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Afrika

Südafrika und das Ende der Apartheid

Vor 20 Jahren leiteten die Worte des damaligen Präsidenten Frederik Willem de Klerk die historische Wende ein: in einer öffentlich übertragenen Rede sprach er sich für die Freilassung Nelson Mandelas aus.

Schild in Südafrika (Foto: dpa)

Südafrika Apartheid-Schild

Es war eine politische Sensation, die Frederik Willem de Klerk am 2. Februar 1990 verkündete: Vor dem südafrikanischen Parlament läutete der frisch gewählte Präsident das Ende der Apartheid ein. "Ich möchte hier ganz klar sagen, dass die Regierung den festen Entschluss gefasst hat, Nelson Mandela ohne Bedingungen freizulassen". Die Ansprache de Klerks wurde live im Fernsehen übertragen. Darin kündigte er auch die Legalisierung der südafrikanischen Opposition an, die jahrzehntelang als verbrecherisch abgestempelt wurde.

Gelähmte Gesellschaft

Präsident de Klerk (Foto: dpa)

Fredrik Willem de Klerk

Der damals 53-jährige de Klerk hatte erkannt, dass der krasse Rassismus in Südafrika, bekannt unter dem Schlagwort "Apartheid", nicht länger aufrecht zu halten war. Die Praxis, der schwarzen Mehrheitsbevölkerung konsequent jede Art von Teilhabe vorzuenthalten, lähmte die südafrikanische Gesellschaft. Sie führte immer wieder zu Massendemonstrationen, die von der weißen Polizei gewaltsam niedergeschlagen wurden. Die internationale Gemeinschaft verurteilte die Apartheid bereits in den 1970er Jahren. Die Vereinten Nationen bezeichneten sie 1976 als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Das Wort Apartheid bedeutet in der südafrikanischen Sprache Afrikaans "Trennung". Und die Politik der Trennung wurde seit den 1950er Jahren insbesondere von der burischen Nationalpartei konsequent betrieben. Durch Gesetze und Maßnahmen wurde die weiße Bevölkerung gegenüber der Schwarzen begünstigt. Es gab eine räumliche Trennung, die der weißen Minderheit ein privilegiertes Wohnen ermöglichte. Die Nicht-Weißen wurden in wenig attraktive Randbezirke abgedrängt. Viele Bereiche des öffentlichen Lebens waren für Schwarze nicht zugänglich. Zum Alltag in Südafrika gehörten Absurditäten wie nach Rassen getrennte Toiletten und Bushaltestellen. Sie sorgten beim Rest der Welt für Kopfschütteln.

Zeichen stehen auf Ausgleich

Nelson Mandela am Tag seiner Freilassung (Foto: AP)

Nelson Mandela am Tag seiner Freilassung

Die europäischen und amerikanischen Handelssanktionen machten dem Burenstaat schwer zu schaffen. Sie brachten die Wirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs. Die Apartheid war untragbar geworden. Auch die verbotene Befreiungsorganisation der Schwarzen, der "African National Congress" (ANC) war seinerseits unter Druck: seine Finanzflüsse aus dem zusammenbrechenden Ostblock versiegten. Die Zeichen standen also auf Ausgleich. De Klerk brauchte Verhandlungen mit dem ANC, um die Lage unter Kontrolle zu halten. Zunächst liefen diese im Geheimen, doch jetzt mussten durchgreifende Fortschritte her. Dazu ging de Klerk 1990 auf die wichtigsten ANC-Forderungen ein: die Zulassung der Oppositionsparteien, die Freilassung inhaftierter Politiker – vor allem die Nelson Mandelas, der seit Jahren auf der Gefängnisinsel Robben Island festsaß. Und schließlich eine Lockerung des schon viele Jahre andauernden Ausnahmezustands. Dies alles kündigte de Klerk in seiner berühmten Rede an. Und noch mehr: die Pressezensur sollte abgeschafft und die Todesstrafe ausgesetzt werden.

Schritt in die Freiheit

Einige Ankündigungen de Klerks wurden sehr schnell Wirklichkeit: Nur wenige Tage nach seiner Rede, am 11. Februar 1990, öffneten sich in dem kleinen Weinort Paarl bei Kapstadt die Tore des Gefängnisses: nach insgesamt fast 28 Jahren in Gefangenschaft schritt Nelson Mandela in die Freiheit, Hand in Hand mit seiner damaligen Frau Winnie Mandela. "Wir sind endlich frei", sagte er an jenem denkwürdigen Tag und reckte seine Faust in die Luft. Der Freiheitskämpfer war und ist immer noch die Symbolfigur im Kampf gegen die Apartheid. Als er freikam, war er 71 Jahre alt.

Apartheid in den Köpfen

Demonstration in Soweto (Foto: AP)

Township-Bewohner erinnern an die Apartheid-Ära

Andere Veränderungen brauchten sehr viel mehr Zeit. Der Durchbruch war mit de Klerks Rede nur eingeleitet, noch längst nicht geschafft. So blieben die Gesetze über die Rassentrennung zunächst in Kraft. Viele Schwarze waren daher zunächst skeptisch. Burische Extremisten wiederum reagierten mit blankem Hass und drohten de Klerk mit Gerichtsverfahren und Anschlägen. Bei einem Referendum 1992 sprachen sich allerdings mehr als zwei Drittel der Weißen für die Abschaffung der Rassentrennung aus. 1994 fanden dann die ersten freien Wahlen in Südafrika statt, aus denen Mandela als erster schwarzer Präsident hervorging. De Klerk wurde Vizepräsident. Die Vorherrschaft der weißen Südafrikaner war gebrochen. Dennoch ist die Apartheid in Südafrika auch heute, zwei Jahrzehnte nach der historischen Wende, noch nicht aus den Köpfen verschwunden.