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Gedenken in Ütöya

Tim Krohn (Stockholm) 22. Juli 2014

Das Attentat durch Anders Breivik auf der norwegischen Ferieninsel Utöya ist drei Jahre her. Der Anschlag ist Norwegens größtes Trauma. Ein Mahnmal soll an das Geschehen erinnern, das so schnell niemand vergessen wird.

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Die Insel Ütöya in Norwegen. Foto: DW/Lars Bevanger)
Bild: Lars Bevanger

Sie machen es leise und abgeschirmt von allzu neugierigen Mikrofonen. Angehörige und Überlebende des 22. Juli sind heute nach Utöya gefahren, zurück auf die Insel, dorthin, wo Anders Behring Breivik heute vor drei Jahren auf alles schoss, was sich bewegte. 69 Menschen kamen in dem Kugelhagel ums Leben.

"Der 22. Juli hatte uns auf die Probe gestellt. Unsere Antwort war: Zusammenhalt! Wir antworteten, in dem wir uns umeinander gekümmert haben. Genau das ist die Voraussetzung für ein Norwegen als eine offene Gesellschaft auch in der Zukunft", sagt Ministerpräsidentin Erna Solberg während der Gedenkveranstaltung. "Die Erinnerung an den 22. Juli ist eine Verpflichtung für uns alle. Wir müssen kämpfen für Offenheit, Toleranz und Vielfalt." Die Ministerpräsidentin wählte heute ganz ähnliche Begriffe wie schon ihr Vorgänger Jens Stoltenberg.

Es ist ein eher stiller Tag in Norwegen. Auch nach drei Jahren ist es immer noch schwer, die richtigen Worte zu finden, vor allem 40 Kilometer von Oslo entfernt, am Tyrifjord. Was aus der Insel Utöya werden soll, bleibt unklar. Und eine Frage bleibt: kann man überhaupt eine gemeinsame Form finden, sich zu erinnern?

Ministerpräsidentin Eerna Solberg bei der Gedenkveranstaltung zum Ütöya-Anschlag. (Foto: Reuters/Vegard Grott/NTB Scanpix)
Solberg: "Die Erinnerung ist eine Verpflichtung für uns alle"Bild: Reuters

Umstrittenes Mahnmal

"Die Sache ist schwierig geworden, vor allem für die Angehörigen und Überlebenden. Nicht zuletzt wegen dieser starken Debatte rund um das Mahnmal", sagt Jan Tore Sanner. "Wir wollen ein würdevolles Erinnern. Und deshalb wäre es vernünftig, sich mehr Zeit zu nehmen." Er ist der Bürgermeister der kleinen Gemeinde Hole gegenüber der Insel. Der Mann hat ein Problem, denn die Landzunge bei ihm am See soll zerschnitten werden. Ein dreieinhalb Meter tiefer Spalt soll entstehen, ganz runter bis hinein ins Wasser. Eine symbolische Wunde, als Gedenken an die Geschehnisse auf der Insel Utöya. "Memory Wound" heißt die preisgekrönte Idee des schwedischen Künstlers Jonas Dahlberg.

"Die Herausforderung ist ja, einen persönlichen Raum zu schaffen, der in einem öffentlichen Raum funktioniert“, lautet die Intention des Künstlers hinter seinem Mahnmal. Dahlbergs Mahnmal ist spektakulär, klug geplant und frei von Pathos. Der Besucher steigt in den Fels, steht in der Galerie und kommt dort nicht weiter. Er sieht die Namen der Opfer auf der anderen Seite und kommt nicht ran. Der Graben tut weh. Nicht alle können das ertragen.

Der Projektentwurf von Jonas Dahlberg zeigt den Spalt in der Landzunge. (Foto: Jonas Dahlberg Studio)
"Memory Wound" - ein von Jonas Dahlberg entworfener Spalt, der an die 69 Opfer auf Ütöya erinnern sollBild: picture-alliance/dpa/Jonas Dahlberg Studio

Tägliche Erinnerung bleibt - auch ohne Mahnmal

Ole Morten Jensen wohnt in Tyrifjord und hat bei der Errichtung seine Bedenken: "Diese Gedenkstätte wird so ins Auge fallen, dass wir das Ding jeden Tag sehen werden. Nichts kann es verdecken. Es fällt uns schwer, zu akzeptieren, dass wir für den Rest unseres Lebens jeden Tag an den 22. Juli erinnert werden sollen." Ole Morten Jensen spricht auch im Namen seiner Nachbarn. Sie wohnen genau gegenüber der Insel. Vor drei Jahren hatten sie Kinder gerettet und Leichen gezählt. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht schon ohne das Mahnmal an das Geschehen denken.

Auch Ida, die Tochter von Mai Britt Rogne, war damals unter den Toten. Und Sharidyn, sie war mit gerade mal 14 Jahren das jüngste von Breiviks Opfern. "Wir fühlen uns übergangen, dass man über unsere Köpfe hinweg entscheidet, ohne, dass wir gefragt werden", sagt Mai Britt Rogne. "Falls sie an ihren Plänen festhalten und den Namen meiner Tochter eingravieren wollen, bekommen sie meine Erlaubnis nicht! Und wenn ich den Rest meines Lebens damit verbringe, dafür werde ich sorgen“, stimmt auch Vanessa Svebakk, die Mutter des jüngsten Opfers, zu. Die beiden Mütter der Mädchen wollen das Mahnmal nicht, um keinen Preis.

Es bleibt schwer für die Angehörigen, zur Ruhe zu kommen, ganz besonders an Tagen wie diesem. Über das Denkmal, das eigentlich längst beschlossene Sache war, wird nun ein Runder Tisch entscheiden. Der Ausgang scheint offen.