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Plüsch

Samtener Plüsch – das ist der Stoff aus dem die Träume sind, besonders die halbseidenen. Kaum zu glauben, dass Plüsch nur ein billiger Ersatz ist! Denn Plüschtiere werden nur gekuschelt, wenn sonst niemand da ist.

Wollen wir ihn wirklich 'Gewebe' nennen, den Stoff aus dem die Träume sind? Nicht unbedingt Johannes Mario Simmels gleichnamigen Roman, aber vielleicht diese aus Stoff, die uns in eine andere Welt verhelfen.

Der Stoff aus dem die Träume sind

Im Karneval zum Beispiel. Im Fasching. Bei den Bällen mit trunkener oder aufreizend heißer Musik, die unter die Haut geht. Mit Lachen, schnellen oder langen Blicken, in der Hitze der Nacht. Natürlich ist Gewebe mehr als ein Stoff, ein Textil, das wir auf der Haut tragen, und mehr als ein Stichwort.

Was besagt das schon, dass sich Längs- und Querfäden kreuzweise verbinden, zu einem Gewebe werden. Das ist gewissermaßen lediglich die dingliche Voraussetzung, um die Stoffe zu bekommen, die weichen, die fließenden, die zarten, die verführerischen und die farbenprächtigen aus denen das Kostüm wird im Karneval, die Verkleidung, die Verhüllung.

Gib Stoff!

Aber ja. Auch das brave Alltagstextil ist aus gewebtem Stoff, der Arbeitsanzug, der Overall, die Jeans; nur: Sie taugen nicht für die langen Nächte mit Glanz und Flitter, falschen Wimpern und vielsagenden Augenaufschlägen. Für die Auftritte in Samt und Seide, echt oder falsch, Plüsch und Taft, mit Strass und dem Geklimper von Modeschmuck, mit Parfümdüften weich und plüschig und all den aufregenden Verlogenheiten.

Wen interessiert's dass Plüsch nur Ersatz ist, ein geringer noch dazu für den edlen tiefen Samt. Wen interessiert's, wenn der Plüschmantel mit lässiger Grazie abgelegt wird und den abendlichen Partner freigibt. Oder wenn die Boa aus Plüsch von den Schultern rutscht und sich absichtsvoll zu Boden schlängelt. Da nimmt man sie auf und begegnet über der ganzen Länge eines Körpers schließlich den samtweichen Augen einer Dame, einer Frau, eines Mädchen, eines Mannes? Nobody is perfect.

Augen aus Samt

Ja, Augen sind samten. Sie können es zumindest sein. Samtene Augen blicken weich, tief warm und versprechen samtweiche Haut. Aber dies ist ein Bild vom Samt, eine Übertragung. Samt, der Stoff, ist ein feines Gewebe, meist aus Baumwolle, mit seidig-weicher, pelzartiger Oberfläche von kurzem Flor. So heißt es in der Fachsprache.

Flor, das ist die haarige, wollige Oberschicht von gewebten Textilien wie Samt und Plüsch; aber auch Teppiche. Plüsch wurde früher auch Halbsamt genannt - das klingt ein wenig abwertend. Ein bisschen billig. Eben nur Wollsamt. 'Peluche' auf Französisch. Aus Frankreich ist das Wort zu uns gekommen. Entlehnt im 17. Jahrhundert. Als leichter Samt wird der Plüsch alsbald in deutschen Landen bezeichnet.

Alles aus Plüsch

Man bediente sich des Plüschs zur 'Herstellung allerlei Galanterien', wie es in einem Nachschlagewerk heißt. Galanterien waren modisches Beiwerk. Aufgeputzte Krägen, Bordüren, Schals. Plüsch, als kokette Applikation wo immer es beliebte. Kutschen wurden mit Plüsch ausgeschlagen und das Zwitterding Kamisol, einesteils Hemd, andererseits Weste, zierte ein Plüschbesatz. Sogar Männerhosen gab es aus Plüsch und nicht zuletzt diese weichflauschigen Beinkleider haben dazu beigetragen, dass sich nun das Adjektiv 'plüschen' im Wortschatz des Deutschen fand.

Weshalb in der Schweiz das 'Tragen sammetener, plüschener, seidener und halbseidener Zeuge', ein altes Wort für Kleidungsstücke, verboten wurde, wäre eine Nachforschung wert. Vielleicht geschah dies, weil in gewissem Sinn Plüsch etwas Halbseidenes haben kann, was der braven Bürgerwelt missfällt.

Welt des Scheins

Halbseiden muss man erleben und spüren. Halbseiden ist die Atmosphäre im chambre séparée mit dem Plüschsofa und dem mit Plüsch bezogenen Hocker. Halbseiden ist auch eine Welt des Scheins. Nicht ganz echt, aber durchaus wirklich. Samtersatz.

Da haben dann auch die Plüschtiere ihren Platz. Da sitzen sie grellfarbig und schon deshalb nicht zu übersehen auf den Sofas und in den Sesselecken. Sie haben es besser als die übel gestellten Kolleginnen und Kollegen, die in den Losbuden der Jahrmärkte ihr tristes Dasein fristen oder von den Rückwänden der Schießbuden in die Luftgewehrläufe entschlossener Freizeitschützen blicken müssen.

Plüschige Küsse

Aber gehen wir wieder zurück in den Ballsaal, zurück zu den Kostümen und schauen den Damen und Herren zu, wie sie sich mit gespielte Leichtfertigkeit Kusshände zuwerfen. Kusshände aus Plüsch. Plüsch ist herrlich altmodisch und mitunter frivol.

Fragen zum Text

Karneval wird auch als … bezeichnet.

1. Weihnachten

2. Neujahr

3. Fasching

… Augen blicken weich und warm.

1. Samtene

2. Plüschige

3. Stählerne

Plüsch wurde früher auch … genannt.

1. Ganzsamt

2. Halbsamt

3. Unsamt

Arbeitsauftrag

Weich, samten, plüschig – diese Adjektive beschreiben, wie sich Stoff anfühlt. Schließen Sie die Augen und streichen Sie über eines Ihrer Kleidungsstücke. Beschreiben Sie mit Hilfe von Adjektiven, wie es sich anfühlt.

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