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Politik

UN machen Trinkwasser zum Menschenrecht

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Recht auf sauberes Wasser als Menschenrecht anerkannt. Die Resolution wurde mit großer Mehrheit angenommen. Gegenstimmen gab es keine.

Junge im Gazastreifen trinkt in eine Flasche abgefülltes Wasser (Foto: dpa)

Für viele Menschen ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht selbstverständlich

Der Anspruch jedes Erdenbürgers auf sauberes, trinkbares Wasser ist jetzt ein offiziell anerkanntes Menschenrecht. So wie das Recht auf Nahrung oder das Recht, frei von Folter und von rassischer Diskriminierung zu leben. Den Anspruch auf sauberes, trinkbares Wasser hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen am Mittwoch (28.07.2010) in einer Resolution festgeschrieben.

Entscheidung mit Symbolcharakter

Dieser Beschluss macht das Recht auf sauberes Wasser zwar nicht juristisch einklagbar. Die Entscheidung der Generalversammlung ist aber von hohem symbolischem Wert. Denn sie signalisiert die Dringlichkeit, die die Knappheit an sauberem Wasser für einen ständig steigenden Anteil der Weltbevölkerung inzwischen hat.

884 Millionen Menschen haben nach Erhebungen des UN-Umweltprogramms überhaupt keinen oder nur einen völlig unzureichenden Zugang zu sauberem, trinkbarem Wasser. Darüber hinaus haben fast 2,5 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Toiletten oder zu anderen einfachen sanitären Anlagen. Jedes Jahr sterben mehr als zwei Millionen Menschen aus Mangel an sauberem Wasser oder weil sie verseuchtes Wasser getrunken haben.

Opfer vor allem Kinder unter fünf Jahren

Screenshot der Website des 'Blue Planet Project' (Quelle: www.blueplanetproject.net)

Das "Blue Planet Project" hat für das Menschenrecht auf Wasser gekämpft

"Durch schmutziges Wasser sterben mehr Menschen als an Aids, Malaria und Masern zusammen", rechnete Boliviens Botschafter Pablo Solon der UN-Generalversammlung am Mittwoch vor. Die meisten der Opfer sind Kinder unter fünf Jahren. Bei ihnen sind Durchfallerkrankungen weltweit die zweihäufigste Todesursache.

Der Wassermangel und die Versteppung und Verwüstung ehemals landwirtschaftlich nutzbarer Flächen - Probleme, die ehemals nur in Afrika und Asien existierten - haben inzwischen längst Europa erreicht. Im Süden Spaniens dehnt sich die Wüste jährlich um einen Kilometer Richtung Norden aus. Und in immer mehr Regionen dieser Welt verursacht oder eskaliert die Verknappung der Ressource Wasser zwischen- und innerstaatliche Gewaltkonflikte. So im Nahen Osten zwischen Israel und den Palästinensern, in Indien oder unter den sieben Anrainerstaaten des Nils.

Noch verschärft wird das Problem zudem durch die von großen Nahrungsmittelkonzernen betriebene Privatisierung der Wasserversorgung. Sie führt bislang in den meisten Fällen zu einer Verteuerung der kostbaren Ressource Wasser für die Verbraucher.

"Größte Menschenrechtsverletzung der Welt"

Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig (Foto: DW)

Der deutsche UN-Botschafter Peter Wittig

Von all diesen heutigen Problemen hatte die Menschheit bei der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahre 1948 noch keine Ahnung, argumentiert Maude Barlow, Gründerin des in Kanada beheimateten "Blue Planet Project". Im Jahr 2010 stelle der fehlende Zugang zu sauberem Wasser aber "die größte Menschenrechtsverletzung der Welt dar". Das "Projekt für einen blauen Planeten" engagiert sich für den Schutz und für eine gerechtere Verteilung der weltweiten Wasserressourcen und hatte vor zwei Jahren die internationale Kampagne initiiert, das Recht auf sauberes Wasser durch eine UN-Resolution anzuerkennen.

Bolivien legte - unterstützt von 33 weiteren Ländern - der UN-Generalversammlung schließlich eine entsprechende Resolution vor. Bei der Abstimmung am Mittwoch votierten 122 der 163 anwesenden UN-Mitgliedsstaaten für die Resolution, die übrigen 41 - fast ausschließlich Länder aus dem industrialisierten Norden - enthielten sich der Stimme. Insbesondere die USA, Kanada und Großbritannien hatten vergeblich versucht, eine Abstimmung über die Resolution zu verhindern. Doch so geschlossen, wie bei anderen Abstimmungen zu vergleichbaren Themen, war das Lager der reichen Staaten des Nordens diesmal nicht. Deutschland etwa, nach den Worten seines UN-Botschafters Peter Wittig, einer der "entschiedensten Verfechter des Rechts auf Wasser", stimmte für die Resolution.

Autor: Andreas Zumach
Redaktion: Frank Wörner

DW.DE

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