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Energie

Rekord beim Stromexport

Wind, Sonne, Wasser: Die erneuerbare Energie in Deutschland boomt. Das führt dazu, dass der Stromexport in diesem Jahr Rekordniveau erreicht. Ein Fortschritt ist das aber nur bedingt.

Vor eineinhalb Jahren wurden die alten Atommeiler in Deutschland abgeschaltet. Statt eines Strommangels gibt es in Deutschland jetzt aber soviel Strom, dass er sogar exportiert werden kann. 2011 hatte Deutschland noch Strom importieren müssen. In diesem Jahr erreicht der Export nach vorläufigen Zahlen die Rekordmarke von 14,7 Milliarden Kilowattstunden. Das verkündete der Bundesverband der deutschen Energiewirtschaft (BDEW) jetzt in Berlin.

Billiger Strom aus Deutschland

Windräder drehen sich vor dem RWE-Braunkohle-Kraftwerk Neurath (Foto: pa/dpa)

Ökostrom auf dem Vormarsch

Durch die rasant steigende Strom-Produktion aus Wind-, Sonnen- und Wasserkraft in der Bundesrepublik sinken allerdings die Preise. Nicht für die deutschen Verbraucher, sondern für Großabnehmer aus dem Ausland. Das führt dazu, dass die Nachfrage nach billigem Strom aus Deutschland steigt, vor allem in den Niederlanden. Dort wurden wegen der Importe sogar einige Gaskraftwerke vom Netz genommen. Auch in die Schweiz und nach Österreich wurde kräftig geliefert.

Der Verband der großen Stromabnehmer aus der Industrie (VIK) wertet die Exportzahlen jedoch nicht als Erfolg der Energiewende. Häufig produzierten Wind- und Solaranlagen auch dann, wenn keine Nachfrage vorhanden sei. Zudem drücke der Ökostrom Gaskraftwerke aus dem Markt, die aber etwa zu windschwachen Zeiten als Ausgleich für den Ökostrom gebraucht würden. Wichtig sei daher der Ausbau der Netze und Speicher in Deutschland, sagte VIK-Hauptgeschäftsführerin Annette Loske.

Kalte und Strategische Reserve

Überschuss und hoher Stromexport bedeuten nicht, dass in Deutschland keine Stromengpässe mehr entstehen können. Für solche Notsituationen, die besonders im Winter entstehen oder wenn der Wind mal nicht ausreichend weht, ist die sogenannte "Kalte Reserve" vorgesehen. Deutschland verfügt über viele Kraftwerke, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Der BDEW fordert außerdem noch eine "Strategische Reserve", eine künstliche Verknappung des Stromangebotes. Auch hier wird der Mechanismus von Angebot und Nachfrage angewendet. Je weniger Strom da ist, desto teurer ist er, auch wenn das niedrige Stromangebot künstlich herbeigeführt wurde. Die "Strategische Reserve" diene nicht für Notzeiten, sondern der Wirtschaft, erklärt Benjamin Weigert, Generalsekretär des "Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" im Gespräch mit der Deutschen Welle. "Dadurch soll erreicht werden, dass der Strompreis steigt, um die Anreize zu erhöhen, in Kapazitäten und Technik zu investieren."

Subventionen nützen und schaden

Benjamin Weigert, Generalsekretär des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Foto:Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung)

Wirtschaftsfachmann Benjamin Weigert

Die Zunahme der Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen sei an sich eine erfreuliche Sache. Sie sei jedoch teuer erkauft, und letztlich trügen die Bürger die Kosten. Denn durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sei die Abnahme des Ökostroms und dessen Subvention gesichert, erläutert Wirtschaftsfachmann Weigert. "Wir verkaufen praktisch den Strom für 5 bis 6 Cent an der Börse und wir zahlen denjenigen, die das einspeisen, beispielsweise bei der Photovoltaik, über 20 Cent." So müssten im Jahr 2013 rund 16,2 Milliarden Euro an Subventionen für Ökostrom an die Produzenten gezahlt werden. Wenn deren Produktion weiter steigt, werde es mehr. Zugleich sinke durch das steigende Angebot der Strompreis auf dem EU-Markt.

Eine Veränderung und Verbesserung dieser grotesken Situation sei nicht in Sicht, weil der Subventionsmechanismus durch das EEG zementiert sei. Erschwerend komme hinzu, dass die gesetzlich festgelegte Förderung nicht zwischen alten unwirtschaftlichen und neuen effizienteren Öko-Strom-Anlagen unterscheide. Benjamin Weigert konstatiert, dass es derzeit noch gar keine Vorstellungen zu einem Energiemarkt der Zukunft gebe, in dem der Anteil von Öko-Strom bei 40 bis 50 Prozent liegt. Das sei eine große Herausforderung.

Mehr Wettbewerb, mehr Stromnetze

Hochspannungsmaste und Windraeder stehen in einem bluehenden Rapsfeld (Foto: AP)

Deutschland braucht mehr Stromleitungen

Die größte Baustelle sieht der Wirtschafts-Sachverständige deshalb darin, den geplanten Ausbau von Erneuerbaren Energien effizient zu gestalten. Mehr Wettbewerb sei nötig, staatliche Intervention aber müsse bleiben, weil der Energie-Mark sehr "speziell" sei.

Und dann warte noch ein anderes ganz praktisches Problem auf die Planer der Energiewirtschaft: Die Leitungsnetze müssten ausgebaut werden, um mit der zunehmenden Produktion von Öko-Strom mithalten zu können. Denn, so Weigert, "ein großer Teil der Probleme ergibt sich daraus, dass die Kapazitäten an anderer Stelle entstehen als die Orte, an denen es die entsprechende Nachfrage gibt." Die meisten der abgeschalteten Atommeiler standen im Süden Deutschlands. Der Windstrom aber kommt aus dem Norden.

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