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Indien

Mutmaßliche Vergewaltiger angeklagt

Das Schicksal der vergewaltigten und gefolterten Inderin hat ganz Indien bewegt. Knapp eine Woche nach ihrem Tod stehen die mutmaßlichen Peiniger nun vor einem neugeschaffenen Schnellgericht. Ihnen droht die Todesstrafe.

Gegen fünf der Beschuldigten wurde Anklage wegen Mordes erhoben. Sie müssten sich außerdem wegen Gruppenvergewaltigung, Entführung und weiterer Straftaten verantworden, teilte ein ermittelnder Beamter in Neu Delhi mit. Bei dem sechsten Angeklagten wird noch überprüft, ob er wie angegeben minderjährig ist. Dann würde er vor ein Jugendgericht gestellt. Gegen Minderjährige kann in Indien keine Anklage wegen Mordes erhoben werden. Den volljährigen Beschuldigten droht die Todesstrafe. Die sechs Männer waren bereits kurz nach der Tat festgenommen worden.

Indien: Vergewaltigern droht Todesstrafe

Bei der ersten Anhörung soll auch der Polizeibericht zu der Tat vorgelegt werden. Einige Details gelangten bereits vorab in die Öffentlichkeit. Demnach hatten die Männer versucht, das Opfer nach der in dem Bus begangenen Tat zu überfahren. Der Begleiter der 23-Jährigen hätte diese gerade noch rechtzeitig wegziehen können, als er gesehen habe, wie der Bus wendete, um die Frau offenbar zu überrollen. Wie Medien weiter aus dem Polizeibericht zitierten, war der junge Mann, der ebenfalls schwer verletzt wurde, zusammen mit seiner Freundin nach der Gruppenvergewaltigung aus dem Bus geworfen worden. Zuvor seien dem Paar die Kleider vom Leib gerissen worden, berichtete die Zeitung "The Indian Express".

Gábor Hálasz zum Prozess in Neu-Delhi

13 Tage lang kämpfte die Studentin um ihr Leben, nachdem sie am 16. Dezember vergewaltigt und misshandelt worden war. Am vergangenen Samstag starb sie an den Folgen des Angriffs in einem Krankenhaus in Singapur. Die Polizei erklärte nach dem Tod der jungen Frau, sie strebe die höchstmögliche Strafe für die Täter an.

Wie die Zeitung "The Time of India" berichtete, hatte sich die Studentin gegen ihre Peiniger gewehrt und ihnen während des Angriffs Bisswunden zugefügt. Laut Polizei und Medien zählen diese Verletzungen zusammen mit Blut, Sperma und Haaren sowie der Aussage des Freundes der Inderin zur Hauptbeweislast gegen die Beschuldigten. Der Busfahrer, der an der Vergewaltigung beteiligt gewesen sei, müsse sich zudem wegen Verschwindens von Beweismitteln verantworten, da er nach der Tat die Kleider der Frau verbrannt sowie versucht haben soll, den Bus gründlich zu reinigen. Alle sechs Männer hätten reichlich Alkohol getrunken, bevor sie beschlossen hätten, mit dem Bus eine Spritztour zu machen und dann unterwegs die 23-Jährige mit ihrem Begleiter in das Fahrzeug gelockt hätten.

Ein Mitglied der Anwaltskammer des Hauptstadtbezirks Saket sagte, die dort zugelassenen Anwälte weigerten sich, die mutmaßlichen Täter zu verteidigen. Keiner der 2500 bei dem Gericht registrierten Verteidiger sei dazu bereit, weil es "unmoralisch" sei, diesen Fall zu übernehmen. Deshalb muss ein Pflichtverteidiger bestimmt werden.

Der Fall hatte in Indien tagelange Demonstrationen und eine gesellschaftliche Debatte über Frauenrechte und sexuelle Gewalt gegen Frauen ausgelöst. In Neu Delhi wird nach Polizeiangaben im Durchschnitt alle 18 Stunden eine Vergewaltigung angezeigt. In dieser Woche wurde eine neue 24-Stunden-Hotline für "Frauen in Not" eingeführt. Unter dem Druck der Proteste gab Premierminister Manmohan Singh eine Neubewertung der Strafen für Sexualverbrechen in Auftrag. Die Polizei rüstet sich derweil für neue Proteste während des Prozesses in der Hauptstadt.

gmf/kis/as (dpa, afp, rtr)

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