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  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Zehn Jahre Weltkulturerbe

    Tel Aviv gilt als die "Weiße Stadt". Nirgendwo sonst stehen so viele Bauten im Bauhausstil wie dort - insgesamt 4000 Gebäude erhielten 2003 den Weltkulturerbestatus der UNESCO. Doch nur wenige von ihnen erstrahlen im ursprünglichen Weiß. Das Erbe der europäischen Emigranten, die sich in Israel ihre neue Heimat aufgebaut haben, droht zu zerfallen. Hilfe könnte nun aus Deutschland kommen.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Bauhaus in Deutschland

    Deutschland hat ein besonderes Interesse am Bauhaus, denn die Kunst- und Architekturschule hatte in den 1920er und 1930er Jahren ihre Zentren in Weimar, Dessau und Berlin. Europäische Einwanderer brachten die Ideen des Bauhauses mit ins neu entstehende Tel Aviv. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 flohen immer mehr Juden nach Palästina, unter ihnen Absolventen der Bauhaus-Schule in Dessau.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Die Form folgt der Funktion

    Für die vielen neuen Einwanderer in Palästina musste bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Der auf Funktion ausgerichtete Bauhausstil passte perfekt. So wuchsen in den einstigen Sanddünen Häuser in schlichtem Weiß mit klaren, runden Formen, geraden Linien, verkanteten Kuben. Insgesamt 4000 Gebäude entstanden von 1933 bis 1948 nach dem Bauhaus-Prinzip "Die Form folgt der Funktion".

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Sozialer Wohnungsbau

    In der Frishman Street steht heute noch der weitläufige Gebäudekomplex von Arieh Sharon (1900-1980). Der in Polen geborene Architekt hatte am Bauhaus in Dessau studiert. 1936 errichtete er im Auftrag der Stadt eine dreistöckige Arbeitersiedlung, in der Mitte ein schattiger Innenhof. Die damals preisgünstigen Zweizimmerwohnungen waren für Arbeiterfamilien und ärmere Immigranten gedacht.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Mediterrane Verhältnisse

    Schnell merkten die Architekten, dass die klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen im Nahen Osten ein anderes Bauen als in Deutschland erforderten. Die neuen Bauhaus-Gebäude in Tel Aviv erhielten riesige Balkone und ihre Balustraden wurden mit horizontalen Schlitzen versehen, damit die Luft besser zirkulieren kann. Denn im Sommer klettern die Temperaturen in Israel über 40 Grad Celsius.

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    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Verfallendes Erbe

    Die Temperaturen sind einer der Gründe, warum das Weltkulturerbe Bauhaus in Tel Aviv nun in Gefahr ist. Hohe Luftfeuchtigkeit, Hitze und Abgase nagen an den Fassaden. Viele Gebäude sind einsturzgefährdet - und Tel Aviv liegt in einem Erdbebengebiet. Allein 1600 der rund 4000 Bauten wurden bislang renoviert. Staatlich gefördert wird das nicht - es ist Aufgabe der Besitzer, die Bauten zu schützen.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Denkmalschutz - nicht in Tel Aviv

    Um finanzielle Anreize für eine Sanierung zu schaffen, ist es den Besitzern erlaubt, die Häuser um zwei Geschosse aufzustocken. Die Renovierungskosten werden danach häufig auf die Mieter abgewälzt. Philipp Oswalt von der Stiftung Bauhaus Dessau sieht das kritisch. "Wenn einem das Kulturerbe etwas wert ist, braucht es auch staatliche Förderung", sagt er.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Die Zukunft der Weißen Stadt

    Um die Zukunft der Weißen Stadt ging es auch bei einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Tel Aviv im Mai 2013. Experten aus Israel und Deutschland diskutierten unter anderem darüber, wie beide Länder beim Erhalt des Kulturerbes zusammenarbeiten können. Die Stiftung Bauhaus Dessau ist weltweit renommiert für ihre Kenntnisse im Bereich der Restaurierung und könnte Israel beraten.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Deutsch-israelische Kooperation

    "Es hat gedauert, aber die Stadt hat inzwischen erkannt, was für ein wertvolles Erbe sie hat", sagt Marianne Zepp von der Heinrich-Böll-Stiftung. Israel sei sehr interessiert an einer Kooperation. Bereits in den deutsch-israelischen Regierungskonsultationen 2012 wurde festgehalten, "bei der Erforschung, Dokumentation und Erhaltung von Bauhaus-Gebäuden in Tel Aviv" zusammenzuarbeiten.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Baumaterial aus Deutschland

    Entstehen könnten ein Austausch zwischen deutschen und israelischen Handwerkern, eine gemeinsame Lehrlingsausbildung und eine Kooperation Israels mit der deutschen Industrie bei der Beschaffung von Baumaterialien, die zu den Originalbauten passen. Dann könnten bald mehr Bauten so gut restauriert werden wie das ehemalige Kino Esther - heute ein Hotel -, das für seinen Bauhaus-Charme berühmt ist.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Fliesen für die neue Heimat

    Die Treppe des Hotel Cinema: Hier wurden edle Materialien verwendet. Die Emigranten der 1930er und 1940er Jahre hatten zum Teil Baumaterialien aus Deutschland mitgebracht. Geld durften Juden nach 1933 nicht mehr ausführen, also kauften sie Fliesen, Kacheln, Fensterläden und anderes - um eine neue Heimat aufzubauen. In den Bauhaus-Gebäuden von Tel Aviv steckt deutsch-israelische Geschichte.

  • Bauhausschild in Tel Aviv Bialik Straße

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    "Netzwerk Weiße Stadt"

    Das deutsche Bauministerium und die Stadt Tel Aviv tauschen sich bereits aus. Ab Mitte 2013 soll das gemeinsame "Netzwerk Weiße Stadt" mit Forschungsprojekt, Internetauftritt und Fachsymposium wirken. Außerdem soll in Tel Aviv langfristig ein Zentrum entstehen, in dem die deutsch-israelische Architekturgeschichte der Stadt gemeinsam aufgearbeitet und für ihren Erhalt gearbeitet wird.

  • Israel Architektur Bauhaus in Tel Aviv Panoramabild Skyline

    Die "Weiße Stadt" - Tel Aviv und das Bauhaus

    Die Zeit drängt

    Die Kooperation soll nach Wunsch des Bundesbauministeriums ein "Beispiel für die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Israel" sein. Eines ist klar: die Zeit drängt. Das Bundesbauministerium sieht die Tel Aviver Bauten der Moderne "in ihrer Substanz akut gefährdet". Und die UNESCO hat Israel bereits gewarnt, der Weltkulturerbetitel könnte auch wieder entzogen werden.


    Autorin/Autor: Sarah Judith Hofmann / Ina Rottscheid | Redaktion: Klaudia Prevezanos