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Kriminalität

Plagiate kaufen kommt in Mode

Die deutschen Verbraucher sehen in Produktfälschungen eher ein Kavaliersdelikt. 65 Prozent kauften bereits Plagiate, fast ein Drittel sogar ganz bewusst. Das ergab eine neue Studie von Ernst & Young.

Originale Küchenprodukte und Fälschungen (Foto: Aktion Plagiarius e.V)

Deutschland Wirtschaft Plagiarius-Preisträger 2012

Besonders junge Verbraucher hätten wenig Bedenken, Fälschungen zu kaufen. Von den 18- bis 25-Jährigen griffen bereits 43 Prozent bewusst zu einem Plagiat, ergab eine Befragung von 3100 Verbrauchern und 24 ausgewählten Unternehmen durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die am Mittwoch (12.12.2012) in Düsseldorf vorgestellt wurde.

Für die Unternehmen handelt es sich bei Produktpiraterie keineswegs um ein Kavaliersdelikt. Nach Schätzungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft entsteht der Industrie in Deutschland durch Plagiate ein Schaden in Höhe von 50 Milliarden Euro pro Jahr. Fast vier von fünf deutschen Unternehmen werden mehrmals im Jahr Opfer von Produktfälschungen, heißt es in der Studie. Dabei stünden hinter der zunehmend professionell agierenden Fälscherindustrie oftmals kriminelle Strukturen.

Produkt-Piraterie im Kosovo

Schnellster Vertriebsweg: Internet

Gleichzeitig sind Produktfälschungen für Verbraucher leicht zugänglich: 65 Prozent der befragten Verbraucher haben bereits Plagiate gekauft - 30 Prozent sogar wissentlich. Beim schnellen, günstigen und anonymen Kauf hilft immer öfter das Internet. 63 Prozent der Unternehmen geben an, dass Fälschungen ihrer Produkte auf diesem Weg vertrieben werden.

Die Unternehmen sehen Produkt- und Markenfälschungen mit zunehmender Sorge, denn nur der kleinste Teil der Plagiate wird entdeckt: "Die schiere Masse der gefälschten Waren erlaubt den Zollbehörden im Normalfall nur Stichproben", sagt Stefan Heißner von Ernst & Young. "Wir müssen deshalb davon ausgehen, dass die allermeisten Fälschungen ihren Zielmarkt erreichen.“

Und die Fälscher werden immer schneller: 64 Prozent der Unternehmen geben an, dass Fälschungen ihrer Produkte höchstens ein Jahr benötigen, bis sie auf den Markt kommen. Laut den befragten Unternehmen stammen die Fälschungen vorwiegend aus China (83 Prozent). Stark vertreten sind aber auch Südostasien und die Türkei (jeweils 33 Prozent) sowie Osteuropa (25 Prozent).

Interview mit Stefan Heißner von Ernst & Young

Von der Arznei bis zur Industrieanlage

Handtaschen und Uhren von fliegenden Händlern sind ein Klassiker der Fälscherindustrie. "Die Fälschungsquote von Verbrauchsgütern wie Körperpflegeprodukte oder Kinderspielzeug war schon immer sehr hoch“, sagt Heißner. Das Spektrum der Plagiate habe sich aber deutlich erweitert: "Es gibt kaum noch ein Produkt, das vor Fälschungen sicher ist." Längst würden auch Elektroartikel oder Medikamente gefälscht.

"Der Verbraucher ist hier besonders gefährdet“, ergänzt Rüdiger Stihl, Vorsitzender des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM). "Gefälschte Elektrogeräte genügen nicht den Sicherheitsstandards und Medikamente mit fehlenden oder gar giftigen Wirkstoffen sind eine ernsthafte Gefahr für Leib und Leben." Auch Maschinen und sogar ganze Industrieanlagen würden nachgebaut.

Für die Unternehmen besonders heikel: Die Fälschungen betreffen auch Einzelteile, die über Zulieferer in die eigene Fertigung eingeschleust werden. Diese werden noch seltener entdeckt als komplette Produktplagiate. "Produktfälschungen untergraben das Fundament unserer Wirtschaft", warnt Stihl. "Innovationen machen Deutschland gegenüber den Billiglohnländern konkurrenzfähig. Die Fälschungen gefährden diesen Know-how-Vorsprung und damit Tausende Arbeitsplätze in Deutschland."

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