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Afghanistan

Truppenabzug aus Afghanistan

Der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan steht an. Es ist eine logistische Herkulesaufgabe: Allein die Flüge kosten 150 Millionen Euro. Die Feldlager werden für die afghanischen Nachbesitzer umgebaut.

Obwohl die Bundeswehr schon einige Erfahrungen in verschiedenen Auslandseinsätzen gesammelt hat, stellt die Rückverlegung der Ausrüstung aus Afghanistan eine Herausforderung dar, die es in dieser Dimension noch nicht gegeben hat. Nach Bundeswehrangaben sollen bis zum Ende des Einsatzes im Jahr 2014 rund 1.000 Fahrzeuge sowie 4.000 Container mit Waffen, Munition, Computern und sonstigem Material zurück nach Deutschland transportiert werden.

Die kleineren Feldlager wie das im nordöstlichen Faizabad wurden bereits in den vergangenen Monaten aufgelöst. Auch in der Region Kunduz packen die Soldaten die Koffer. Die Bundeswehr möchte den nordafghanischen Einsatzort möglichst noch vor dem Winter verlassen, bevor schlechte Wetterverhältnisse den Abzug zusätzlich erschweren.

Drehscheibe Mazar-e-Sharif

Die ersten Fahrzeuge sind inzwischen auf dem Weg. 5000 Kilometer Luftlinie haben Soldaten und Material vor sich. Zunächst geht es über 180 Kilometer staubige Piste nach Mazar-e-Sharif, dem Hauptstandort der Bundeswehr in Afghanistan. Aus Sicherheitsgründen werden die genauen Termine für die Konvois nicht bekanntgegeben und aus demselben Grund werden die Kolonnen von gepanzerten Fahrzeugen aus der Luft bewacht.

Mazar-e-Sharif dient beim Abzug als wichtige Drehscheibe. Die Herausforderung für die Logistiker besteht darin, dass Afghanistan keinen Anschluss ans Meer hat. Statt auf Containerschiffe, die das gesamte Material in einer Überfahrt fortschaffen könnten, müssen die Planer des Abzug auf alternative Transportmittel setzen. Militärisch sensibles Material, wie zum Beispiel schwere Panzerhaubitzen, wird in großen Transportmaschinen direkt nach Leipzig in Deutschland geflogen. Die Bundeswehr rechnet mit Flugkosten in Höhe von 150 Millionen Euro.

Dafür hat die Bundeswehr drei Routen geplant, von denen allerdings bisher nur die Hauptroute genutzt wird. Die Nord- und Südroute stellen optionale Transportwege dar.

  • Die Nordroute führt mit der Bahn durch Usbekistan, Kasachstan, Russland und das Baltikum.
  • Die Südroute führt auf dem Land- oder Luftweg nach Karachi in Pakistan und dann per Schiff nach Deutschland.
  • Auf der sogenannten Hauptroute ab Mazar-e-Sharif geht es per Luft bis zum türkischen Schwarzmeerhafen Trabzon. In Trabzon hat Deutschland für den Abzug aus Afghanistan extra einen Umschlagplatz eingerichtet, wo die Ausrüstung auf zivile Schiffe verladen werden kann, die dann über den Bosporus, Gibraltar und den Ärmelkanal bis nach Emden fahren.

Was muss zurück, was kann bleiben?

Es gibt es natürlich auch Material, das aus wirtschaftlichen oder militärisch/politischen Gründen nicht zurückgeführt werden soll. Die sogenannte "Redeployment-Planung" stellt die Bundeswehr vor große Herausforderungen. Jeder einzelne Gegenstand wird in einer Kategorisierungsliste aufgenommen. Dann wird entschieden, ob es vor Ort verwertet, den afghanischen Partnern überlassen oder nach Deutschland zurückgeführt werden soll. "Dinge, für die die Transportkosten zu hoch sind, werden hier in der Provinz Kunduz verkauft", sagt Oberst York Freiherr von Rechenberg, der Bundeswehrkommandeur vor Ort. Natürlich handle es sich dabei nicht um Waffen oder Fahrzeuge, "sondern lediglich um Material, das für die zivile Nutzung brauchbar ist, wie Aggregate, Stromerzeuger oder Mobiliar."

Das moderne Lazarett, das vor zwei Jahren für sechs Millionen Euro errichtet wurde, wird zum Beispiel zum Teil zurückgebaut, zum Teil übergeben. "Das Material wird größtenteils zurückgenommen, weil wir für diese medizinischen Geräte, wenn wir sie abgeben würden, für zwei Jahre eine Garantieleistung übernehmen müssten, die wir nicht leisten können", sagt der Kommandeur. Die Geräte kommen nach Deutschland, werden dort oder in anderen Auslandseinsätze weiterverwendet. Die Räume samt der Klimaanlage werden dagegen dem Polizeiausbildungszentrum übergeben, das im Feldlager entstehen soll.

Weiterverwendung nach 2014

Bundeswehreinsatztruppe auf Minensuche in Nordafghanistan.

Deutsche Soldaten bei der Minensuche in Kunduz

Neben dem Ausbildungszentrum der Afghanischen Nationalpolizei wird auch die Afghanische Armee in die Kaserne einziehen. Aber nicht gemeinsam: Nach Angaben von Oberst von Rechenberg wird die Kaserne an die Bedürfnisse der afghanischen Nachfolger angepasst und mit einer Mauer in zwei Hälften geteilt. Armee und Polizei erhalten zudem eine getrennte Stromversorgung. Die Elektrik wird nicht mehr aus Generatoren, sondern aus dem Netz gespeist, was zwar weniger zuverlässig, aber deutlich billiger ist. Außerdem bekommt jeder Bereich eine eigene Küche und eine eigene Heizungs- und Wasserversorgung. Armee und Polizei können das Feldlager über zwei getrennte Einfahrten betreten. Die Kosten für den Umbau bewegen sich laut Bundeswehr im einstelligen Millionenbereich.

Oberst von Rechenberg könnte eigentlich seinen Einsatz in Kürze hinter sich haben, aber er hat zugestimmt, bis zum Abzug der Bundeswehr aus Kunduz zu bleiben. Er glaubt, dass die afghanischen Sicherheitskräfte, aber auch die Verwaltung auf einem sehr guten Weg seien, ihren Aufgaben auch ohne die Bundeswehr gerecht zu werden. General Khalil Andarabi, Kommandeur der Afghanischen Nationalpolizei in Kunduz, meint hingegen, dass es trotz allen Vorbereitungen immer noch an Ausbildung, qualitativ hochwertigen Waffen und Luftunterstützung fehle. "Das macht unsere Arbeit in Kunduz schwer. Der Abzug ist ein bisschen zu früh. Unsere deutschen Freunde hätten mit dem Abzug bis nach den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2014 warten können."

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