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Schuldenkrise

Unser kleines ABC zur Eurokrise

Die Eurokrise wird immer bedrohlicher - mit umso unverständlicheren Begriffen werfen Politiker und Ökonomen neue Konzepte zur Rettung von Euroland in den Raum. Wir bringen Licht ins Dunkel.

Anleihen - der Krisen-Gradmesser

In der Eurokrise sind sie ganz wichtig - denn alles dreht sich um die Anleihen von Staaten, also um Staatsanleihen. Sie sind der Hauptgrund, warum Staaten schwanken oder sogar pleitegehen. Durch die Staatsanleihen oder auch Staatsverschuldungen bekommen Staaten Geld von Anlegern für den Staatshaushalt. Das Geld zahlen sie verzinst entweder schnell (sechs Monate), mittelfristig (drei Jahre) oder langfristig (sechs bis zehn Jahre) wieder zurück. Staatsanleihen galten lange als sichere Anlageform - doch das ist seit der Eurokrise vorbei.

Sechs Münzsäulen von absteigender Höhe, darauf jeweils ein mit einem Buchstaben beschrifteter Würfel. Die Buchstaben ergeben das Wort Zinsen (Foto: picture alliance/Ernst Weingar)

Hohe Zinsen für Staatsanleihen verschärfen die Krise eines Landes

Deshalb vertrauen Anleger kriselnden Staaten ihr Geld nur noch an, wenn sich das Risiko auch finanziell lohnt. Das tut es auch, denn die Staaten brauchen das Geld und zahlen deshalb für das geborgte Geld ordentlich Zinsen. Als Gradmesser gilt: Bei mehr als sieben Prozent Zinsen auf langfristige Staatsanleihen verschulden sich die Staaten zu sehr, um danach wieder auf die Beine zu kommen. Dann brauchen die Länder Hilfsgelder.

Bankenunion - der Vertrauensstifter

In Krisenzeiten muss die EU vor allem neues Vertrauen aufbauen. Dazu wäre eine Bankenunion geeignet - allein der Name verspricht Zusammenhalt und Vertrauen. Konkret wird darüber diskutiert, die nationalen Bankenaufsichten durch eine europäische Bankenaufsicht abzulösen. So könnte es auch eine gemeinsame europäische Einlagensicherung, also einen Schutz von Bankguthaben auf europäischen Konten, geben. Das würde viel Vertrauen schaffen. Doch gerade dabei hakt es, denn besonders die deutschen Kreditinstitute wollen nicht indirekt für die kränkelnden Bankhäuser anderer Länder haften. Außerdem ist unklar, wer die Rolle der Bankenaufsicht übernimmt.

EFSF - aus der Not geboren

Das Europäische Rettungsbaby EFSF hatte am 07. Juni.2012 seinen zweiten Geburtstag. Seine Väter haben sich einen sperrigen Namen ausgedacht. EFSF ist die Abkürzung für Europäische Finanzstabilisierungsfaszilität.

EFSF-Chef Klaus Regling (Foto: picture alliance/dpa)

Herr über Milliarden: Klaus Regling steht an der Spitze des EFSF

Die EFSF ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Sie kann sich an den Finanzmärkten bis zu 440 Milliarden Euro leihen. Weil die reichen Staaten der Eurozone dafür bürgen, muss der Rettungsfonds nur geringe Zinsen zahlen. Das Geld kann er an angeschlagene Länder weitergeben, denen niemand mehr etwas leihen will. Bei einem Totalausfall haftet Deutschland mit 211 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als zwei Dritteln der gesamten Steuereinnahmen eines Jahres. Der Plan ist, dass der EFSF spätestens zu seinem dritten Geburtstag von seinem großen Bruder ESM abgelöst wird.

ESM - Rettungsschirm in Wartestellung

Bis Mitte 2013 soll der ESM dauerhaft den ESFS ablösen. Die drei Buchstaben stehen für Europäischer Stabilitäts-Mechanismus. Im Prinzip funktioniert er wie sein kleiner Bruder EFSF. Der Unterschied ist, dass die Euroländer nicht nur mit Bürgschaften haften, sondern auch echtes Geld einzahlen sollen. Bis zu 500 Milliarden Euro hält der ESM an Krediten bereit. Damit kann er selbst Staatsanleihen von kriselnden Ländern kaufen oder das Geld direkt vergeben. Deutschland hält mit rund 27 Prozent die meisten Garantien und Gelder für den ESM bereit. Eigentlich sollte der ESM schon seit Juni dieses Jahres einsatzbereit sein. Doch erst am 12.09.2012 gab das deutsche Bundesverfassungsgericht - unter Auflagen - grünes Licht für den ESM. Die Bundesregierung muss laut Gericht bei der Ratifizierung der Verträge insbesondere sicherstellen, dass ihre Haftung auf 190 Milliarden Euro begrenzt ist und darüber hinausgehende Zahlungen in den ESM nur mit Zustimmung des Bundestags möglich sind. Die EU muss nun noch mindestens bis Oktober auf den ESM warten.

ESM-Banklizenz - die volle "Feuerkraft"

Eine Banklizenz benötigt jede normale Geschäftsbank, die sich Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen möchte. Für das Geld muss sie aber Sicherheiten hinterlegen. Die Euroretter wollen, dass auch der Rettungsschirm ESM eine solche Banklizenz bekommt.

Eine Mann hält eine Waffe hinter seinem Rücken (Foto: Fotolia/Tiero)

Die ESM-Banklizenz ist nur eine Krisenwaffe im Arsenal

Damit hätte der ESM wesentlich mehr Geld, mit dem er den europäischen Sorgenkindern helfen könnte, entweder über den Kauf von Staatsanleihen oder über Kredite. Hätte er eine Banklizenz, könnte der ESM diese Staatsanleihen bei der EZB als Sicherheit hinterlegen und sich somit unendlich viel Geld leihen und mit voller Feuerkraft das kriselnde Europa retten, so das Argument der Befürworter. Kritiker argumentieren, dass eine solche Banklizenz gegen geltende EU-Verträge verstößt.

Alles zu Eurobonds, Schuldentilgungsfonds, Ratingagenturen und mehr lesen Sie im zweiten Teil.

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