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Automobilbranche

Langer Anlauf zur Elektromobilität

Fahren mit Strom scheint die Zukunftslösung für Mobilität zu sein. Um an diesem Geschäft teilzuhaben, hat weltweit ein Wettlauf der Hersteller und Regierungen eingesetzt - auch in Deutschland.

E-Smart aus einem Modellprojekt zur Elektromobilität der Bundesregierung (Foto: NOW GmbH)

In acht Modellregionen werden Elektrofahrzeuge getestet

Geht es um Autos, so kommt man um deutsche Hersteller nicht herum. So war es in der Vergangenheit und so soll es auch in der Zukunft sein. Wie diese Zukunft allerdings genau aussehen wird, ist noch unklar. Werden Autos elektrisch oder mit Brennstoffzellen fahren? Aus welchen Materialien wird die Batterie gebaut, und mit welchem System werden die Fahrzeuge aufgeladen bzw. betankt? Lauter offene Fragen - damit die eines Tages beantwortet werden können, laufen seit 2009 acht Pilotprojekte in Deutschland, angestoßen von der Regierung.

Elektrofahrzeuge in Modellregionen

Aufladen eines Elektrofahrzeuges - aus einem Modellprojekt zur Elektromobilität der Bundesregierung (Foto: NOW GmbH)

Wie bewähren sich Elektrofahrzeuge im Alltag?

Untersucht werde dabei in diesen Modellregionen, wie Elektrofahrzeuge im Alltag eingesetzt werden könnten, sagt Oliver Braune, Programmmanager bei der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, kurz NOW. Dadurch würde über alle Verkehrssektoren und alle möglichen Anwendungen Elektromobilität nach vorne getrieben, "um die Akzeptanz zu erhöhen und die Machbarkeit und Alltagstauglichkeit nachzuweisen", so Braune gegenüber DW-WORLD.DE.

Im Rahmen der Modellprojekte sollen bis Ende dieses Jahres rund 2800 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen rollen und etwa 2500 Ladepunkte aufgebaut sein. "Wir haben die Mehrheit der Fahrzeuge in die Modellregion gebracht", sagt Braune. Und auch die Infrastruktur, die notwendig sei, um die Fahrzeuge mit Strom zu beladen, sei größtenteils aufgebaut. "Und jetzt geht es eigentlich wirklich darum, konkrete Erfahrungen und Ergebnisse aus diesen Modellregionen zu ziehen."

Zusammenarbeit mit Unternehmen

Elektro-Transporter E-Vito in Stuttgart aus einem Modellprojekt zur Elektromobilität der Bundesregierung (Foto: NOW GmbH)

Warenauslieferung mit Elektrotransporter

Mit im Boot sitzen Forschungsinstitutionen und viele Unternehmen. So probt beispielsweise der Autobauer Daimler im Großraum Stuttgart, wie sich elektrische Kleintransporter im Alltag bewähren. Der Logistikkonzern UPS testet Elektroautos in seiner Zustellflotte. Energieversorger wie Vattenfall oder RWE bauen Ladestationen auf. Die Dresdner Verkehrsbetriebe setzten bereits Hybridbusse im öffentlichen Nahverkehr ein, und in Stuttgart fahren 500 Elektrofahrräder des Energiekonzerns EnBW.

Und auch bei der DB Rent, dem Car-Sharing Unternehmen der Deutschen Bahn, können Verbraucher inzwischen Elektroautos ausleihen. "Die DB Rent GmbH ist der erste und einzige Anbieter, der in der Flotte Elektromobilität zur Verfügung stellt", erläutert Jörg Thomassek von DB Rent. Hier könne man verschiedene Fahrzeuge ausprobieren - vom E-Smart über das Hybridfahrzeug Toyota Prius bis zum Citroen Cesiro.

Von den insgesamt 1600 Fahrzeugen in der Flotte sollen erst einmal 50 Elektrofahrzeuge angeboten werden. Eine Zahl, die sich gering anhört. "Das liegt nicht daran, ob wir wollen oder nicht, das liegt vor allem daran, wie zuverlässig sind die Fahrzeuge und bekommen wir sie", erklärt Thomassek. "Wir haben zurzeit in der Flotte 20 Elektrofahrzeuge." Das Problem ist also: Deutsche Hersteller wollen erst 2013 serienmäßig Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. Bis dahin gibt es lediglich Sonderanfertigungen, die teuer und nicht sofort verfügbar sind.

Von Modellregionen zu Schaufensterprojekten

Hybridbus der Leipziger Verkehrsbetriebe, Modellprojekt zur Elektromobilität der Bundesregierung (Foto: NOW GmbH)

In verschiedenen Städten sind Hybridbusse im Einsatz

Noch bevor die Arbeit in den Modellregionen zu Ende geführt ist, kommt schon die erste Kritik. "Die Modellregionen sind unkoordinierte Versuche, mit Elektromobilität irgendetwas zu machen", sagt Herbert Zimmermann vom Zentralverband der Elektroindustrie ZVEI. Ganz umsonst seien sie aber dennoch nicht. Selbst wenn mehrere der Ansätze in den Modellregionen ins Leere laufen, irgendwo müsse man ja anfangen, so Zimmermann.

Die Modellregionen gehören zu den ersten Schritten der Bundesregierung, Elektromobilität zu fördern. Als nächstes sollen sogenannte Schaufensterprojekte gestartet werden, in denen die deutsche Industrie ihr Können den Deutschen und dem Ausland zeigen kann. So plant der ZVEI zusammen mit der deutsche Industrie und dem deutschen Staat, drei bis fünf solcher Schaufensterprojekte auf die Beine zu stellen. "Das Konzept wird konsistent sein, mit klarer Zielstellung", so Zimmermann gegenüber DW-WORLD.DE. "Ich könnte mir vorstellen, dass Erkenntnisse aus den gegenwärtigen acht Modellregionen dazu führen, die Schaufensterprojekte zu optimieren." Vor allem sollen diese Projekte groß genug sein, um Elektromobilität auf Massentauglichkeit zu testen.

Diese Schaufensterprojekte sollen Deutschland noch etwas weiter auf den Weg bringen, Leitmarkt für Elektromobilität zu werden. Geht es nach der deutschen Bundesregierung, sollen bis 2020 eine Million Elektro-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. "Und ich bin zuversichtlich, dass das funktionieren wird", meint Zimmermann. "Wir haben riesige Fahrzeugflotten in der öffentlichen Hand und bei privaten Unternehmen, und wenn die mit entsprechenden Anreizen motiviert werden, E-Fahrzeuge einzusetzen, dann wird das auch passieren."

Autor: Insa Wrede
Redaktion: Monika Lohmüller

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