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Umweltschutz

Windstrom schlägt Atomkraft

Die Windenergie deckt drei Prozent des globalen Strombedarfs und liefert bald mehr Strom als die Atomkraft. Sie ist günstig und schafft Arbeitsplätze. Im Jahr 2011 wurden 50 Milliarden Euro investiert.

Arbeiter auf Windrad (Foto: dpa)

Windkraft in Deutschland

Die Windenergie boomt und wird weltweit immer wichtiger. In Spanien und Dänemark liefert die Windenergie bereits 20 Prozent des Stroms, in Deutschland sind es neun Prozent. Bis 2020, so die Prognosen, werden es in Deutschland zwischen 20 und 25 Prozent sein.

Im letzten Jahr wurden nach Angaben der World Wind Energy Association (WWEA) Windkraftanlagen mit einer gesamten Leistung von rund 40 Gigawatt (GW) neu aufgestellt. Damit liegt die globale Leistung der umweltfreundlichen Energie Ende 2011 bei 237 GW. Dies entspricht der Kraftwerksleistung von rund 280 Atomreaktoren. Zum Vergleich: Derzeit liefern weltweit rund 380 Atomreaktoren Strom. Durch Stilllegungen geht die Atomstromproduktion aber insgesamt zurück.

Vier Mal mehr Windkraft bis 2020

Der weltweite Ausbau der Windenergie geht schnell voran. Jedes Jahr werden bislang 20 Prozent mehr Windanlagen aufgestellt. Nach Prognosen der World Wind Energy Association wird sich bis 2020 die weltweite Windkraftleistung Vervierfachen, auf eine Leistung von über 1.000 GW.

Wie kein anderes Land auf der Welt treibt China den Ausbau mit aller Kraft voran. 2011 wurde fast die Hälfte der weltweit produzierten Windanlagen in China aufgestellt. China ist vor den USA und Deutschland die führende Windnation. Bezogen auf Bevölkerungszahl und Anteil am Stromverbrauch haben allerdings EU-Länder wie Dänemark, Spanien und Deutschland die Nase weiterhin vorn. In China liegt der Anteil des Windstroms bei der Stromversorgung bei lediglich drei Prozent

Günstigste Energie

Zwar ist die Windkraft umwelt- und klimafreundlich, doch der Grund für den weltweiten Boom liegt vor allem im Preis. Der Strom aus Windenergie ist oft die günstigste Energie. Nach Angaben von Stefan Gsänger, Geschäftsführer der World Wind Energy Association, liegt der Preis für eine Kilowattstunde Strom aus neuen Windkraftwerken an Land heute zwischen fünf und neun Eurocent. Das sei der Grund, so Stefan Gsänger im DW-Interview, "dass Windenergie eine der beliebtesten Energiequellen ist."

Stefan Gsänger (Foto: WWEA)

Stefan Gsänger

Zum Vergleich: Der Strom aus neuen Kohlekraftwerken kostet in Europa rund sieben Cent. Nach Berechnungen der EU und des deutschen Umweltministeriums liegen die wahren Kosten für Kohlestrom jedoch doppelt so hoch. Der Ruß aus den Kohlekraftwerken ist vor allem für viele Atemwegserkrankungen verantwortlich und sorgt für hohe Kosten im Gesundheitssystem. Auch der Strom aus anderen, neuen fossilen Kraftwerken und Atomanlagen liegt nach seriösen Berechnungen über dem Preis der Windkraft an Land.

Rahmenbedingungen sind wichtig

Obwohl der Windstrom schon heute zu den günstigen Energiequellen zählt, braucht er nach Einschätzung von Gsänger auch weiterhin politische Unterstützung. Diese läge nicht in einer höheren Vergütung für Windstrom, sondern in einem garantierten Einspeisetarif. Gesetzlich festgelegte Abnahmepreise seien erforderlich, damit die Banken Kredite vergeben. Gsänger nennt als Beispiel die Türkei: "Hier ist der Einspeisetarif niedriger als der Marktpreis. Trotzdem ist der Einspeisetarif nötig, weil dann die Banken die Windkraftanlagen finanzieren. Und ich sehe das auch in anderen Ländern als Perspektive."

