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Asien

Myanmar: Mediendialog bringt deutsche und myanmarische Kollegen zusammen

Nach 50 Jahren der Isolation und Zensur öffnet sich derzeit das Mediensystem. Und so wurde auch ein bislang einzigartiger Austausch möglich: Deutsche und myanmarische Journalisten trafen sich eine Woche lang in Yangon.

In dieser Konstellation haben die Journalisten aus Myanmar noch nicht zusammengesessen: Vertreter des staatlichen Fernsehens diskutieren gemeinsam mit Reportern des ehemaligen Untergrundsenders "Democratic Voice of Burma" (DVB) über das zukünftige Mediensystem. Unterstützt werden sie dabei von sieben deutschen Kollegen, die für den "Mediendialog Myanmar" der DW Akademie für eine Woche nach Yangon gekommen sind.

Khine Maung Win beim Mediendialog Myanmar in Rangun (Foto: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Khine Maung Win, Democratic Voice of Burma

"Das ist wirklich ein bedeutender Moment", sagt U Khine Maung Win. Der Journalist hat 24 Jahre im Exil in Norwegen gelebt. Von dort hat er mit Hilfe seiner Kollegen, die verdeckt und unter großer Gefahr für DVB gefilmt haben, unter anderem Beiträge über die gewaltsame Niederschlagung der protestierenden Mönche 2007 oder über die verheerenden Folgen des Wirbelsturms Nargis 2008 per Satellit nach Myanmar gesendet.

Mit der überraschenden Öffnung des Landes in den vergangenen Monaten konnte nun auch Khine Maung Win das erste Mal in sein Heimatland zurückkehren. Und dank des Mediendialoges nicht nur mit seinen neuen Kollegen, Vertretern aller Medien im Land, sondern auch mit deutschen Journalisten über die Herausforderungen sprechen, die nun auf das myanmarische Mediensystem zukommen. "Die deutschen Erfahrungen eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems sind für uns sehr interessant, denn wir wollen hier ein ähnliches System einführen", betont Win.

Eine Woche lang trafen sich die deutschen und myanmarischen Kollegen. Auf dem Programm standen Diskussionen zu Mediensystemen, journalistischer Verantwortung und Ethik sowie zur gesellschaftlichen Rolle von Journalisten. Die deutschen Kollegen zeigten sich sehr interessiert an den aktuellen medienpolitischen Entwicklungen: "Können Sie nun wirklich schreiben, was sie wollen?" fragte beispielsweise Anne Brühl, Redakteurin beim ZDF-Auslandsjournal. Im August hatte die Militärregierung angekündigt, die Presse-Zensur aufzuheben.

"Es gibt kein Zurück"

Thiha Saw, Mitglied des neugegründeten Presserates (Foto: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Thiha Saw, Mitglied des neugegründeten Presserates

"Früher mussten wir vor Veröffentlichung alle unsere Texte an die Zensurbehörde schicken. Dieses Prozedere ist nun tatsächlich aufgehoben worden", erzählt Thiha Saw, Chefredakteur des Wochenmagazins Open News und des Wirtschaftsmagazins Myanma Dana. Seit dem Wegfall der Vorab-Zensur könne er beispielsweise offener über die ethnischen Konflikte im Grenzgebiet zu Bangladesch berichten.

Thiha Saw ist Mitglied des neugegründeten Presserates. Gemeinsam mit seinen Kollegen arbeitet er an einem "Code of Ethics" für das neue Mediensystem. "Wir möchten, dass unsere Journalisten international gültigen Regeln des Journalismus folgen", so Saw.

Ye Htut, stellvertretender Informationsminister (Foto: DW Akademie/Nadine Wojcik).

Ye Htut, stellvertretender Informationsminister

Während des Mediendialoges sprach die Delegation auch mit U Ye Htut, dem stellvertretenden Informationsminister. Wie ernst ist es der Regierung mit der neuen Presse- und Meinungsfreiheit, fragte Manuela Kasper-Claridge, Leiterin der Hauptabteilung Wirtschaft der Deutschen Welle und verwies dabei auf eine 16-Punkte Richtlinie des Ministeriums, die eine Berichterstattung entsprechend der myanmarischen Kultur einfordert. Diese Richtlinien enthalten weiterhin unklare Formulierungen, die die Presseberichterstattung weiterhin einschränken könnten. "Es gibt kein Zurück mehr. Wir werden uns nicht mehr in die Berichterstattung einmischen", versicherte der stellvertretende Informationsminister.

Die größte Herausforderung sehe er derzeit in der Weiterbildung der Journalisten, so U Ye Htut. "Unsere Mitarbeiter der Rundfunkanstalten waren bislang keine Journalisten, sondern als Verwalter von Informationen." Das sei wenig verwunderlich, schließlich habe sein Ministerium bisher für gleichgeschaltete Meldungen gesorgt. "Es ist schwierig, aus diesen Mitarbeiter nun eigenverantwortliche und unabhängige Journalisten zu machen."

Während des Myanmar Media Dialogue trafen sich eine Woche lang sieben deutsche und sieben myanmarische Journalisten. Sie sprachen über Medienrecht, Zensur, journalistische Ethik und Mediensysteme (Foto: Andreas Grigo/DW Akademie).

Teilnehmer des "Mediendialog Myanmar"

Genau an diesem Punkt setzt die DW Akademie an. Seit August arbeitet Eberhard Sucker als ständiger Mitarbeiter in Yangon. Gemeinsam mit dem Schulungszentrum Myanmar Media Development Center (MMDC) wird er in den kommenden Monaten den aktuellen Transformationsprozess unterstützen. "Es hat hier über Jahrzehnte keine freie Presse gegeben und jetzt ist der Bedarf an professioneller journalistischer Ausbildung groß. Die Zensur ist abgeschafft, aber die Journalisten habe keinerlei Erfahrung, wie sie mit dieser Freiheit umgehen können."

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