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Fokus Osteuropa

"Pussy Riot" - Mit Punk gegen Putin

Menschenrechtler fordern die Freilassung der russischen Punkband "Pussy Riot". Nach einer Performance gegen Putin in einer Moskauer Kathedrale drohen den drei Feministinnen bis zu sieben Jahren Haft.

Mit Wladimir Putin ist in Russland nicht zu spaßen. Besonders dann nicht, wenn eine künstlerische Protestaktion gegen den Premierminister und künftigen Präsidenten in einer der wichtigsten Kathedralen der russischen orthodoxen Kirche stattfindet. Das haben Maria Aljochina, Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samusewitsch erfahren müssen. Seit Anfang März sitzen die drei Mitglieder der feministischen Punkband "Pussy Riot" in Haft. Es kann sein, dass sie für sieben Jahre ins Gefängnis müssen. Diese Strafe droht ihnen dafür, dass sie am 21. Februar 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale eine punkige Performance gegen Putin veranstaltet haben. Später hieß es, dass sie damit die engen Verbindungen zwischen der russischen Politik und der orthodoxen Kirche anprangern wollten.

Die Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale (Foto: dpa)

Die Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale

Der Fall "Pussy Riot" spaltet nun die russische Gesellschaft. Viele gläubige Russen halten die Aktion für geschmacklos und fühlen sich beleidigt. Nach einer solchen Gotteslästerung könne man nicht einfach weiter machen, sagte der Patriarch Kirill. In einer Umfrage gaben rund 46 Prozent der befragten Russen an, dass sie die drohende Strafe für die jungen Punkfrauen für angemessen halten.

Menschenrechtler sehen das anders. Die Leiterin der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ludmila Alexejewa, glaubt, dass der Fall "Pussy Riot" politisch motiviert ist. Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erhebt schwere Vorwürfe gegen die russische Justiz und fordert eine sofortige Freilassung der drei Aktivistinnen. Die Beschuldigung des Rowdytums rechtfertige nicht die Inhaftierung. Das sei keine berechtigte Reaktion auf die friedliche Äußerung politischer Überzeugungen, heißt es in einer Presseerklärung. Die jungen Frauen würden deshalb als politische Gefangene gelten. Amnesty International räumt allerdings ein, dass die künstlerische Aktion in einer Kirche "für viele beleidigend" gewesen sei.

Fetzige Gitarrenklänge gegen Putin

Die Punkfrauen von 'Pussy Riot' (Foto: dapd)

Die Punkfrauen von "Pussy Riot"

Was genau die Punkfrauen von "Pussy Riot" in der Moskauer Erlöser-Kathedrale veranstaltet haben, kann man sich in einem Video auf der Internet-Plattform YouTube anschauen. In einem kaum zwei Minuten langen "Punk-Gebet" sieht man, wie die Mädchen mit bunten Gesichtsmasken, Strümpfen und Miniröcken bekleidet vor dem Altar wild tanzen und springen. Das Video wurde nachträglich mit einem Musiktitel unterlegt, der die Mutter Gottes dazu auffordert, "Putin zu verjagen". Solche Videos sind das eigentliche Ziel des Projekts "Pussy Riot", erklärten dessen Gründerinnen in einem DW-Interview vor ihrer Verhaftung.

"Videos sind für uns das Wichtigste", sagte eine der Frauen in dem Interview. Es gehe darum, dass nicht nur Menschen in Moskau, sondern auch in anderen russischen Städten das "mediale Produkt" im Internet sehen könnten.

Arabischer Frühling als Inspiration

Protestplakat mit der Aufschrift 'Goodbye Putin' (Foto: REUTERS)

"Pussy Riot" versucht, Stimmung gegen Wladimir Putin zu machen

Die Band "Pussy Riot", die sich selbst als eine "politische Punkrockband" beschreibt, gibt es erst seit Herbst 2011. Sie entstand kurz vor der Parlamentswahl in Russland und versuchte, Stimmung gegen Regierungschef Wladimir Putin und die Kreml-Partei "Einiges Russland" zu machen. Inspiriert wurden die jungen Punkmädchen vom Arabischen Frühling. "Die ägyptische Luft ist gut für die Lungen, macht den Roten Platz zum Tahrir-Platz!", heißt es in einem ihrer Lieder.

Bisher haben die Feministinnen nur wenige Aktionen veranstalten können: auf dem Roten Platz, in der Moskauer U-Bahn oder auf dem Dach einer Haftanstalt. "Es geht uns in erster Linie um Performances an verbotenen Orten", sagen Bandmitglieder. Ihre Aktionen erinnern an die ukrainische Gruppe "FEMEN", die seit Jahren für Aufsehen sorgt. Doch anders als die ukrainischen Feministinnen, die mit nackten Brüsten Aufmerksamkeit für politische Botschaften erreichen wollen, bleiben ihre russischen Kolleginnen dabei stets bekleidet. Die Mädchen von "Pussy Riot" wollen nach eigenen Worten "keine Frauenklischees" bedienen und spielen lieber Punkrock statt sich auszuziehen.

Am kommenden Sonntag (15.04.2012) feiern die Russen das Osterfest. An diesem Tag und auch am 21. April haben Menschrechtsaktivisten zu Solidaritätsaktionen für "Pussy Riot" aufgerufen. Sie werben dafür auf einer extra eingerichteten Seite im Internet. Bis Ende April bleiben die drei Russinnen in Haft. Ob sie danach freigelassen werden oder zu einer harten Strafe verurteilt werden, ist offen.

DW.DE

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