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Währungen

Währungskrieg folgt der Schuldenkrise

Im Jahr 2011 sprach Brasiliens Finanzminister erstmals von einem Währungskrieg. Nun hat Japan eine neue Runde des Wettbewerbs um eine möglichst schwache eigene Währung eingeläutet.

Symbolbild Währungen Währungskrieg

Währungskrieg ist längst im Gange

"Ich will nicht sagen, dass ich im Moment völlig ohne Sorge auf Japan blicke", sagte Angela Merkel vor kurzem auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Was unserer Bundeskanzlerin Sorgen bereitet, ist der feste Wille der neuen japanischen Regierung, das Land mit einer wahren Geldschwemme aus der Deflationsfalle herauszuholen. Die Bank of Japan sorgt mit dem Anwerfen der Notenpresse auch dafür, dass der Yen billiger wird - ein Segen für die Exportunternehmen des Landes.

Prof. Achim Wambach, Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln (Foto: privat)

Sieht die Gefahr eines Abwertungswettlaufs: Prof. Achim Wambach

Mit ihrer lockeren Geldpolitik steht die japanische Notenbank keinesfalls allein da. Die US-Zentralbank Fed hat für das Gelddrucken einen eleganten Namen erfunden: Quantitative Lockerung. Seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise hat sie den Leitzins auf nahezu Null gesenkt und Staatsanleihen im Billionenwert gekauft. "Die Gefahr droht, dass wir alle mit einer lockeren Währung hier versuchen, aus der Krise hinauszukommen", sagt Achim Wambach, Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Köln, im Gespräch mit der DW.

Leiden müssen andere Länder

Da die Abwertung einer Währung oft zur Aufwertung einer anderen Währung führt, war Brasilien der Leidtragende der Fed-Maßnahmen. Innerhalb von zwei Jahren ist der brasilianische Real um fast die Hälfte teurer geworden. Der Finanzminister sprach deshalb von einem Währungskrieg. Unter der Geldpolitik der Bank of Japan leidet in erster Linie Südkorea. Beide asiatischen Länder verkaufen Fernseher, Handys und Autos weltweit. Da der Wert des koreanischen Won gegenüber dem Yen seit einem Jahr um fast ein Drittel zugelegt hat, ist das Jammern unter den südkoreanischen Exportunternehmen laut.

China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist in diesem Währungskrieg Täter und Opfer. Jahrelang kaufte die People's Bank of China massiv US-Staatsanleihen auf, um so eine Yuan-Aufwertung zu verhindern. Der Export wurde beflügelt. Nun sieht das Land den Wert seiner Dollar-Bestände dahinschmelzen, weil die Fed die Märkte mit immer mehr Dollar-Scheinen flutet. Auch machen der nun immer teurere Yuan und der sinkende Konsum in den Industrienationen den heimischen Exporteuren zu schaffen.

Ein Wettlauf des Gelddruckens

***Achtung: Nur zur mit der Commerzbank abgesprochenen Berichterstattung verwenden!***
Marco Wagner, Analyst bei der Commerzbank
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Rechte: Commerzbank AG

Marco Wagner Analyst Commerzbank AG

Während der Dollar schwächelt und der Yuan langsam aufwertet, geht der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung durch die Decke. Dabei hat die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls den Leitzins auf ein historisch niedriges Niveau gesenkt, Staatsanleihen kriselnder Länder gehortet und ihre Geldschleuse weit geöffnet. Trotzdem gibt der Euro nicht nach. Marco Wagner, Analyst bei der Commerzbank, hat dafür eine Erklärung: " Man muss bei den Notenbanken auch immer schauen, wie sie sich relativ zueinander verhalten. Wie viel Geld druckt die EZB und wie viel Geld druckt die Fed."

Mit anderen Worten: Die Fed fährt einen weitaus agressiveren Kurs als die EZB. Seit der EZB-Präsident Mario Draghi eine Existenzgarantie für den Euro abgegeben hat, kehrt auch Vertrauen in den Euro zurück. Zudem will die EZB die zur Krisenbekämpfung freigesetzte Liquidität später wieder einzusammeln, um keine Inflation aufkommen zu lassen. Dafür hat sie Lob von der Bundeskanzlerin in Davos bekommen: "Wenn alle es so schön machen wie die Europäische Zentralbank, dann haben wir auf der Welt nicht mehr so viele Probleme."

Südländer müssen mit dem starken Euro leben

Doch vorerst bleibt der robuste Euro ein Problem für die südeuropäischen Länder. Er macht ihre Produkte teurer und erschwert einen Anstieg des Exports, den die schulden- und rezessionsgeplagten Staaten aber dringend brauchen. Für Marco Wagner von der Commerzbank geht es für die Krisenländer in der Eurozone weniger um die Frage des Wechselkurses: "Aus unserer Sicht ist es für diese Länder zwingend notwendig, dass sie intern abwerten. Das heißt ganz konkret, diese Länder müssen Strukturreformen machen", sagt Wagner gegenüber der DW.

Symbolbild Staatsverschuldung USA und Japan Schulden Dollar Yen (Grafik: DW)

Schulden drücken Yen und Dollar

Schmerzhafte Reformen wurden bereits eingeleitet. Bleibt abzuwarten, ob die EZB mit ihrer Stützung den Ländern letztlich den Reformeifer nimmt. Langfristig könnte sich der europäische Weg als der richtige erweisen, während der japanische Versuch in einem Desaster enden könnte. Schließlich hat die Staatsverschuldung dort bereits die Schwelle von 230 Prozent der Wirtschaftsleistung überschritten. Wenn Tokyo nun versucht, mit noch mehr Schulden die Wirtschaft aus der Lethargie zu holen, dann werde sich die Schuldenspirale nach oben drehen, meint Marco Wagner. Es werde dazu führen, "dass der Schuldenstand immer weiter steigt und dass sich irgendwann die privaten Investoren von japanischen Staatsanleihen abwenden werden".

Schuldenpolitk wird Japan auf die Füße fallen

Er rechnet damit, dass der kritische Punkt noch in diesem Jahrzehnt erreicht wird. Dass das Drehen an der Währungsschraube wenig bringt, macht das Beispiel der USA deutlich. Dort kommt die wirtschaftliche Erholung nur schleppend voran. Die Arbeitslosenquote verharrt auf einem hohen Niveau von acht Prozent. Achim Wambach von der Universität Köln appelliert daher an eine weltweite Koordinierung: "Sonst haben wir nur partielle Lösungen und das führt dazu, dass wir uns in einem Wettlauf befinden, den keiner am Ende gewinnen kann."

Es könnte sogar lauter Verlierer geben. Einerseits nährt eine lang anhaltende expansive Geldpolitik den Boden für die nächste Finanzkrise. Andererseits reagieren immer mehr Länder mit Protektionismus. Brasilien hat bereits Steuersubventionen für die eigenen Firmen und hohe Zölle für manche Importwaren eingeführt. Südkorea hat ähnliches angekündigt. Am Ende könnte also auf diesen Währungskrieg ein Handelskrieg folgen.

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