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Wirtschaft

Marsh: "Die Eurozone muss kleiner werden"

Keiner kennt die Geschichte des Euro besser als er: David Marsh, britischer Journalist, Banker und Wissenschaftler. Sein Buch "Der Euro - Die geheime Geschichte der neuen Weltwährung" gilt als Standardwerk.

David Marsh, Chairman of Official Monetary and Financial Institutions Forum (Foto: DW)

David Marsh

Vor dem Euro gab es keine Währung, auf der so viele Hoffungen und Erwartungen lasteten. Frankreich sollte er eine größere Unabhängigkeit von den USA bringen, dem deutschen Export sollte er nutzen. In Europa soll der Euro den Frieden sichern und für die Währungsunion soll er Prosperität garantieren. Darin sieht David Marsh, Chairman des Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF), nicht lösbare Interessenkonflikte. Eine Währung sollte man nicht überinstrumentalisieren. Es wäre besser gewesen, wenn sich die Politiker auf eine Liste mit weniger Zielen geeinigt hätten, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Das komplette Interview mit David Marsh

Zwar sei der Euro im Moment weit entfernt von einer vollkommenen Währung, er sei jedoch besser als eine alles dominierende D-Mark. Seiner Meinung nach soll die Eurozone auf die Länder verkleinert werden, die gewillt sind, eine politische und fiskalische Union zu bilden. Um das Vertrauen der internationalen Investoren zurückzugewinnen, müsste der Euro homogener werden.

Hinter Frankreich steht das große Fragezeichen

Auf die Frage, welche Länder er genau meint, antwortet der Währungsexperte: "Das sind Deutschland und die Länder um Deutschland herum." Die große Frage sei, ob Frankreich in fünf bis zehn Jahren noch mit von der Partie sei. Was ihm Sorge bereite, sei, dass Frankreich dauernd an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Deutschland und anderen leistungsstarken Euroländern verliere. Dadurch würden sich die Probleme in den kommenden Jahren vergrößern. Es obliege Frankreich, ob es den mühsamen Weg der Reformen gehen wolle.

Die Geschichte des Euro ist auch eine Geschichte des ewigen Konkurrenzkampfes zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Währungsunion, Deutschland und Frankreich. Beide Länder hätten vor 15 Jahren aus unterschiedlichen Motivationen das Projekt Euro gestartet, sagt der Euro-Kenner Marsh. Nun sehe es so aus, als ob die Unterschiede zwischen den deutschen und französischen Vorstellungen noch stärker in den Vordergrund träten. Auch wenn Frankreich im Laufe der Euro-Rettung Deutschland einige Konzessionen bei der Rolle der EZB abringen konnte, bleibe die Bundesregierung weiterhin sehr zurückhaltend, was die Ausweitung der EZB-Mandate anbelangt. Somit unterscheide sich die Europäische Zentralbank weiterhin fundamental von der Bank of England oder der amerikanischen Fed, und der Euro bleibe weiterhin zerbrechlich.

Die Briten und die EU

Sein Heimatland Großbritannien wollte von Anfang an kein Mitglied der Währungsunion werden. Nun zeichnet sich ab, dass die Briten durch die Eurokrise immer stärker mit der Europäischen Union fremdeln. Zwar geht David Marsh nicht davon aus, dass Großbritannien ganz aus der EU austreten würde. Doch die Beziehung zu Europa werde weniger intensiv werden. Falls sich die Briten doch zu einem Austritt durchrängen, verlöre Deutschland einen wichtigen und langfristig agierenden Partner. Und Europa würde noch ein Stück französischer.

Während in dieser Dreieck-Beziehung vieles möglich erscheint, ist es laut Marsh sehr wahrscheinlich, dass Griechenland in den kommenden zwei Jahren die Eurozone verlassen wird. Der Abstand zwischen dem Mittelmeerland und den anderen Europartnern sei in den letzten zwei, drei Jahren trotz aller Rettung größer geworden. Auf Dauer sei auch der politische Konsens, dass die Gläubigerländer den Schuldnerländern aus der Patsche helfen, schwer aufrechtzuerhalten.

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