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Währungen

Was hat der Dollar, was der Euro nicht hat?

14 Jahre nach seiner Einführung hat sich der Euro als die zweitwichtigste Währung etabliert. Ein Viertel der Geldreserven wird in Euro gehalten. Doch jetzt wird er als eine Währung auf Abruf gehandelt. Zu Recht?

Durch den erbitterten Haushaltsstreit und die ultralockere Geldpolitik der US-Notenbank hat der Dollar im Vergleich zum Euro weiter an Wert verloren. Dennoch befürchtet niemand, dass der Dollarraum auseinanderfallen und der Dollar verschwinden könnte. Auf den unbändigen Glauben an den Dollar kann der Euro nur neidisch sein. Auch wenn die unmittelbare Gefahr eines Auseinanderbrechens der Währungsunion durch das Handeln der Europäischen Zentralbank gebannt wurde, gilt der Euro nicht wirklich als sichere Währung. So sieht die OECD die Existenz der Eurozone weiterhin als gefährdet.

Der Dollar hat eine starke Zentralregierung

Prof. Achim Wambach, Direktor des Wirtschaftsinstituts der Universität Köln (Foto: Uni Köln)

Der Dollar hat eine Menge, was der Euro nicht hat: Achim Wambach

Was also hat der Dollar, was der Euro nicht hat? "Eine ganze Menge", sagt Achim Wambach, Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln. Zuerst habe der Dollar eine starke Zentralregierung. "Ein Großteil des Fiskalbudgets läuft über Washington und nicht über die einzelnen Bundesstaaten", so Wambach gegenüber der Deutschen Welle.

Die Europäische Währungsunion ist dagegen keine Politische Union. Das Budget der ganzen EU entspricht einem Prozent der Wirtschaftsleistung der Mitgliedsländer. Die Eurozone hat nicht mal einen eigenen Haushalt.

Banken nicht von den Bundesstaaten abhängig

Prof. Clemens Fuest von der Universität Oxford (Foto: dpa)

Das Finanzsystem wurde nicht einer Währungsunion angepasst: Clemens Fuest

Die hohe Abhängigkeit zwischen den Banken der Eurozone und den jeweiligen Nationalstaaten bildet eine weitere Achillesferse des Euro. Die Beispiele von Irland und Spanien zeigen, dass sich Banken und Staaten gegenseitig in den Abgrund ziehen können. Für den Finanzwissenschaftler Clemens Fuest besteht denn auch der größte Konstruktionsfehler des Euro darin, das Finanzsystem nicht an die Währungsunion angepasst zu haben: "Man hätte sich darauf einstellen müssen, dass es in einer Währungsunion so ist, dass einzelne Staaten insolvent werden können und dass ein Schuldenschnitt stattfinden muss", sagt Fuest im Gespräch mit der DW. Damit er stattfinden könne, müssten die Banken so solide sein, dass sie diesen Schuldenschnitt aushalten. Das heiße, sie hätten mehr Eigenkapital haben müssen, sagt ZEW-Präsident Fuest weiter.

Die USA hätten keine Banken, die von den einzelnen Bundesstaaten abhängig seien, meint Achim Wambach: "Wenn Kalifornien insolvent wird, haben die Kalifornier keine Sorge, dass ihre Sparkonten darunter leiden, weil sie nicht bei einer kalifornischen, sondern bei einer amerikanischen Bank liegen."

Keine Ansteckungsgefahr

Das erklärt auch die geringe Ansteckungsgefahr zwischen den US-Bundesstaaten. Wenn Minnesota von der Pleite bedroht wird, wird Michigan nicht in Mitleidenschaft gezogen. Anders in der Eurozone: Hier hat jeder Krisenherd das Potenzial, einen Flächenbrand zu entfachen. Wenn Griechenland den Euro verlassen würde, würde sich sofort die Frage stellen: Wer ist der nächste?

Feuer brennt auf einem Haufen Ein-Euro-Muenzen (Foto: dapd)

Schnell entsteht ein Flächenbrand

Das ist auch der Grund, warum das Beistandsverbot in den EU-Verträgen von den Finanzmärkten nicht ernst genommen wurde. Insofern trägt jedes Euroland eine geringe Haftung für die eigene Fiskalpolitik, weil es im Falle der Fälle darauf spekulieren kann, von den anderen gerettet zu werden.

Jeder Bundesstaat haftet für sich

Ganz anders in den USA: Dort haftet jeder Bundesstaat für seine eigenen Schulden. Wenn ein Staat in Finanznot gerät, muss er drastisch sparen. Es gebe beispielsweise einen automatischen Budgetstopp, erklärt Achim Wambach von der Universität Köln noch einmal am Beispiel Kaliforniens: "Wir haben in der Krise gesehen, dass an den Universitäten die Kollegen alle verlängerten Urlaub nehmen mussten. Die Gehälter wurden gekürzt."

Eine weitere Maßnahme, die unter den US-Bundesstaaten für Haushaltsdisziplin sorgt, ist die jährliche Tilgung der Schulden auf den Konten der zwölf Fed-Filialen. Das soll verhindern, dass sich einzelne Regionen der Notenpresse bedienen und die Last anderen aufbürden.

Prof. Hans-Werner Sinn, Direktor, des Ifo-Instituts (Foto: privat)

Hat das Target-Problem ins Gespräch gebracht: Hans-Werner Sinn

Bei der Konstruktion des Euro wurde ein solcher Clearing-Mechanismus nicht eingebaut. Das hat in der Krise zu enormen Ungleichgewichten bei den sogenannten Target-Salden der 17 Nationalnotenbanken geführt. Die Forderungen der Bundesbank gegenüber den Notenbanken der Krisenländer wachsen monatlich um über 30 Milliarden Euro. Nach der Meinung von Hans-Werner Sinn, Direktor des Ifo-Instituts, sind Target-Kredite versteckte Rettungspakete für Schuldnerländer. Würden die Gläubigerländer darauf bestehen, die Target-Konten zu begleichen, würde das den sicheren Tod der Währungsunion bedeuten.

EZB ist nicht Fed

David Marsh, Chairman of Official Monetary and Financial Institutions Forum (Foto: DW)

Die EZB ist keine normale Notenbank: David Marsh

Aber ist da nicht noch die Europäische Zentralbank, die mit aller Macht den Euro retten wird? Das hatte der EZB-Chef Mario Draghi in letztem Sommer versprochen. Doch während die Federal Reserve hinter dem Dollar und die Bank of England hinter dem Pfund stehen, ist die EZB nicht in der Lage, über Nacht Entscheidungen zu treffen, um den Euro zu schützen. Das macht den letzten und wahrscheinlich den wichtigsten Unterschied zwischen dem Dollar und Euro aus. Zwar wurde in der Krise das Mandat ausgedehnt, "aber die EZB ist nach wie vor eine föderale Institution, von 17 Notenbanken getragen. Sie ist keine allein agierende Notenbank. Deswegen bleibt der Euro zerbrechlich", sagt Notenbanken-Kenner David Marsh gegenüber der DW.

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