Finanzierung mit Mikrokredit

Für den Ausbau der Windkraft sind Finanzierungsinstrumente sehr wichtig. Im Gegensatz zu den fossilen Energiekraftwerken liegen bei der Windkraft die Kosten vor allem in der Investition. In weniger entwickelten Regionen ist die Finanzierung ein großes Problem. So findet zum Beispiel in vielen afrikanischen Ländern der Ausbau der Windenergie noch gar nicht statt.

Um Windstrom dort dennoch zu erzeugen, sieht Gsänger kleine Anlagen und ein Mikrokreditsystem als Lösung, wie es der Friedensnobelpreisträger Mohammad Yunus für Bangladesch entwickelt hat: "Das heißt, dass das Unternehmen, das die Anlage zur Verfügung stellt, gleichzeitig den Kredit gewährt. Die Stromkunden zahlen dann monatlich zurück und müssen aber nur dann bezahlen wenn die Anlage auch tatsächlich Strom liefert."

Windpark (Foto: Jan Oelker)

Windpark in der belgischen Nordsee mit großen Windkraftanlagen: Eine logistische Herausforderung.

Anlagen für jeden Ort und Zweck

In den letzten Jahren wurde die Technik weiter entwickelt: So gibt es Anlagen mit sehr großen Flügeln für windschwache Regionen und höhere Türme, die das Windpotential besser ausschöpfen. Auch werden große Offshoreanlagen ins Meer gebaut. Die Installation und Wartung ist allerdings aufwendig, die daraus resultierenden Kosten für den Strom sind mit rund 18 bis 20 Eurocent pro Kilowattstunde (kWh) doppelt so hoch wie an Land.

Ein ganz anderer Trend sind Kleinwindanlagen für Häuser, kleine Dörfer oder Industriebetriebe. Über eine halbe Millionen Anlagen wurden bisher installiert, die meisten in China und den USA. Auch hier sind die resultierenden Stromkosten höher - zwischen 15 und 20 Eurocent pro kWh. Für viele Menschen in Entwicklungsländern und wenig erschlossenen Gebieten der Erde sind Kleinwindanlagen dennoch rentabel, da die Nutzer ansonsten keine Möglichkeiten hätten, elektrischen Strom zu nutzen. Und auch für Verbraucher in entwickelten Ländern lohnen sich die Kleinwindanlagen zunehmend, da der mit ihnen produzierte Strom weniger kostet, als er von vielen Energieversorgern angeboten wird. Experten sehen daher in der Kleinwindtechnologie langfristig einen sehr großen Wachstumsmarkt.

Bürgerbeteiligung steigert Akzeptanz

Kleinwindanlage(Foto: BWE)

Immer mehr Kleinwindanlagen wird es zukünftig geben

Über die Hälfte aller Windanlagen in Deutschland ist in Besitz von Bürgern, Landwirten und Kommunen vor Ort. Nach Ansicht von Hermann Albers, Präsident vom Bundesverband Windenergie, steigert dies erheblich die Akzeptanz. Die Bürger würden so den Eingriff in das Landschaftsbild akzeptieren, weil sie zugleich auch vom Stromverkauf profitieren.

Bei großen Windparks von fremden Investoren ist die Begeisterung nicht immer so hoch betont Albers gegenüber der Deutschen Welle. Albers ist Landwirt und hat gemeinsam mit anderen Bauern und Bürgern in den letzten 20 Jahren einige Bürgerwindparks in seiner Region initiiert: “Wir erleben heute in den Gemeinden mit Bürgerwindparks eine sehr große Zustimmung. In vielen Fällen will inzwischen die Hälfte der Bürger dort in die Windkraft investieren. Die Menschen haben die Chancen verstanden."

Das Modell der Bürgerbeteiligung sieht auch die World Wind Energy Association als wichtigstes Instrument, um die klimafreundliche Energiegewinnung schneller weltweit auszubauen. Auch deshalb stand die World Wind Energy Conference vom 3. bis 5. Juli 2012 in Bonn unter dem Titel "Community Power – Citizens Power".

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