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Deutschland

Studie: Deutlich mehr Muslime in Deutschland

Bis zu 4,3 Millionen Muslime leben laut einer neuen Studie in der Bundesrepublik - weitaus mehr als bisher angenommen. Dennoch sei ihre Integration in die Gesellschaft nicht so schwierig wie bislang befürchtet.

Eine türkische Lehrerin gibt islamischen Religionsunterricht in einer Grundschulklasse (Foto: dpa)

Ein Wunsch der meisten Muslime: regulärer islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen

Der Islam in Deutschland ist aber nicht nur zahlenmäßig größer als bisher angenommen, sondern auch vielfältiger. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag (23.06.2009) vom Bundesinnenministerium veröffentlichte Umfrage unter 6000 Menschen aus 49 muslimisch geprägten Herkunftsländern.

Eine damit verbundene Hochrechnung ergab, dass bis zu 4,3 Millionen Muslime in der Bundesrepublik leben. Sie würden damit einen Bevölkerungsanteil von mehr als fünf Prozent ausmachen. Bisher gingen die Behörden von maximal 3,5 Millionen Muslimen aus. Laut der Studie sind 45 Prozent deutsche Staatsangehörige, 55 Prozent haben eine ausländische Nationalität.

Die meisten Muslime stammen aus der Türkei

Junge muslimische Frauen vor der Sehitlik Moschee in Berlin (Foto: dpa)

Die Sehitlik Moschee in Berlin - eine von rund 15 Moscheen in der Bundeshauptstadt

Mit Abstand die meisten Muslime - nämlich 2,5 Millionen - stammen aus der Türkei. Sie stellen mit 63,2 Prozent die größte Gruppe nach Herkunftsregion, gefolgt von Südosteuropa (13,6 Prozent), Nahem Osten (acht Prozent) und Nordafrika (sieben Prozent). Dabei leben 98 Prozent aller Muslime in den alten Bundesländern einschließlich Ostberlin, jeder Dritte in Nordrhein-Westfahlen. In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen liegt der Anteil bei über zehn Prozent.

Drei Viertel der Muslime in Deutschland gehören den Sunniten und sieben Prozent den Schiiten an. 13 Prozent sind alevitischen Glaubens. Ein Drittel bezeichnet sich als "stark gläubig" und die Hälfte als "eher gläubig", wobei Männer wesentlich häufiger zu religiösen Veranstaltungen gehen. Besonders ausgeprägt ist die Religiosität bei türkischstämmigen und afrikanischen Muslimen.

Mit Ausnahme der Gläubigen aus dem Iran und Zentralasien halten sich die Muslime weithin an Speisevorschriften und Fastengebote, vor allem die Sunniten. Das Kopftuchtragen ist vor allem bei Frauen in der ersten Zuwanderergeneration verbreitet, nämlich bei jeder Vierten. In der zweiten Generation sind es noch 17 Prozent. Und bis zu zehn Prozent der muslimischen Schüler nehmen nicht an gemischtgeschlechtlichem Sportunterricht oder Klassenfahrten teil. Drei von vier Muslimen wünschen sich die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts.

Soziale Integration besser als angenommen

Drei junge Frauen im Gespräch (Foto: dpa)

Gar nicht so schwer: ins Gespräch kommen - wie hier eine junge Türkin und zwei deutschen Frauen


Bei der Integration in die deutsche Gesellschaft sehen die Experten vor allem bei der sprachlichen und "strukturellen" Eingliederung Defizite. Demgegenüber sei die soziale Integration besser als vielfach angenommen. Mehr als die Hälfe der Muslime ist Mitglied in einem deutschen Verein.

Ähnlich wie andere Untersuchungen kommt auch die neue Studie zu dem Ergebnis, dass es bei vielen muslimischen Migranten erhebliche Bildungsdefizite gibt. Türken schneiden in der Schule schlechter ab als Muslime aus anderen Ländern. Ausschlaggebend sei nicht die Religion, sondern vor allem der Bildungsgrad der Eltern, heißt es. Gerade bei den türkischen Frauen der ersten Zuwanderergeneration lägen auf diesem Gebiet "extrem niedrige Werte" vor.

Die Untersuchung wurde nur zwei Tage vor der vorerst letzten Runde der Deutschen Islamkonferenz (DIK) vorgestellt. Allerdings fühlt sich nur ein Viertel der Muslime ohne Einschränkung von den in der DIK präsenten großen islamischen Dach- und Spitzenverbänden vertreten.

Islamkonferenz seit drei Jahren

Innenminister Schäuble im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Köhler (Foto: AP)

Innenminister Schäuble im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Köhler

Die Islamkonferenz war 2006 von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble einberufen worden, um den Dialog zwischen den Muslimen und dem Staat zu institutionalisieren. An den Plenarversammlungen nehmen jeweils 15 Vertreter der Muslime und des deutschen Staates teil. Auf staatlicher Seite sind Bund, Länder und Kommunen beteiligt, auf muslimischer Seite sitzen Vertreter der Islam-Verbände und der Alevitischen Gemeinde sowie nicht-organisierte Muslime aus Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft.

Zu den bisher erörterten Themen gehören die Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft, der Islam-Unterricht an öffentlichen Schulen und die Ausbildung von Imamen. Daneben geht es auch um den Abbau von Vorurteilen und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zudem gibt es einen Gesprächskreis zu "Sicherheit und Islamismus", der eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den deutschen Sicherheitsbehörden und den muslimischen Verbänden anstrebt.

Die Islamvertreter wollen am Donnerstag für eine Fortführung der Dialogrunde votieren. Zu vermuten ist deshalb, dass Schäubles Runder Tisch nach der September-Wahl eine Fortsetzung finden wird. (sti/gri/epd/kna/afp/dpa)




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