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Fokus Osteuropa

Roma in Serbien: Ein Leben in Armut

Viele Roma in Serbien leben noch immer unter kaum zumutbaren Lebensumständen. Eine DW-Mitarbeiterin hat sich in Südserbien umgeschaut.

Vor allem Kinder leiden

Die Roma - Siedlung im südserbischen Dorf Barlovo ist von Armut schlimm betroffen. Dort wohnen auf engstem Raum 150 Roma und sie haben nicht einmal die allernotwendigsten Mittel zum Leben. Alle Einwohner sind auf zehn Häuser verteilt, in denen es kein Wasser, Strom und sanitäre Anlagen gibt. Seit Jahren bekommen sie keine staatliche Unterstützung und sind praktisch sich selbst überlassen. Wegen der unhygienischen Lebensumstände sind ansteckende Krankheiten an der Tagesordnung.

Leiden der Kinder

Die Hälfte der Roma in Barlovo sind Kinder der verschiedenen Altersgruppen. Sie sind die größten Opfer der Armut, sagen die Bewohner. In diesem südserbischen Dorf mangelt es an allem: es fehlt an Kleidung, die Eltern können sich keine Schulbücher für ihre Kinder leisten. Deshalb gehen viele Kinder gar nicht mehr zur Schule, selbst dann nicht, wenn ihre Eltern damit einverstanden sind. Von insgesamt 50 Kindern besuchen nur fünf die Grundschule.

Miki Nikolic, Vertreter des Roten Kreuzes in der serbischen Gemeinde Kursumlija, sagt, seine Organisation verfüge derzeit nicht über finanzielle Mittel und könne deshalb den betroffenen Roma keine größere humanitäre Hilfe bieten. Dennoch hat das Rote Kreuz für einige Kinder Schulsachen besorgt: „Wir haben nur geschafft, für die Roma-Kinder Schulhefte, Bleistifte und Radiergummis zu kaufen. Das ist alles. Sie sind die am meisten gefährdete Minderheit in diesem Gebiet.“

Es fehlt sogar an Essen

Die Mitarbeiter beim Roten Kreuz beklagen auch, dass sich in den letzten Jahren viele humanitäre Organisationen zurückgezogen hätten. Deswegen sei vor einigen Monaten auch die Unterstützung in Form von warmen Mahlzeiten eingestellt worden. Die Roma müssten jetzt praktisch hungern. Ein Bewohner in Barlovci sagt: „Wir sind gezwungen, in Mülltonnen zu wühlen und müssen manchmal Hungergefühl unterdrücken. Das schlimmste ist aber, dass auch unsere kleinen Kinder alles ertragen müssen.“

Von der Gesamtzahl der Einwohner in Südserbien, sind fünf Prozent Roma. Nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen, die sich mit Roma-Fragen befassen, wird sich die Lebenssituation für diese Menschen auch in Zukunft kaum verbessern.

Ljiljana Danilovic, Belgrad

DW-RADIO/Serbisch, 22.3.2006, Fokus Ost-Südost