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Opium-Missernte lässt Bauern verzweifeln

Waslat Hasrat-Nazimi29. Mai 2012

Die Missernte in Afghanistans Opium-Anbaugebieten hat gravierende Folgen: Viele Bauern sind so hoch verschuldet, dass sie kaum noch einen Ausweg finden. Einige treiben die Sorgen bis in den Selbstmord.

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Afghanischer Bauer in Mohnfeld (Foto: AP)
15775130Bild: AP

Die Opiumernte war im Süden des Landes, dem Hauptanbaugebiet des Schlafmohns in Afghanistan, in diesem Jahr schlecht. Grund war eine Insektenplage, die für viele Kleinbauern eine Katastrophe bedeutet. Denn sie sind auf die Gewinne aus der Opiumernte angewiesen, um ihre Schulden bei den Landbesitzern zurückzahlen zu können. Pachtverträge mit den Landbesitzern haben diese Bauern zumeist nicht. Wer seine Schulden nicht bei der nächsten Ernte zurückzahlt, bekommt die Brutalität der Drogenbarone zu spüren.

So auch der Kleinbauer Abdul Khaliq aus der südlichen Provinz Helmand. Nachbarn berichten, dass das Ehepaar Khaliq Selbstmord begangen habe, weil sie ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten. Ihr Landbesitzer habe damit gedroht, im Tausch gegen die Schulden die neun und zehn Jahre alten Töchter des Ehepaares mitzunehmen. Mohammad Naim ist einer der Nachbarn: "Sie haben sich nachts erhängt, weil sie den Druck nicht ausgehalten haben. Als die Männer morgens kamen, haben die Kinder gesagt, dass die Eltern noch schlafen. Die Männer haben dann schnell die Leichen entdeckt."

Gouverneur eröffnet Anti-Opium-Kampagne in Helmand (Foto: DW)
Anti-Opium-Kampagne in HelmandBild: DW

Mit der Aufklärung überfordert

Die Polizei erzählt jedoch eine andere Version der Ereignisse. Sie schließe auch Mord nicht aus, sagt Soraya Sobhrang von der afghanischen Menschenrechtskommission. Sie gibt die offizielle Version so wider: Gegen Mitternacht seien Schüsse im Haus von Abdul Khaliq zu hören gewesen. Die Nachbarn hätten sofort die Polizei informiert und die Frau tot aufgefunden. Ihr Sohn sei schwer verletzt gewesen.

Die Behörden untersuchten den Fall, schienen aber mit der Aufklärung überfordert zu sein, sagt Sobhrang. Schließlich handele es sich nicht um einen Einzelfall. Das bestätigt auch Nader Nazari, Leiter der Menschenrechtskommission in Helmand. Er spricht von einer Form des Menschenhandels: "Abgesehen davon, dass die Besitzer auf ihrem Land illegal Opium anbauen lassen, ist es menschenverachtend, gegen das afghanische Gesetz und gegen die Scharia, dass diese Männer die Töchter zum Tausch gefordert haben."

Frauen als Opfer der Drogenwirtschaft

Wie Nazari erläutert, liegt in der florierenden Drogenwirtschaft ein Grund für zunehmende Gewalt gegen Frauen: "Es ist auch schon vorgekommen, dass wegen Drogenanbau oder Drogenabhängigkeit verschuldete Männer ihre Frauen auffordern, das fehlende Geld beizuschaffen. Die Frauen haben dann nur zwei Möglichkeiten: wegzulaufen oder sich zu prostituieren."

Afghanischer Bauer gewinnt Opium aus Mohnblüten (Foto: AP)
Reiche Ernte mit bösen AuswirkungenBild: AP

Egal für welche Lösung sich die Frauen entscheiden, für die konservative afghanische Gesellschaft gälten sie als Sünderinnen sagt Nazari. Das heißt: Nicht die Ehemänner, die ihre Frauen zur Prostitution gezwungen haben, werden von der Gesellschaft verurteilt, sondern ihre Ehefrauen.

Programme, um die Kleinbauern in Helmand aus ihrer Abhängigkeit vom Opiumhandel zu befreien, haben zwar gewisse Erfolge erzielt. Aber der Abzug der westlichen Truppen entlässt diese Programme in eine ungewisse Zukunft. So bleibt es einstweilen dabei: Die Armut der Bauern und die Verflechtung mächtiger Interessengruppen mit der Drogenwirtschaft machen deren Bekämpfung fast aussichtslos.