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Amerika

São Paulo: Deutsche Wirtschaft boomt

Karneval und Fußball assoziieren die meisten Deutschen mit Brasilien. Nur wenige aber wissen, dass es in Brasilien viel deutsche Industrie gibt. Die deutsch-brasilianische Wirtschaft boomt. Führendes Beispiel: São Paulo.

Blick auf Hochhäuser von Sao Paulo (Foto: dpa)

Sao Paulo ist bei deutschen Firmen beliebt

11 Millionen Einwohner im Stadtgebiet, 19 Millionen im Großraum - São Paulo, die größte Metropole Südamerikas, gilt als Motor der deutsch-lateinamerikanischen Wirtschaftsbeziehungen. Egal ob Automobile von Volkswagen, Chemieprodukte der BASF oder Windanlagen von Enercon - in der Region wird produziert, hergestellt, gefertigt, sowohl für den brasilianischen Markt und als auch für die Nachbarländer Südamerikas. Der deutsche Handel boomt – und das ist Thema bei den deutsch-brasilianischen Wirtschaftstagen, die noch bis zum 01.09.2009 in Brasilien stattfinden.

Dynamik trotz Stau

Logo der deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage

Die deutsch-brasilianischen Wirtschaftstage finden noch bis zum 01.09.2009 statt

Das erste, was in São Paulo auffällt, ist das Verkehrschaos: Wer vom internationalen Flughafen im Vorort Guarulhos ins Zentrum fährt, bekommt meist gleich einen Eindruck davon, welches Verkehrsdrama sechs Millionen zugelassene Autos verursachen können. 90 Kilometer morgens und 130 Kilometer abends, das ist die durchschnittliche Länge der Staus in der Rush-Hour. Vor allem wenn es regnet, steht Auspuffrohr dicht an Auspuffrohr. Da kann die Fahrt vom Flughafen sehr, sehr lange dauern.

Trotz der vielen Staus, auf den Neuankömmling macht die Stadt eher den Eindruck, permanent unter Strom zu stehen. Stress, Hektik, Betriebsamkeit. "Eine Stadt als Motor", nennt das Sönke Böge, Mitglied im Vorstand der deutsch-brasilianischen Industrie- und Handelskammer: "Nicht nur für die deutschen Unternehmen ist São Paulo der Motor. Die Dynamik und Power hier in dieser Stadt ist einfach überwältigend", sagt er. "Hinzu kommt die schnelle Umsetzung und die Kreativität bei der Suche nach Lösungen. Dadurch haben sich in der Region São Paulo in den letzten Jahren so viele unterschiedliche Unternehmen angesiedelt."

Palmen, Caipirinha - und einen Absatzmarkt

Caipirinha, brasilianisches Getränk mit Limetten und braunem Zucker

Etwa jedes zweite deutsche Unternehmen, das neu nach Brasilien kommt, entscheidet sich für den Bundesstaat São Paulo als Standort, sagt Sönke Böge. Er hat in seiner Funktion als Unternehmensberater zahlreiche mittelständische Firmen von Deutschland nach Brasilien gebracht. "Die sind nicht hier, weil es Palmen gibt oder Caipirinha, sondern sie sind ganz einfach hier, weil es einen Markt gibt. Und dieser Markt ist auch das Entscheidende für den Einstieg deutscher mittelständischer Unternehmen."

Der Markt ist beeindruckend: Hier schlägt das industrielle Herz Brasiliens, ja ganz Südamerikas. Die etwa 800 deutschen Firmen im Großraum São Paulo bilden die größte Konzentration deutscher Industrie-Unternehmen weltweit. Dazu passt, dass die deutsch-brasilianische Industrie- und Handelskammer die größte Außenhandelskammer außerhalb Deutschlands ist. Sie beschäftigt immerhin 80 feste Mitarbeiter und 60 Praktikanten.

Deutsche unter sich

Wer Deutsche und Deutsches im Großraum São Paulo sucht, wird schnell fündig: Etwa 400.000 Deutschstämmige und Deutsche leben hier. Deutsche Schulen und Kindergärten bieten ihre Dienste an. Und wer will, der kann sich in zahlreichen Restaurants an Sauerkraut, Leberkäse oder Apfelstrudel satt essen.

Die Industrieanlagen findet man vorwiegend in den so genannten ABC-Vororten im Südosten der Stadt. Hier machte auch der heutige Präsident Brasiliens, Luiz Inácio "Lula" da Silva Karriere als Gewerkschaftsführer. In der Nähe seiner Privat-Wohnung in São Bernardo do Campo stehen beispielsweise das älteste Volkswagen-Werk außerhalb Deutschlands und die Südamerika-Zentrale des Chemiekonzerns BASF.

Für Rolf-Dieter Acker, Präsident von BASF Südamerika, der richtige Ort, um Geschäfte zu machen: "Die Großregion São Paulo ist mit Sicherheit der größte Markt in Brasilien. Insofern ist es attraktiv für alle Firmen, nahe am Markt zu sein", sagt er. Darüber hinaus sei es ein Vorteil, dass hier viele andere Unternehmen und viele andere Branchen sind: Automobil, Banken, Elektro- und Elektronikindustrie. "Hier ist alles gut konzentriert, so dass hier wir daraus einen zusätzlichen Platzvorteil ziehen."

Arbeit macht Spaß

VW-Autos (Foto: ap)

Zahlreiche deutsche Autos werden in Brasilien produziert

Die Dynamik São Paulos hat auch Sönke Böge nachhaltig beeindruckt, den früheren Vize-Präsidenten der deutsch-brasilianischen Industrie- und Handelskammer. Er ist immer wieder aufs Neue fasziniert: "São Paulo ist die einzige Stadt der Welt, in der man sich, wenn man morgens aus dem Hause geht, eine 'Gute Arbeit' wünscht. 'Um bom trabalho', sagt man hier, also 'Gute Arbeit'. Den Leuten macht es einfach Spaß, hier zu arbeiten", sagt er begeistert.

Und das gilt für alle Generationen: "Abends um elf sind alle Abenduniversitäten voll von jungen Leuten, die tagsüber arbeiten und abends studieren. 70 Prozent aller São Paulo-Studenten studieren abends und arbeiten tagsüber. Das muss man sich mal vorstellen. Diese Dynamik ist einfach nicht wegzudiskutieren."

Autor: Johannes Beck

Redaktion: Anna Kuhn-Osius

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