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Währungen

Niedriger Eurokurs: Grund zur Sorge?

Die Schuldenkrise wird zur Währungskrise - das ist der Tenor vieler Medienberichte, seit der Euro gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit 15 Monaten gefallen war. Ist die Aufregung berechtigt?

Als der Euro Anfang 2002 als Bargeld eingeführt wurde, war er nicht mal einen US-Dollar wert. Im Schnitt kostete ein Euro 2002 nur 0,95 Dollar. Danach ging es lange aufwärts, der Euro legte jedes Jahr zu. 2008 erreichte der Euro seinen Höchststand und kostete im Jahresdurchschnitt 1,47 Dollar. Seitdem gab er wieder nach, blieb aber relativ teuer - 2011 im Schnitt 1,39 Dollar.

Doch was sind die Gründe, warum Wechselkurse schwanken? In der Volkswirtschaftslehre gibt es dazu nicht eine, sondern eine ganze Reihe von Theorien. Konsens ist, dass die Veränderungen des Wechselkurses immer auch Ausdruck der Handelsbeziehungen sind.

Vereinfacht gesagt: Verkaufen die Europäer mehr Waren in die USA, als sie von dort einführen, steigt der Wert des Euro. Denn europäische Firmen werden in Euro bezahlt - entweder direkt, oder sie tauschen die eingenommenen Dollar aus einem Geschäft bei der Bank in Euro um. In der Masse heißt das, auf den internationalen Devisenmärkten werden Dollars verkauft und Euro nachgefragt - das läßt den Eurokurs steigen.

Die Grafik zeigt den Wechselkurs des Euro in Dollar zwischen 2002 und 2011

Berg- und Talfahrt: Der Wechselkurs Euro-Dollar seit der Einführung des Euro als Bargeld

Gut für den Export, schlecht für den Export?

2008, als der Euro besonders teuer war, sorgte man sich in der Eurozone zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie. Denn je teurer der Euro gegenüber dem Dollar, desto teurer sind auch europäische Produkte auf dem internationalen Markt. Mit anderen Worten: Schlecht für den Export.

Dass der Euro nun wieder an Wert verloren hat, wäre nach dieser Logik also gut für die europäische Exportwirtschaft. Das bestätigt auch Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, gegenüber DW-TV. "Für die Eurozone insgesamt ist ein schwächerer Euro beim Export hilfreich." Allerdings profitieren nicht alle Länder der Eurozone gleichermaßen. Deutschland etwa importiere in Dollar mehr, als es in Dollar verkaufe. "Insofern ist das für Deutschland eher eine gemischte Angelegenheit", so Hellmeyer.

Viele Rohstoffe werden auf den internationalen Märkten in Dollar gehandelt, selbst wenn sie nicht in den USA produziert werden. Ein schwächerer Euro macht dann auch Öl und Gas teurer, selbst wenn sich der Ölpreis, in Dollar gerechnet, gar nicht verändert hat. Gleiches gilt auch für andere Vorprodukte, die deutschen Unternehmen für die Herstellung ihrer Waren benötigen.

Zinsen und Vertrauen

Der Leitzins der EZB beeinflusst ebenfalls den Wechselkurs. Durch eine Langzeitbelichtung mit einer Bewegung der Kamera verwischt am das beleuchtete Logo der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main. (Foto: dpa)

Der Leitzins der EZB beeinflusst ebenfalls den Wechselkurs

Neben Ein- und Ausfuhren ist die Höhe der Zinsen in einem Währungsraum besonders wichtig für den Wechselkurs. Investoren legen ihr Geld dort an, wo es die höchsten Erträge bringt. In der Eurozone liegt der Leitzins zur Zeit bei einem Prozent, in den USA liegt er sogar noch niedriger, zwischen Null und 0,25 Prozent.

Höhere Zinsen versprechen dagegen die Staatsanleihen der Euroländer. Italien etwa musste bei der letzten Refinanzierung im Januar fast sieben Prozent für neu geliehenes Geld bezahlen. Doch angesichts der Schuldenkrise in Europa sind Anleger sehr zurückhaltend, angeschlagenen Euroländern Geld zu leihen. Zwar sind hohe Zinsen verlockend, doch Investoren fürchten, ihr Geld bei einem Schuldenschnitt zu verlieren. Legen sie ihr Geld woanders an, heißt das für den Euro: geringere Nachfrage, geringerer Wert.

Die große Unsicherheit in der Schuldenkrise bezeichnet You-Na Park, Devisenanalystin bei der Commerzbank in Frankfurt, als Belastungsfaktor für den Euro. Spanien und Italien müssen sich in dieser Woche neues Geld leihen. Ob das zu akzeptablen Konditionen geschehen kann, ist noch völlig offen.

Angst vor Eskalation der Krise

Unklare Zukunft: eine griechische Flagge weht vor dem Parlament in Athen (Foto: dapd)

Unklare Zukunft: Parlament in Athen

Hinzu kommen weitere Probleme mit Griechenland. Noch immer ist unklar, wie der angekündigte Schuldenschnitt genau aussehen wird. Es könnte sogar sein, dass er höher ausfällt als bisher angekündigt. Denn der Internationale Währungsfonds hat laut Medienberichten Zweifel am Sanierungskurs des Landes.

Griechenland muss entweder mehr sparen, die privaten Gläubiger müssen auf mehr Geld verzichten oder die Euro-Staaten ihre Hilfe erhöhen, berichtet das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf Quellen im IWF. Auch das trägt zur Nervosität an den Märkten bei.

Folker Hellmeyer, Analyst der Bremer Landesbank, sieht das ähnlich: "Wir haben Griechenland mit Reformen überfordert." Jetzt sei es an der Zeit, dass Europa Griechenland "eine Art Marschallplan" anbiete. "Wenn wir in Europa es nicht schaffen, ein Land mit zehn Millionen Menschen zu sanieren, dann hat Europa in der Tat sehr viel Zukunft verspielt", so Hellmeyer gegenüber DW-TV.

Hellmeyer glaubt, dass die Eurozone gestärkt aus der Krise hervorgehen kann. "Die Anpassung ist schmerzhaft. Aber am Ende steht eine engere politische Union", so der Analyst. Weniger optimistisch ist der deutsche Unternehmensberater Roland Berger. "Ein Zusammenbruch des europäischen Währungssystems und damit des Euro ist nicht ausgeschlossen." Die Wahrscheinlichkeit liege bei zehn bis 15 Prozent, so Berger in einem Zeitungsinterview.

Wie groß das Bedürfnis nach einem sicheren Hafen ist, zeigte am Montag (09.01.2012) eine Auktion deutscher Staatsanleihen. Die gelten Anlegern als so sicher, dass sie erstmals bereit waren, dem deutschen Staat Geld zu Negativzinsen zu leihen. Mit anderen Worten: Investoren akzeptierten einen leichten Verlust, um ihr Geld in deutschen Staatseinleihen parken zu dürfen. Sollte sich die Lage wieder ändern, können sie die Papiere allerdings gewinnbringend weiterverkaufen.

Autor: Andreas Becker
Redaktion: Henrik Böhme

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