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Schwäbisch

Schwäbisch für Reigschmeckte

Kaiser Friedrich Barbarossa aus dem Geschlecht der Staufer

Wir können alles – außer Hochdeutsch! In Baden-Württemberg werden die Mundarten hochgehalten. Aber einfach ist es nicht: Eine eigene Grammatik und Wortschatz führen manchmal zu Missverständnissen.

Das Schwäbische gehört zum alemannischen Dialekt. Seine Heimat ist längst nicht nur das Ländle, auch in Bayern gibt es Regionen, in denen Schwäbisch gesprochen wird. Den schwäbischen Dialekt nur mit Württemberg gleichzusetzen wäre falsch.

Breit und rein

Die Unterschiede zwischen dem Schwäbischen und dem Hochdeutschen sind enorm. Es gibt nicht nur Tausende anderer Wörter, sondern auch eine eigene Grammatik und Betonung. Umlaute wie ö und ä kommen kaum vor: König wird Keenich, schön zu schee.

Anstelle der ö-Laute tritt also ein e und das ü wird zu i. Ein Stück Fleisch heißt dann zum Beispiel ein Stick Fleisch. Allgemein wirkt die Sprache breiter und reiner. Das kommt durch die vielen Diphthonge. "Die Mutter ist müde" heißt etwa "dia Muader isch miad". Auch werden viele Vokale nasaliert.

Niedliche Krankheiten

Wie auch im Sächsischen werden harte Konsonanten meist weich ausgesprochen: p,t und k werden zu b, d und g. Und es gibt weitere Ähnlichkeiten zu anderen Dialekten. So fehlt auch im Schwäbischen die Form des Genitivs. Diese wird durch den Dativ ersetzt: "Das Haus meines Vaters" wird "Meim Vattr sei Haus".

Die vielen Verniedlichungen fallen Fremden im Ländle besonders auf. Das Mädchen ist das Mädle, die Tür das Türle. Selbst nicht so schöne Dinge werden durch die Endung –le verharmlost. "Er hat ein Schlägle gehabt" hört sich doch gleich weniger schlimm an als ein Schlaganfall.

Reigschmeckte aufgepasst!

Für einen Fremden ist es schwer, Schwäbisch zu lernen. Wer nicht schon in Baden-Württemberg aufgewachsen, sondern ein Reigschmeckter ist, wird wohl niemals akzentfrei schwätze, also reden, können. Manches wird auch von Nicht-Schwaben falsch imitiert. Zum Beispiel wird oft einfach jedes s als sch ausgesprochen. Denn gerade die häufige Verwendung des sch fällt Hochdeutsch-Sprechern beim Schwäbischen besonders auf. Dabei gibt es auch hier noch s oder st.

"Dort wo früher noch ein Laut dazwischen war, heißt es auch heute noch st, erklärt der Tübinger Sprachwissenschaftler Professor Arno Ruoff. "Also Obst hieß Mittelhochdeutsch einmal Obest, daher heißt es nicht Obscht, sondern Obst." Aber auch die Schwaben selbst sind nicht immer ganz korrekt in der Aussprache.

Dialekt für Professoren, Ärzte und Arbeiter

Schwäbisch wird nicht nur von einfachen Leuten gesprochen. Zwar versuchen immer mehr Schwaben Hochdeutsch zu reden (zwangsläufig müssen sie das an den Schulen und Universitäten), aber ihr Dialekt ist doch immer herauszuhören. "Ich habe einmal einen Vortrag in Hamburg gehalten und nachher kam eine Dame zu mir und sagte: ‚Ich hätte Ihnen noch ewig zuhören können‘", erzählt Professor Hermann Bausinger, emeritierter Leiter des Ludwig-Uhland-Instituts in Tübingen. Geschmeichelt wollte er schon das Kompliment abwiegeln, als die Dame fortfuhr: "Ich höre so gerne Schwäbisch."

Mittlerweile gehört Schwäbisch nicht mehr zu den unbeliebtesten Dialekten in Deutschland. Aber lange Zeit war das anders. Wurden die Schwaben doch auch immer als Deutschlands "Dorftrottel" dargestellt. Dabei müssen sie sich ihrer Geschichte wirklich nicht schämen. Viele alte deutsche Herrschergeschlechter, wie die Staufer, Welfen, Hohenzollern und Habsburger waren Schwaben. Durch ihre politische Bedeutung prägte auch ihr Dialekt stark die deutsche Literatursprache.

Deutsch-deutsche Sprachprobleme

Heute gibt es viele Wörter, die nur in Schwaben verstanden werden. Oder sie haben im Schwäbischen eine andere Bedeutung. Einen Teppich wird wohl kein Schwabe auf den Boden legen, es sei denn er macht ein Picknick. Denn Teppich ist für ihn eine Decke. Mit Nicht-Schwaben kann es da schon mal zu netten Missverständnissen kommen.

Auch umgekehrt kann ein Schwabe den Hochdeutschen manchmal nicht verstehen, wie eine Erzieherin aus Nordrhein-Westfalen erleben musste. Als sie ihre Kinder bat, sich an den Händen zu halten, reagierten die Kleinen nicht. "Bis meine Kollegin sagte: ‚Hebt euch‘, und zack, standen alle in Zweier-Reihen da", erzählt sie. Denn halten heißt im Schwäbischen heben.

Autorin: Janine Albrecht

Redaktion: Raphaela Häuser

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