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Afrika

Mosambik: Journalisten nehmen Staatsausgaben unter die Lupe

Berichterstattung über den Staatshaushalt erfordert viel Fachwissen. Besonders in Mosambik: Hier zeigen sich Regierungsmitarbeiter nur wenig kooperativ. Doch für die kann es jetzt ungemütlich werden.

Kurzangebundene und einsilbige Beamte, ein unverständlicher Wust an statistischen Daten und Tabellen, bewusste Falschmeldungen - über den Staatshaushalt zu berichten, ist in Mosambik eine Sisyphos-Arbeit. Zwar gibt es 20 Jahre nach dem Bürgerkrieg mittlerweile eine Rechenschaftspflicht, doch angewendet wird sie nur selten.

Mit der Wahrheit auf Kriegsfuß

"Regierungsmitarbeiter werden richtig unruhig, wenn ein Reporter ein paar Fragen stellen möchte", sagt Journalistin Isabel Manhica. "Die meisten stehen mit der Wahrheit auf Kriegsfuß." Manhica arbeitet seit acht Jahren als TV-Reporterin und nimmt derzeit an einem mehrstufigen Training der DW Akademie zur Budget-Berichterstattung teil.

Den Teilnehmern werden hier Fachwissen und Kenntnisse vermittelt, die ihnen künftig eine fundierte und analytische Berichterstattung über Steuereinnahmen, Staatshaushalt und -ausgaben ermöglichen sollen. Finanziert werden die Trainingseinheiten von der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau; Trainings-Partner der DW Akademie ist MB Consulting, ein Beratungsunternehmen aus Mosambik.

Die Reporter haben bislang die Erfahrung gemacht, dass ihre Recherchen oft einem Hindernislauf gleichen. "Die Hierarchien in den Regierungsetagen sind immer noch sehr undurchdringlich", sagt Isabel Manhica. "Die Faktenlage ist oft unklar, die Sprecher benutzen unverständliche Fachausdrücke und verstecken sich hinter Prozentzahlen. Wenn wir dann nachfragen, was denn diese Zahlen für den einzelnen Mosambikaner bedeuten, zucken sie nur mit den Schultern, so dass es unmöglich für uns ist, diese Zahlen zu dechiffrieren."

Fehlende Finanzexperten

Auch mangelt es in Mosambik derzeit noch an Fachjournalisten, die auf den Staatshaushalt spezialisiert sind. "Bislang haben unsere Reporter einfach nur die nackten Zahlen wiedergegeben, ohne sie zu analysieren oder zu hinterfragen", sagt Mariam Umarji, Geschäftsführerin von MB Counsulting.

Umarji ist Expertin in Sachen Staatshaushalt und damit ein unverzichtbarer Teil des Trainerteams. Sie vermittelten den Teilnehmern fundierte Kenntnisse und hilft ihnen, Zahlen und Fakten richtig zu intepretieren.

Reporterin Isabel ist während des Trainings nochmals bewusst geworden, "dass die Bürger wissen müssen, wohin die Steuereinnahmen fließen und wofür die Gelder ausgegeben werden." Die Nachrichtenredakteurin Marta Odallah, ebenfalls Teilnehmerin des Trainings, findet es wichtig, dass Wirtschaftsjournalisten mit dem notwendigen analytischen Werkzeug ausgerüstet werden.

"Manchmal müssen wir die Regierungsmitarbeiter einen ganzen Monat lang bearbeiten, bis sie endlich mit uns reden", sagt Odallah, die seit zwölf Jahren als Journalistin arbeitet. "Und es ist wirklich schwierig, an unverfälschte Zahlen zu kommen. Diese Trainings sind wichtig für uns, damit Journalisten sich davon nicht abschrecken lassen und an den Geschichten dranbleiben."

Der Schwerpunkt des Trainings liegt derzeit auf Hintergrundberichterstattung über den Staatshaushalt 2013. Unter der Leitung von den DW Akademie-Trainern Paulo Nuno Vicente und Adriana Jacobsen recherchieren die Teilnehmer ihre Themen. In einem abschließenden Training Ende November werden dann die Reportagen gemeinsam erarbeitet - eine heiße Phase, denn zeitgleich steht dann in Maputo die Verabschiedung des Staatshaushaltes im Parlament an.

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