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Auswärtsspiel

Schulalltag in Ghana

In einem Dorf in Ghana hat Judith Scholz ein Ausbildungszentrum für Frauen eingerichtet. Das Ziel: Nach der Ausbildung sollen sie eigene Geschäfte betreiben. Erfolgversprechend, denn die Ghanaerinnen sind sehr motiviert.

Judith Scholz vor dem Ausbildungszentrum

Es ist Punkt 8 Uhr am Ausbildungszentrum Do Wo Yonko. 20 junge Frauen stehen in dem geräumigen Klassenzimmer – singen und beten während der täglichen Morgenzeremonie. Das Zimmer hat an zwei Seiten große Türen, die offen stehen. Ein angenehmer Wind weht durch den Raum. Auch früh morgens ist es schon sehr warm in Ghana. Am Rande der Klasse steht Judith Scholz und beobachtet die Szene. Sie hatte die Idee für dieses Frauen-Ausbildungszentrum: „Die meisten haben schon jahrelang nach der normalen Schulausbildung zuhause gesessen, haben verkauft, haben schon Kinder – haben im Grunde gar nichts gemacht. Also wenn die das hier schmeißen, dann ist Ende. Dann werden die wahrscheinlich nichts mehr lernen können. Von daher ermutigen wir sie immer, dass sie dranbleiben, dass sie das durchziehen, weil sie dann schon eine Zukunft haben.“

Auszubildende beim Schablonenschneiden

Engagierte Azubis

Die Auszubildenden haben sich an die erste Aufgabe des Tages gemacht: Schneidern steht auf dem Stundenplan. Vor großen blauen Tischen haben sie sich aufgestellt und schneiden Schablonen aus – für die Vorderseite eines Hemdes.

Strammer Stundenplan

Dass die Frauen Talent haben sieht man an ihrer Kleidung: Alle tragen orange-gelbe Kleider, die sie selber geschneidert haben. Ein buntes Bild. Mittlerweile hat sich das Talent der Schülerinnen rumgesprochen. „Auch am Wochenende habe ich sie nähen gesehen. Und dann habe ich gesagt: Sogar am Wochenende seid ihr hier am arbeiten? Und dann sagten sie: Ja, ein paar Nachbarn wären gekommen und hätten Stoffe gebracht – und sie sollten ihnen etwas daraus nähen, für die Kirche und so. Ich denke, das ist schon mal ein super Zeichen. Darauf können wir stolz sein“, meint Judith Scholz. Es sind diese Momente, aus denen Judith Scholz Kraft schöpft. Vor zwei Jahren hatte sie die Idee und gründete das Projekt unter der Obhut der Organisation "Children we care foundation".

Maurice Gully interviewt Judith Scholz

Dorfgemeinschaft einbezogen

Zum Ausbildungsgelände gehören das Schulgebäude und ein Haus, in dem ein Teil der Mädchen auch schläft. Der Bau, vor knapp zwei Jahren, war für Judith und ihr Team eine große Herausforderung: „Wir hier, die in so kleinen Gemeinden arbeiten, holen gerne die Leute, die aus dem Dorf sind. Um diese Leute auch zu stärken.“ Jedes Dorf habe seine Maurer, jedes Dorf seine Schreiner und dann arbeite man sehr eng mit ihnen zusammen. Dies sei ein bisschen schwierig, „weil man natürlich die Bauaufsicht selber machen muss. Und wenn man keine Ahnung vom Bauen hat, dann muss man aufpassen, dass man nicht über den Tisch gezogen wird“, sagt Judith Scholz.

Von der Theorie zur Praxis

Mittlerweile ist der Vormittag vorbei und die Schulglocke läutet. In Ghana ist das im Übrigen noch echte Handarbeit. Die jungen Frauen haben nun eine Stunde Mittagspause, ehe es am Nachmittag mit dem Unterricht weiter geht.

Bei der Schneiderei-Ausbildung

Nach der Theorie am Morgen folgt dann ein praktischer Kurs an der Nähmaschine. Judith Scholz wirft noch einmal einen kurzen Blick in die Klasse und sagt: „Die sind erst jetzt ein halbes Jahr dran. Und das ist schon ziemlich flott. Denn Leute, die normalerweise an der Straße lernen, die brauchen schon zwei Jahre bis die das Zuschneiden lernen. Und das zeigt mir, dass wir hier schon ganz gut auf Kurs sind.“

Der Tag heute stand im Ausbildungszentrum ganz im Zeichen der Schneiderei. Es geht praktisch weiter: In den nächsten Tagen werden unter anderem Batiken und Seifen-Herstellung auf dem Stundenplan stehen. Wenn nach drei Jahren die Ausbildung beendet ist, sollen die jungen Frauen dann ihr eigenes Geschäft eröffnen können.

Autor: Maurice Gully

Redaktion: Birgit Görtz

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