild von Zuwanderern in Deutschland geprägt war vom türkischen Fließbandarbeiter in der Fabrik oder dem polnischen Hilfsarbeiter auf der Baustelle, sind vorbei. Heute denkt man bei Menschen, die nach Deutschland kommen und Arbeit suchen, eher an den Arzt aus Griechenland oder die Ingenieurin aus Spanien. Diesen Wandel belegt inzwischen auch die Statistik: Zwischen 2005 und 2009 hat sich der Anteil der Neuzuwanderer mit einem Hochschulabschluss von 30 auf 44 Prozent erhöht. Zu diesem Ergebnis kommt  eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Die Autoren sprechen von einer "Erfolgsmeldung", die auf die gelockerten Einreisebedingungen für Hochqualifizierte zurückzuführen sei.

Bologna-Prozess als Beschleuniger

Prof. Dr. Herbert Brücker, Arbeitsmarktforscher an der Universität
Bamberg sowie beim Institut Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)
Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

Herbert Brücker vom IAB

Der größte Teil der gut ausgebildeten Migranten nach Deutschland kommt aus den EU-Ländern. Dazu passt die Beobachtung von Herbert Brücker, Arbeitsmarktforscher am IAB: Er sieht als treibende Kräfte für den Trend der Zuwanderung von Hochqualifizierten beispielsweise EU-Initiativen wie den Bologna-Prozess - also den Versuch, die Anerkennung von Bildungsabschlüssen über Landesgrenzen hinweg zu erleichtern. Viele der gut ausgebildeten Neuzuwanderer seien Studenten, die nach ihrem Abschluss in Deutschland bleiben und eine Stelle finden.

Doch auch Zuwanderer, die in Deutschland in niedrig qualifizierten Jobs arbeiten - etwa im Baugewerbe, der Gastronomie oder der Landwirtschaft -, seien nicht unbedingt schlecht ausgebildet: "Wahrscheinlich arbeiten viele dieser Menschen unter ihrer Qualifikation", gibt Brücker zu bedenken. Der Migrationsforscher Ludger Pries von der Ruhr-Universität Bochum formuliert deutlicher: "Wir haben immer noch ein viel zu schwerfälliges System der Anerkennung von Hochschulabschlüssen und Berufsbildungsabschlüssen. Da muss noch viel mehr getan werden." Seit April 2012 haben Migranten in Deutschland immerhin einen Rechtsanspruch, dass ihr Berufsdiplom aus dem Heimatland innerhalb von drei Monaten überprüft wird.

Ein polnischer Erntehelfer sticht Spargel

Viele Zuwanderer arbeiten immer noch in Niedriglohn-Jobs - etwa in der Landwirtschaft.

Einerseits fallende, andererseits unpassierbare Hürden

Trotz solcher Hindernisse prognostiziert der Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker, dass Deutschland als Zuwanderungsmagnet noch stärker wird - und spätestens ab 2014 besonders auch Menschen aus Rumänien und Bulgarien anzieht. Denn dann bekommen auch die Bürger der beiden jüngsten EU-Länder ohne Arbeitserlaubnis Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Bislang gilt die so genannte Arbeitnehmerfreizügigkeit in Deutschland nicht für alle osteuropäischen EU-Staaten. Herbert Brücker ist verhalten optimistisch, dass die rumänischen und bulgarischen Zuwanderer ebenso gut auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen können wie die 80.000 Osteuropäer, die nach der Ausweitung der Arbeitnehmerfreizügigkeit der Europäischen Union im Jahr 2011 nach Deutschland kamen. Im Gegensatz zu Befürchtungen aus der Politik, die Zuwanderer könnten als Arbeitslose dem deutschen Sozialsystem zu Last fallen, haben sie fast alle eine Beschäftigung gefunden.

Prof. Ludger Pries

Ludger Pries von der Ruhr-Universität Bochum

Während sich für die einen die Pforten zur deutschen Arbeitswelt öffnen, wird es für andere immer schwieriger, überhaupt Zugang zu Deutschland zu finden. "Durch die Drittstaatenregelung gibt es immer weniger Flüchtlinge, die bis nach Deutschland durchkommen", sagt Migrationsforscher Ludger Pries. Die Drittstaatenregelung der EU sieht vor, dass Menschen in dem Land Asyl beantragen müssen, über das sie in die Europäische Union einreisen - meist sind es die südlichen Länder Griechenland, Spanien und Italien. Dass Armutsflüchtlinge, meist niedrig Qualifizierte aus Entwicklungsländern, vom deutschen Arbeitsmarkt ferngehalten werden, müsse in der euphorischen Debatte um die hochqualifizierten Neuzuwanderer mitgedacht werden, meint Pries.

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