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Energie

Wird Strom zum Luxusgut?

2022 soll in Deutschland das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. Stattdessen soll der Strom dann aus erneuerbaren Energien kommen. Doch die Energiewende wird immer teurer, gibt auch Umweltminister Altmaier zu.

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5.7.12
Symbolbild Energie Grün Strom Stecker Netzstecker Stromspannung Umwelt Ökostrom

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Die Stromrechnung wird für die meisten Deutschen zum immer größeren Ärgernis. Jedes Jahr fällt sie höher aus und das wird von der Politik auch gar nicht mehr schöngeredet. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) geht davon aus, dass die Strompreise in den nächsten Jahren sogar noch weiter steigen werden. "Alle wussten beim Ausstieg aus der Kernenergie, dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist", sagte Altmaier am Mittwoch (08.08.2012) im ZDF. In welche Höhen sich die Preise noch schrauben könnten, sei jetzt aber noch nicht genau absehbar.

Immer mehr Strom wird in Deutschland aus erneuerbaren Energien erzeugt. Waren es 2011 noch 20 Prozent, so stammten im ersten Halbjahr 2012 bereits 25 Prozent der gesamten Stromproduktion aus Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft und Biomasse. "Wir liegen beim Ausbau der erneuerbaren Energien nicht nur im Plan, wir liegen über dem Plan", kommentiert Umweltminister Altmaier das Ergebnis.

Teure Erfolgsgeschichte

Paradoxerweise sind es jedoch diese guten Zahlen, die den Strom in Deutschland so teuer machen. Die Erzeuger von erneuerbaren Energien bekommen feste Vergütungen bezahlt. Sind die höher als der Marktpreis für Strom, wird die Differenz auf die Verbraucher umgelegt. 2007 belastete die Umlage aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) jeden Privathaushalt mit rund 35 Euro jährlich. 2013 werden es voraussichtlich 185 Euro sein. Genau steht die Summe zwar noch nicht fest, Experten gehen aber davon aus, dass die Umlage für 2013, wenn sie im Herbst festgelegt wird, von derzeit 3,59 Cent je Kilowattstunde auf voraussichtlich 5,3 Cent ansteigen wird.

Bürger machen Wind

Eine Marge, die auch die Politiker alarmiert. Aufgabe der Bundesregierung sei es, die Energiewende so zu organisieren, dass sich diese Preissteigerungen im Rahmen hielten und Strom bezahlbar bleibe, sagt Bundesumweltminister Altmaier. Bislang hat die Regierung allerdings nur für die Industrie gesorgt. Energieintensive Betriebe sind nach wie vor von Ausgleichszahlungen nach dem EEG ausgenommen.

Neue Netze braucht das Land

Muss also der Verbraucher die gesamte Zeche für die Energiewende zahlen? Enorme Kosten wird in den nächsten Jahren auch der Ausbau des Stromnetzes verschlingen. Mehr als 3000 Kilometer neue Trassen müssen gebaut werden, um den Strom vom Norden, wo die Windparks die meiste Energie liefern, in den Süden zu transportieren, wo die Industrie den Strom braucht. Ein Bundesnetzplan wird derzeit erarbeitet. "Ich gehe davon aus, dass er spätestens Anfang nächsten Jahres verabschiedet wird", meint Bundesumweltminister Altmaier.

Ein Plan allein wird allerdings nicht ausreichen, dass weiß man auch in der Bundesregierung. Vor einem Jahr bereits wurde daher das "Netzausbau-Beschleunigungs-Gesetz" auf den Weg gebracht. Genutzt hat es allerdings noch nichts, und es hat auch den Streit zwischen den Bundesländern, Umweltverbänden und Bürgerinitiativen über den Trassenverlauf nicht schlichten können.

Am 28. August soll nun erneut ein "Energiegipfel" im Kanzleramt stattfinden. Spätestens dort wird Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Minister Altmaier und Bundeswirtschaftsminister Phillip Rösler (FDP) sicherlich auch noch einmal daran erinnern, dass sie beim Thema Energie viel stärker an einem Strang ziehen müssen. Bislang ist das nicht der Fall. Im Gegenteil. Rösler forderte kürzlich, den europäischen und nationalen Umwelt- und Naturschutz über mehrere Jahre auszusetzen, um den Netzausbau zu beschleunigen. Ob er im Bundesumweltministerium damit auf offene Ohren stößt, kann bezweifelt werden.

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