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Nordkorea

Verhaltene Reaktion auf Kims Neujahrsbotschaft

In seiner Neujahrsansprache richtete der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un sich ans Volk - und an den Südteil der geteilten Halbinsel. Die Reaktionen in Seoul fielen verhalten aus. Auch die Presse ist skeptisch.

Kim Jong Un bei seiner Neujahrsansprache (Foto:KRT via AP Video/AP/dapd)

Kim Jong Un bei seiner Neujahrsansprache

Die Tatsache, dass Kim Jong Un sich via Staatsfernsehen zu Wort meldete, war an sich schon bemerkenswert. Denn es war das erste Mal seit dem Tod seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung 1994, dass sich ein nordkoreanischer Staatschef mit einer Neujahrsbotschaft direkt an die Bevölkerung gewandt hatte. Unter dem vor einem Jahr verstorbenen und öffentlichkeitsscheuen Ex-Diktator Kim Jong Il wäre das undenkbar gewesen: Während seiner knapp zwei Jahrzehnte andauernden Herrschaft gab es zum Jahreswechsel stattdessen Leitartikel in den staatlichen Zeitungen.

In seiner Botschaft kündigte Kim einen "radikalen Wandel" an, versprach eine Stärkung der nordkoreanischen Wirtschaft, um die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern - und stimmte gegenüber Südkorea vergleichsweise versöhnliche Töne an. Es sei wichtig, die Konfrontation zwischen dem Norden und dem Süden zu beenden, so Kim. Nur so könne "die Teilung des Landes beendet und seine Wiedervereinigung erreicht werden". Worte, die natürlich auch jenseits der Grenze mit Interesse gehört wurden. In Seoul allerdings herrscht Skepsis, ob den Aussagen aus Pjöngjang tatsächlich Taten folgen werden. Auch die südkoreanische Presse warnt vor verfrühtem Optimismus.

Neujahrsfeier in Pjöngjang am 01.01.2013 (Foto: REUTERS/KCNA)

Neujahrsfeier in Pjöngjang am 01.01.2013

Nordkorea hat die Schlüsselrolle inne

So schreibt beispielsweise die südkoreanische Tageszeitung Chosun Ilbo, das Jahr 2013 könnte für die angespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel einen Neubeginn bedeuten, "aber alles hängt davon ab, wie ernst es Nordkorea damit tatsächlich ist."

Der Korea Herald aus Seoul meint, die Botschaft aus Pjöngjang habe den scheidenden südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-Bak nicht beeindrucken können. "Kim hat keine neuen Vorschläge zur Verbesserungen der innerkoreanischen Beziehungen unterbreitet." Dennoch sei - wie so oft bei öffentlichen Bekanntmachungen aus Nordkorea - das Interessanteste, was zwischen den Zeilen stehe. "Besonders auffällig in diesem Fall war die Tatsache, das scharfe Kritik gegenüber Südkorea und den USA fehlte. Einige Beobachter werten das als Zeichen dafür, dass Pjöngjang das Verhältnis mit seinen Erzfeinden verbessern möchte."

Genauso sieht es auch die südkoreanische Tageszeitung Korea Times. Bei der Neujahrsbotschaft Kim Jong Uns gehe es "mehr um das, was nicht gesagt wurde, als um das, was tatsächlich ausgesprochen wurde". Kims Wortwahl sei eine Wende weg von der bisherigen Rhetorik der Drohungen gegenüber der Administration Lee Myung-Bak. Gleichzeitig sei die Rede ein Indiz dafür, dass das Regime in Pjönjang das Dialogangebot der künftigen südkoreanischen Staatschefin Park Geun-Hye testen wolle.

Beide Seiten müssen aufeinander zugehen

Südkoreas künftige Präsidentin Park Geun-Hye

Südkoreas künftige Präsidentin Park Geun-Hye

Die Korea Times kommentiert weiter, sowohl der Norden als auch der Süden müssten zu Kompromissen bereit sein, wenn es ihnen ernst damit sei, ihre Konflikte beizulegen. "Beide Seiten sollten aufeinander zugehen und sich in der Mitte treffen." Nordkorea müsse von jeder weiteren Provokation und jedem weiteren Raketentest absehen, um Seoul und Washington nicht weiter zu verärgern. Die designierte Präsidentin Park ihrerseits müsse sich eingestehen, dass das Thema Atompolitik in erster Linie ein Problem zwischen Nordkorea und den USA darstelle: "Um Seoul zu bedrohen, braucht Nordkorea keine Raketen mit einer Reichweite von 10.000 Kilometern."

Auf Park wartet eine schwierige Aufgabe, kommentiert das Blatt weiter. "Es wird nicht einfach werden, militärische und wirtschaftliche Probleme voneinander zu trennen." Park solle nicht die Fehler ihres Amtsvorgängers wiederholen. Lee Myung-Bak hatte stets einen harten Kurs gegenüber Nordkorea verfolgt und von Pjöngjang eine alternativlose Abrüstung gefordert. Ironischerweise musste ausgerechnet er mit ansehen, wie der Norden zur Atommacht wurde. "Ein Durchbruch auf der geteilten koreanischen Halbinsel ist nur möglich, wenn auch die jeweiligen internationalen Verbündeten beider Seiten zustimmen", schlussfolgert die Zeitung. Und diesbezüglich seien Park und Kim gleichermaßen gefordert. Sie müssten mit Eifer und Beharrlichkeit zeigen, dass es ihnen ernst ist. Den Worten aus Pjöngjang müssen jetzt erst einmal Taten folgen.

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