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Umweltschutz

Mit dem Strom – Energie durch Wasser

Wasserenergie ist klimafreundlich. Trotzdem ist sie teils heftig umstritten - denn nicht immer bedeuten erneuerbare Energien auch Umweltschutz. Manche Staudammprojekte werden zum Problem.

Die Nutzung von Wasserkraft ist schon über 2000 Jahre alt: Mit ihr werden seitdem Mühlen betrieben, Hammerschmieden oder Sägewerke. Heute wird mit der Kraft des Wassers vor allem Strom gewonnen: 15 Prozent der weltweiten Produktion, mehr als durch Atomenergie. Andere erneuerbare Energien dagegen erreichen derzeit nur vier Prozent.

Wasser könnte noch viel mehr, das Potenzial liegt weit höher. Jedes erzeugte Megawatt Strom verhindert den weiteren Anstieg des klimaschädlichen Kohlendioxidausstoßes. Studien zufolge könnte fast der gesamte Bedarf der Erde mit Hydroenergie erzeugt werden. Doch dazu wird es nicht kommen. "Kosten und Nutzen stehen einfach nicht im Verhältnis", sagt Andre Böhling von Greenpeace Deutschland. "Wasser als erneuerbare Energie muss man differenziert betrachten – von Fall zu Fall." Das gilt besonders für die großen Staudammprojekte.

Alter Damm, neue Energie

Wasserrad, Mühlrad (Foto: Hydrowatt)

Traditionelle Nutzung von Wasserenergie

Ein Projekt in Honduras zeigt, wie man es besser macht: Die "La Esperanza Hydroelectric Facility" ist idealtypisch für eine gelungene Nutzung. Bei dem Wasserkraftprojekt werden mit der alten Staumauer bereits vorhandene Strukturen genutzt, der Landschaftsverbrauch ist minimal, die positiven Auswirkungen durch die konstante Stromgewinnung offensichtlich. Das Projekt des kanadischen Unternehmers Ron Turner wurde daher auch für den "World Clean Energy Award" nominiert. Die Anlage ist das weltweit erste Projekt, das nach der Verabschiedung des Klimaschutzabkommens von Kyoto 1997 eigene CO2-Zertifkate verkaufen durfte.

Viele große Staudammprojekte entwickeln sich jedoch zu einem ökologischen, ökonomischen und sozialen Desaster – zu groß sind die Eingriffe in Natur und Gesellschaft. Der indische Sardar-Sarovar-Damm oder der Drei-Schluchten-Damm in China sind eher ein Symbol der Umweltzerstörung und Missachtung von Menschenrechten als für Klimafortschritt. Besonders problematisch sind Staudämme, für die Wald geflutet wird. Die verrottenden Pflanzen setzen über Jahre große Mengen Methan frei - ein Gas, das noch schlimmere Auswirkungen auf das Klima hat als CO2. Trotz ihrer zweifelhaften Bilanz werden in Indien, China oder Südamerika weitere Großanlagen gebaut.

"Diskussion um Projekte ist vorbei"

Der Itaipu Staudamm in Brasilien war vor dem Bau des Drei-Schluchten-Damms in China der größte Energlieliferant seiner Art.

In den industrialisierten Ländern sind solche Projekte gar nicht mehr denkbar. "Die Diskussionen um neue Großprojekte in Deutschland sind vorbei", sagt Harald Uphoff vom Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke. Wachstumsmöglichkeiten für Hydroenergie sieht man vor allem durch neue Technik: Strömungsbojen etwa, die man mit minimalem ökologischen Eingriff in Flüsse hängen kann, werden gerade getestet. Vor allem müssen die häufig mehr als 50 Jahre alten Werke modernisiert werden, um mehr Strom zu produzieren – das Projekt in Honduras hat einen Weg gezeigt, wie das funktionieren könnte.

Potenzial für Deutschland?

Blick auf das renovierte Wasserkraftwerk Heimbach in der Eifel: Seit 1904 produzieren in dem Jugendstil-Gebäude Generatoren Strom.

In Deutschland ist Wasserkraft nach Windenergie die zweitwichtigste erneuerbare Energie: Sie leistet 3,5 Prozent der gesamten Stromerzeugung. Um den ökonomischen und ökologischen Sinn eines weiteren Ausbaus wird jedoch kontrovers diskutiert. "Langfristig sind in Deutschland keine nennenswerten Zuwächse bei der Wasserkraft mehr zu erwarten", sagt Andre Böhling von Greenpeace. "Diese Einstellung hat etwas von einer selbsterfüllenden Prophezeiung", widerspricht Uphoff. Aus Sicht der Betreiber kann die Stromgewinnung aus Wasser hierzulande noch um mindestens ein Drittel steigen.

Vor allem die so genannte "Kleine Wasserkraft" gilt als Hoffnung - kleine, dezentrale Anlagen bis zu einer Leistung von fünf Megawatt. Sie produzieren bisher 20 Prozent der deutschen Hydroenergie. "Eine solche Anlage reicht oft, um ein ganzes Dorf zu versorgen", sagt Uphoff.

15.000 ungenutzte Wehre

Die Bundesregierung hat 2008 in einer Studie an deutschen Flüssen und Bächen 15.000 Wehre und Staustufen gezählt, die noch nicht für die Energiegewinnung genutzt werden. Die Wasserwirtschaft will hier noch Strom in der Größenordnung von Kernkraftwerken produzieren, stößt dabei aber häufig auf Widerstand von Umweltschützern.

Die Politik hat mit einer Gesetzesnovelle 2009 nun eine annähernd salomonische Regelung gefunden. Es werden zwar keine CO2-Zertifikate vergeben, doch der Anreiz sauberen Strom auch wirklich umweltfreundlich zu gewinnen wurde erhöht: Wer sein Kleinkraftwerk nun noch mit ökologisch sinnvollen Maßnahmen wie etwa einer Fischtreppe flankiert, bekommt für jedes ins Stromnetz eingespeiste Watt mehr Geld.

Autor: Oliver Samson
Redaktion: Ranty Islam

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