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Atompolitik

Masterplan zur AKW-Entsorgung

Bis 2022 werden alle 17 deutschen Atomkraftwerke ihren Betrieb einstellen. Doch bis die Überreste entsorgt sind, kann es noch lange dauern. Der Bund und die AKW-Betreiber stehen vor einer Mammut-Aufgabe.

Was tun mit den stillgelegten Kernreaktoren? Erst mal einschließen unter einem Mantel aus Beton? Oder doch lieber abbauen? Diese Entscheidung müssen die Stromkonzerne treffen, die die Kraftwerke betreiben. Sie sind gesetzlich verpflichtet, die Stilllegung, den Rückbau und die Entsorgung ihrer Kraftwerke zu organisieren. Doch auch die zuständigen Behörden der Bundesländer sind in den Rückbau involviert. Bei ihnen müssen die Betreiber Genehmigungen für jede bauliche Veränderung einholen.

Bundesumweltminister Peter Altmaier
Foto: REUTERS/Thomas Peter

Bundesumweltminister Peter Altmaier

Im Bundesumweltministerium (BMU) arbeitet man zurzeit an einem Masterplan zum koordinierten Rückbau der deutschen Atomkraftwerke. Bundesumweltminister Peter Altmaier möchte dazu zunächst die Betreiber der AKWs an einem Tisch holen. "Bei der Errichtung der Kraftwerke wurden gute Erfahrungen mit einem einheitlichen Verfahren gemacht. Auch beim Rückbau könnte das sinnvoll sein. Dies könnte die technische Prozedur ebenso erleichtern wie die Genehmigungsverfahren", sagte eine Sprecherin des BMU der Deutschen Welle.   

Kraftakt und Weltpremiere

Weltweit ist der Rückbau so vieler Kraftwerke ein Novum. Der Energiekonzern RWE, der in Deutschland vier Atomkraftwerke betreibt, sieht sich für die Aufgabe dennoch gut gerüstet: "Deutschlandweit wie auch bei RWE selbst gibt es hinreichend Erfahrung beim Rückbau kerntechnischer Anlagen. Ein Großteil der Aufgaben wird von Fachleuten bearbeitet, die auch bei Bau und Betrieb von Anlagen tätig sind", erklärt Lothar Lambertz, Sprecher von RWE Power, auf Anfrage der DW.

Zerlegung eines Dampferzeugers im Zwischenlager Nord Lubmin bei Greifswald
Foto: Energiewerke Nord GmbH
Frei zur Verwendung für Pressezwecke

Seit 17 Jahren wird das AKW Lubmin demontiert

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist man in Deutschland tatsächlich relativ erfahren im Rückbau von Kernkraftwerken. In Lubmin bei Greifswald demontiert man schon seit 1995 mit über 900 Arbeitern einen Reaktor sowjetischer Bauart – und hofft, 2014 den Rückbau abschließen zu können. "So eine Stilllegung und so ein Rückbau ist ja ein Mega-Projekt. Da muss unglaublich viel geplant werden bei gleichzeitiger Flexibilität, und das dauert eine Weile", sagt Gudrun Oldenburg von den Energiewerken Nord (EWN). Die EWN sind ein Unternehmen des Bundes, der als Rechtsnachfolger der DDR für den Rückbau des größten Reaktors der ehemaligen DDR zuständig ist.

Gefährlich und teuer

Im Erkundungsbergwerk in Gorleben
Foto: Kay Nietfeld dpa

Der Salzstock Gorleben ist als Endlager für radioaktive Abfälle im Gespräch

Besonders schwierig ist die Demontage dadurch, dass unter extremen Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet werden muss. Schließlich sind viele der Baustoffe noch radioaktiv. Die strahlenden Reste werden zunächst auf dem Gelände gelagert. Da soll der Atommüll aber nicht bleiben: "Der schwach bis mittelstark radioaktive Abfall wird in ein stillgelegtes Bergwerk gebracht. Die abgebrannten Brennstäbe müssen in ein anderes Endlager, da gibt es ja besondere Anforderungen an das Gestein. Und so einen Ort haben wir leider noch nicht gefunden."

Für den Rückbau des AKW Lubmin und die Lagerung des atomaren Mülls hat der Bund als Eigentümer des Atomkraftwerks die enorme Summe von rund 4,1 Milliarden Euro veranschlagt. Damit kostet die Entsorgung eines einzelnen Reaktorblocks rund 500 Millionen Euro.

Wer zahlt die Zeche?

Das Logo des Energiekonzerns RWE vor der Unternehmenszentrale
Foto: Frank Augstein/dapd

Die RWE ist einer der größten Energiekonzerne Europas

Umweltverbände wie Greenpeace befürchten, dass die privaten Stromkonzerne für den Rückbau ihrer AKWs nicht genügend Rücklagen gebildet haben. Darüber hinaus hätten die Konzerne oft Tochtergesellschaften gegründet, die die AKWs betrieben. Die Muttergesellschaften seien aber nur bis zum Jahr 2022 finanziell für ihre Kraftwerkstöchter verantwortlich. Bei Zahlungsunfähigkeit bliebe danach der Staat  und leztlich der Steuerzahler auf den immensen Kosten sitzen.

Bei RWE gibt man sich dagegen gelassen: "Der Konzern verfügt über ausreichende Mittel, um die Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Stilllegung und dem Rückbau von Kernkraftwerken abzudecken. Sie werden jährlich anhand laufender Verträge, Gutachten und Aussagen interner und externer Experten aktualisiert und von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer geprüft", heißt es dort.

Kernkraft ist "out"

Neben der finanziellen Unsicherheit sieht Gudrun Oldenburg von den Energiewerken Nord auch noch andere Herausforderungen beim Abbau der 17 Reaktoren, zum Beispiel einen drohenden Fachkräftemangel: "Dadurch, dass der ganze Bereich Kerntechnik ein ziemlich schlechtes Image bekommen hat, ist es für junge Ingenieure natürlich nicht mehr so attraktiv wie früher, sich in diesem Berufsfeld zu engagieren. Und natürlich ist auch ein Thema, dass wir beim Rückbau die Unterstützung der Politik und der ganzen Gesellschaft brauchen. Es reicht nicht nur zu sagen, wir wollen abschalten, man muss sich auch bewusst sein, was das heißt, wie viel Arbeit, wie viel Zeit das bedeutet."

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