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Eurozone

Soll Deutschland aus dem Euro austreten?

Die Deutschen verstehen die Welt nicht mehr: sie zahlen und haften für die Südländer und sind unbeliebter denn je. Dabei könnten sie den ganzen Ärger auf einen Schlag loswerden, wenn sie die Währungsunion verlassen.

Vorsichtig formuliert Manfred Neumann, emeritierter Professor an der Universität Bonn, einen ketzerischen Gedanken: "Wir müssen in die Richtung denken, dass wir einfach da nicht reinpassen."

Den entscheidenden Unterschied zu anderen Ländern in der Eurozone macht Neumann in der starken Industrie hierzulande aus. Während Deutschland den Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft auf über 20 Prozent gehalten hat, ist er in Frankreich auf zehn bis zwölf Prozent gefallen. Und während die Produktivität der deutschen Industrie stetig zunimmt, verliert Italiens Industrie durch steigende Kosten immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit. "Wenn wir so weitermachen, braucht unsere Währung immer Aufwertung und andere werden unter Abwertungsdruck gesetzt", so Neumann.

Deutschland ist zu effizient

Genauso argumentieren zwei US-Ökonomen, Clyde Prestowitz und John Prout. In einem Meinungsbeitrag auf der CNN-Website schreiben sie: Der Euroraum krankt nicht an der Verschuldung und wirtschaftlichen Schwäche peripherer Länder, sondern an der ausgeprägten Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Dass die Rettungspolitik bisher gescheitert ist, liegt ihrer Meinung nach an einem Denkfehler, dass die restlichen Länder durch Ausgabenkürzungen wettbewerbfähiger, also deutscher werden müssten.

Prof. Manfred Neumann (Foto: privat)

Manfred Neumann

Ähnliche Überlegungen, dass die emsigen Deutschen mit ihrem soliden Haushalten in einem Währungsraum eher stören, gab es bereits vor knapp 20 Jahren. Im August 1993 stand das Europäische Währungssystem (EWS), der Vorgänger der Währungsunion, vor einer Zerreißprobe, da die französische Zentralbank innerhalb kürzester Zeit über die Hälfte ihrer Währungsreserven aufwenden musste, um den Franc zu stützen. Elf EWS-Länder verpflichteten sich damals, ihre Währungen in einer sehr engen Bandbreite schwanken zu lassen. Da die D-Mark schnell zur Ankerwährung wurde, waren andere Währungen unter ständigem Abwertungsdruck oder die Notenbanken mussten intervenieren. Es kam zu einer Krisensitzung mit Finanzministern und Notenbankern. "Da schlug Frankreich vor, dass Deutschland aus dem Europäischen Währungssystem austreten sollte - zur völligen Überraschung der Zentralbanker", erinnert sich der Bonner Finanzwissenschaftler Neumann. Die Situation rettete der Präsident der holländischen Zentralbank, indem er sagte: Wenn Deutschland austritt, treten wir auch aus. Daraufhin sagte der Belgier: Wir auch. "Damit war klar, dass es zu einer Spaltung kommen würde", sagt Neumann.

So weit kam es dann doch nicht. Stattdessen wurde die Schwankungsbreite der Wechselkurse um knapp das Siebenfache erweitert, was einer Bankrotterklärung des EWS gleichkam.

Auch der Euro werde in seiner heutigen Form nicht überleben, prophezeit Jens Ehrhardt, ein bekannter Vermögensverwalter in Deutschland. In einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt" schreibt er: "Die einzige sinnvolle Lösung lautet: Deutschland muss aus der Euro-Zone austreten. Der Rest-Euro würde stark abwerten. Auf dieser Basis hätten die Mittelmeerländer wieder eine Chance, wettbewerbsfähig zu werden."

Aufwertung der neuen D-Mark ist zu verkraften

Das würde bedeuten, dass die neue alte D-Mark enorm an Wert gewinnen würde. "Was dann passiert, haben wir ja unlängst in unserem Nachbarland Schweiz gesehen", warnt Wolfgang Franz, Chef der Wirtschaftsweisen. Dort gerieten der Export und der Tourismus durch den robusten Franken dermaßen unter Druck, dass die Schweizerische Nationalbank im letzten September einen Mindestkurs für den Euro von 1,20 Franken einführte. Seitdem stemmt sich die Zentralbank mit Devisenkäufen gegen weitere Franken-Aufwertungen. Dasselbe Schicksal würde auch Deutschland blühen, wenn es den Euro verlässt.

Nicht schlimm, sagen die US-Ökonomen Prestowitz und Prout. Sie sind überzeugt: Die Folgen eines Euroausstiegs Deutschlands - ein Dämpfer für die Exporte sowie ein vorübergehender Anstieg der Arbeitslosigkeit - wären für das Land weniger gravierend als eine langfristige Stützung Griechenlands.

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