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Ex-Ministerpräsident Albrecht ist tot

13. Dezember 2014

Der frühere niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Seine Tochter, Bundesverteidigungsministerin von der Leyen, erreichte die Nachricht in Afghanistan.

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Ernst Albrecht (Foto: dpa)
Bild: picture-alliance/dpa/J. Lübke

Ursula von der Leyen sprach gerade zu Bundeswehrsoldaten im afghanischen Camp Marmal bei Masar-i-Scharif, als sie den Tod ihres Vaters bekannt gab. Er habe "ein sehr erfülltes, langes Leben" gehabt, und er sei schnell und friedlich gestorben. "Insofern bin ich heute eher von Dankbarkeit als von Trauer erfüllt", sagte die Ministerin.

"Sturmfest und erdverbunden"

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Albrechts Familie ihr Mitgefühl aus. "Wir danken Ernst Albrecht für seinen Einsatz um unsere Partei, unsere Heimat und unser Land", erklärte die CDU-Vorsitzende im Namen ihrer Partei. Sie bezeichnete den verstorbenen Ministerpräsidenten als "sturmfest und erdverbunden" - die Worte aus dem Niedersachsenlied passten auf keinen Politiker besser als auf den langjährigen Landesvater.

Der amtierende niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) würdigte Albrecht als "einen Politiker, der unser Land über annähernd eineinhalb Jahrzehnte geprägt hat". "Ernst Albrecht verkörperte in seiner ganz eigenen Art einerseits die typische Bodenständigkeit der Niedersachsen und gleichzeitig die Fähigkeit, in größeren Dimensionen zu denken", sagte Weil der Deutschen Presse-Agentur.

Streit um Gorleben

Der CDU-Politiker Albrecht war von 1976 bis 1990 Regierungschef in Niedersachsen. Dann verlor er die Wahl gegen Gerhard Schröder (SPD), den späteren Bundeskanzler, und gab daraufhin seinen Abschied vom politischen Tagesgeschäft bekannt.

In Albrechts Amtszeit als Ministerpräsident fiel 1977 die Entscheidung für den Standort Gorleben als Atommülldeponie. Auch eine Wiederaufarbeitungsanlage für abgebrannte Brennelemente sollte dort ursprünglich entstehen. Der Widerstand gegen die Endlagerpläne begann ebenfalls 1977. Erst 2011 einigten sich die Bundesregierung und die niedersächsische Landesregierung darauf, dass bundesweit nach einem Endlager gesucht werden soll.

Kämpfer für privaten Rundfunk

Albrecht gehörte zu den treibenden Kräften für die Einführung des privaten Rundfunks in Deutschland. Im Zuge der Wiedervereinigung wurde Albrecht zum Aufsichtsratsvorsitzenden eines Industrieunternehmens im Bezirk Halle gewählt, das er später selbst übernahm. 2008 hatte Ursula von der Leyen öffentlich bekannt gegeben, dass ihr Vater an Alzheimer erkrankt sei. In einer TV-Sendung sagte sie damals, ihrem Vater seien "die Worte weitgehend verloren gegangen", aber wenn er glücklich sei, dann singe er. Von der Leyen und ihre Familie lebten zuletzt auf Albrechts Anwesen in Burgdorf.

jj/rb (dpa, afp, munzinger)