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Spanien

Spanischer Wein bei Deutschen beliebt

Die Spanier sind derzeit bei vielen Deutschen wegen der hohen Verschuldung und der Beanspruchung zahlreicher EU-Hilfen nicht besonders gut angesehen. Aber ihr Wein ist begehrt wie nie zuvor.

Blick über das Tal der spanischen Weinregion Pirorat (Foto: William Long)

Spanien Wein Weinkellerei Bodega Dehesa de los Canónigos

Angela Merkel ist nicht besonders beliebt in Spanien. Sie gilt als herrisch, wenig weiblich und fürchterlich streng. Aber in der Bodega Dehesa de los Canónigos denkt man ganz anders über die deutsche Kanzlerin: "Sie hat Recht. Deutschland sollte nicht noch mehr Geld in unsere teilweise korrupten wirtschaftlichen Strukturen pumpen. Hier muss sich einiges ändern", sagt Iván Sanz Cid.

Dass er Merkel-Fan ist, hat aber auch andere Gründe: "Sie hat unseren Wein getrunken, als sie im September auf Regierungsbesuch in Madrid war. Das macht sie sehr sympathisch." Der junge Spanier ist Geschäftsführer der mehrfach prämierten Familien-Kellerei Dehesa de los Canónigos - ein kleiner Betrieb, der nur rund 250.000 Flaschen im Jahr produziert, einige davon wurden beim deutsch-spanischen Regierungstreffen am 6. September dieses Jahres in der Residenz von Premier Mariano Rajoy geköpft.

Konsum im eigenen Land geht zurück

Der edle Tropfen kommt aus der Region Ribera de Duero, noch lange nicht so bekannt im Ausland wie La Rioja. Hier steht Sanz Cid Tag für Tag mit seiner Schwester Belén auf dem Winger, prüft die Qualität der Trauben und der Gärung. Die Kellerei ist Nachbar von Vega Sicilia, eine der international hoch im Kurs stehenden Wein-Produktionen aus der Region. 

Zielmarkt dieser hochpreisigen Tropfen ist schon seit einigen Jahren nicht mehr das eigene Land. Der Konsum von Qualitätswein geht hier stark zurück, auch aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und der wachsenden Verschuldung der spanischen Haushalte.

Seit geraumer Zeit orientieren sich deswegen die Weinbauer gen Norden. Nummer eins ist derzeit für fast alle Bodegas Deutschland. "Hier wandern nicht nur spanische Jugendliche massenweise aus, um Arbeit zu finden, sondern hier wird auch mit Abstand der meiste spanische Wein importiert", sagt der in Madrid lebende britische Wein-Experte William Long.

Vertrauensverlust für spanische Händler

Der spanische Wein-Ort Bellmunt in der für den Export bedeutenden
Region Katalonien (Foto: William Long)

Der spanische Wein-Ort Bellmunt in der für den Export bedeutenden Region Katalonien

Gemäß Zahlen des spanischen Exportinstituts ICEX machten die Bodegas dort im Jahr 2011 einen Umsatz von knapp 350 Millionen Euro. Da kommen auch Wachstumsmärkte wie China und die USA nicht mit. "Aber solche Aktionen wie die plötzlichen aktiven und fast aggressiven Unabhängigkeitsbestrebungen der Katalanen und das schlechte Krisen-Management des spanischen Premiers Rajoy werden langfristig das gesamte Image des Landes schädigen und damit auch die gut laufenden Weinexporte", sagt Long, der seit mehr als 20 Jahren spanischen Wein ins Ausland verkauft. Ausländische Importeure würden immer öfter daran zweifeln, ob Spanien noch sicher sei als Geschäftspartner. "Die Wirtschaft und Politik hat so ein fantastisches Image rund um Tourismus und Gastronomie aufgebaut in den vergangenen Jahren, leider geht es derzeit durch die Krise völlig unter", sagt Long.

Noch sei spanischer Wein jedoch unschlagbar, glaubt Johannes Wattler von der deutschen Ladenkette "Wattlers Wein Welt". Derzeit ziehen zwar die Preise wegen der starken Nachfrage aus China nach Rioja & Co. an, aber trotzdem sei das Preis-Leistungsverhältnis im europäischen Vergleich das Beste, glaubt Wattler: "Die spanischen Weingüter reagieren zudem schnell und sind bereit, Zugeständnisse zu machen." Der Meinung ist auch Long: "In China sind sie wegen ihrer Flexibilität den Franzosen bereits eindeutig überlegen. Sie können sich besser an die lokalen Gepflogenheiten anpassen."

Long, der sich in Madrid über die Jahre ein gut laufendes Geschäft aufgebaut hat, glaubt zwar, dass viele Bodegas in den kommenden Monaten schließen werden, weil es weltweit ein Überangebot an guten Weinen gibt: "Aber die Konzentration wird die Qualität der Branche hier in Spanien noch verbessern, und sie werden sich noch einen größeren Anteil im Weltmarkt sichern können."

Krise macht Winzer erfinderisch

Schon jetzt entstehen in Spaniens Bodegas immer wieder neue innovative Produkte wie alkoholfreier Wein, biologisch angebauter Wein und Cava rosado (Rosé-Sekt), der jetzt zum Exportschlager vor allem auf dem deutschen Markt werden soll. "Wir haben bereits erste erfolgreiche Erfahrungen auf Messen vor Ort gemacht", berichtet Dolors Suriol von der Cava-Kellerei Castell D'Or in Katalonien, die unter anderem diesen Rosé-Sekt anbietet.

Es ist verwunderlich, dass erst diese schwere Wirtschaftskrise Spanien treffen musste, damit die Spanier eines ihrer besten Produkte, den Wein, besser und effizienter gemeinsam promoten im Ausland und auch beim Preis-Leistungsverhältnis besser werden. "Es ging uns lange allen zu gut, deswegen konnte jeder sein Süppchen kochen. Jetzt, wo daheim der Markt wegbricht, müssen wir neue Abnehmer im Ausland suchen", sagt Sanz Cid. 

Holzfässer, in denen der Qualitäts-Rotwein der Bodega Dehesa de
los Canónigos reift (Foto: Agencia Comunicación
Profesional)

Holzfässer, in denen der Qualitäts-Rotwein der Bodega Dehesa de los Canónigos reift

Sein Vater, gelernter Arzt und Weinbauer aus Leidenschaft, hat es jetzt in die Hände genommen, die wichtigsten Bodegas im Ribera de Duero zusammenzubringen und gemeinsam die vielen guten Weine in Deutschland, den USA, Frankreich und England bekannter zu machen: "Zusammen wollen wir den Wein-Tourismus in der Region fördern und damit auch Besuche auf unseren Kellereien ermöglichen. Die Krise ist eine Chance, dass wir uns international dort positionieren, wo es uns gebührt." Seine Schwester Belén, die inzwischen auch Hochzeiten auf dem Gut organisiert, um die Marke weiter zu promoten und zusätzliche Einnahmequellen zu gewinnen, hat ihr ganzes Leben dem Wein verpflichtet: "Jetzt brauchen wir nur noch Nachwuchs, der am gleichen Strang zieht."

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