1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Wetterkapriolen

Irene Quaile9. Januar 2014

Eisige Kälte in den USA, Stürme im Atlantik und frühlingshafte Temperaturen in Westeuropa – was ist nur mit dem Wetter los?

https://p.dw.com/p/1AnvT
Schneeberge vor der Skyline von Chicago (Foto: Reuters/Jim Young
Bild: Reuters

Spielt das Wetter etwa verrückt? Diese Frage könnte man sich stellen, wenn man die Wetterberichte der letzten Tage aus Washington, Berlin oder London liest. Die Menschen in Nordamerika wurden von einer Rekordkälte heimgesucht. Europäische Küsten haben gerade Sturmfluten überstanden und in Deutschland stellt sich die Natur schon auf den Frühling ein.

Nach einer Rekordkältewelle hatten am 7. Januar selbst die als "Sonnenstaaten" bekannten US-Bundesstaaten Florida und Kalifornien Minustemperaturen erreicht. In mindestens 49 US-Städten wurde ein Kälterekord aufgestellt. Auch die an eisige Temperaturen gewohnten Kanadier hatten Probleme angesichts des ungewöhnlich starken Temperatursturzes.

Polarwirbel und Jetstream

Die #link:http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KUPK/Homepage/Aktuelles/PDF/K_C3_A4lte__Nordamerika__Januar-2014,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Kälte_Nordamerika_Januar-2014.pdf: extreme Kälte# ist laut Meteorologen auf eine Kombination von einem starken Nordwind mit Veränderungen des sogenannten Polarwirbels zurückzuführen. Damit ist eine riesige Region kalter Luft um den Nordpol gemeint. Die wird normalerweise vom Jetstream, einem östwärts fließenden Luftstrom eingegrenzt. Diese permanente Strömung führt die kalte Luft normalerweise von Kanada nach Grönland, Sibirien und über Alaska wieder zurück nach Kanada.

Unter bestimmten meteorologischen Bedingungen kann die Polarluft aber tief nach Süden vordringen. In diesem Fall traf ein Hochdruckgebiet im Westen der USA auf ein Tief über dem Osten des Landes. Das führte zu einem starken Nordwind, der kalte Luft vom Nordpol nach Süden strömen ließ. Gleichzeitig drängte ein starkes Hoch über Sibirien große Massen polarer Luft weiter als gewöhnlich nach Süden. Meterologen sprechen von einem wellenförmigen Verlauf des #link:http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Oeffentlichkeit/KU/KUPK/Homepage/Aktuelles/PDF/K_C3_A4lte__Nordamerika__Januar-2014,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Kälte_Nordamerika_Januar-2014.pdf: Jetstreams#, der normalerweise eher geradlinig ein ovalförmiges Gebiet umrundet.

Inzwischen lenkt ein Hoch über dem Südosten der USA warme Luft vom Golf von Mexiko nach Norden. Die arktische Luft zieht sich wieder zurück und die Temperaturen steigen an.

Frühling im Januar

Auf der anderen Seite des Atlantiks herrschen seit Wochen schon Frühlingstemperaturen. Die gegensätzlichen Wetterbedingungen haben durchaus etwas miteinander zu tun. Die kalte Luft aus Amerika strömt seit Wochen auf den Atlantik hinaus, der sie erwärmt. Temperaturgegensätze zwischen Nord und Süd führten dann zu der Entwicklung kräftiger Tiefs, die das Wetter in Europa steuern. Diese Tiefs schieben Luft aus dem Südwesten nach Mitteleuropa. Sie brachten Großbritannien um die Jahreswende Stürme und Unwetter und sorgen auch in Deutschland für Westwind und für die Jahreszeit ungewöhnlich milde Temperaturen.

Zugvögel in der Luft (Foto: Jussi Mononen)
Viele Zugvögel sind aufgrund des warmen Winters nicht weggeflogenBild: Jussi Mononen

Auswirkungen des Klimawandels?

Ob die Wetterkapriolen in diesem Januar auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich nicht eindeutig sagen. Klimaexperten brauchen einen Zeitraum von mindestens dreißig Jahren, um Schlüsse über langfristige Klimatrends zu ziehen. In den letzten fünf Jahren ist der Jetstream nach Angaben der US-Amerikanischen Wetterbehörde NOAA auf jeden Fall variabler geworden als zuvor. Ob dies einer natürlichen Schwankung oder dem Klimawandel zuzuordnen ist, wird man erst in der Zukunft sehen.

Allerdings weisen Klimawissenschaftler schon seit längerer Zeit auf eine mögliche Verbindung zwischen der raschen Erwärmung der Arktis und Kälteperioden in anderen Regionen hin. Weniger Meereis und Schnee zum Herbstende führen zu einer Erwärmung des Meers. Temperaturunterschiede bestimmen aber den Verlauf des Jetstreams mit. Das könnte nach Meinung von Wissenschaftlern wie #link:http://marine.rutgers.edu/~francis/pres/Francis_Vavrus_2012GL051000_pub.pdf: Jennifer Francis von der Rutgers University oder Stephen Vavrus von der University of Wisconsin-Madison# für die Schwankungen im Verlauf des wetterbestimmenden Luftstroms mit verantwortlich sein.

Sturm vor der Küste Englands (Foto: Matt Cardy/Getty Images)
Extremwetterereignisse werden nach Meinung der PIK-Forscher zunehmenBild: Matt Cardy/Getty Images

Erderwärmung nicht widerlegt

Die Extremkälte in Nordamerika dient aber genauso wenig als Gegenbeweis für eine Erderwärmung, erklären Experten des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Während die globale Temperatur steigt, wird es nach Meinung der Klimaforscher weiterhin natürliche Klimaschwankungen geben. Eine Kältewelle wie die in den USA ist ihrer Ansicht nach durchaus mit einer wärmer werdenden Welt zu vereinbaren. Die Erwärmung des Meeres und Veränderungen der Wind- und Niederschlagsverhältnisse könnten sogar vermehrt zu Kälteeinbrüchen in der nördlichen Erdhälfte führen.

Die Forscher, die auch für den Weltklimarat arbeiten, rechnen auf alle Fälle mit einer#link:http://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/weather-extremes-provoked-by-trapping-of-giant-waves-in-the-atmosphere: Zunahme an Extremwetterereignissen# mit der weiteren Erwärmung. In den letzten dreißig Jahren haben sich nach Angaben des PIK die Anzahl der Wetterextreme – inklusive Dürren, Stürme und Hochwasser – mehr als verdoppelt. Das werten die Potsdamer Forscher als Auswirkungen des Klimawandels.