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"Dreckiges Komplott"

25. Februar 2014

"Bringe alles Geld weg, was in deinem Haus ist.", sagt eine ältere Stimme. Für die türkische Opposition sind die Protagonisten des jetzt bekanntgewordenen Telefonats klar: Ministerpräsident Erdogan und sein Sohn Bilal.

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Symbolbild Telefon (Foto: DW)
Bild: picture alliance/Joker

Der Streit um angebliche Korruptionsfälle in der türkischen Regierung spitzt sich zu. Die Opposition in Ankara fordert den Rücktritt von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, wie verschiedene Zeitungen berichteten. Anlass sind angebliche Mitschnitte von Telefonaten Erdogans mit seinem Sohn Bilal, die am Montagabend im Internet auftauchten. Die Mitschnitte legen laut Opposition nahe, dass die beiden große Geldsummen verschwinden ließen, um sie vor staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Sicherheit zu bringen. Erdogan wies die Mitschnitte als Fälschung zurück.

Erdogans Regierung steht seit Mitte Dezember wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck. Mehrere Söhne früherer Minister sitzen in Untersuchungshaft. Erdogan bezeichnet die Vorwürfe als Machenschaften von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen, denen er vorwirft, sie wollten die Regierung stürzen. Gülen selbst lebt im amerikanischen Exil. In den vergangenen Tagen waren mehrere Mitschnitte angeblich abgehörter Telefonate aufgetaucht, die Korruptionsvorwürfen an die Adresse der Regierung neuen Auftrieb gaben.

Erdogan unter Druck

Bei den am Montagabend im Internet auf Youtube verbreiteten Mitschnitten handelt es sich angeblich um Telefonate Erdogans mit seinem Sohn Bilal vom 17. Dezember, jenem Tag, an dem die Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung erstmals auftauchten. An dem Tag wurden auch etliche Verdächtige aus dem Umfeld der Regierungspartei AKP unter Korruptionsverdacht festgenommen. Nach den Internetberichten besprechen der Regierungschef und sein Sohn, wie sie nicht näher genannte Summen vor der Staatsanwaltschaft verstecken können. Erdogan sprach am Dienstag vor Abgeordneten seiner islamischen-konservativen AKP in Ankara von einer "Verschwörung" und einem Angriff gegen die Türkei und gegen ihn als Regierungschef. Zuvor hatte das Büro des Ministerpräsidenten mitgeteilt, es handele sich um ein "dreckiges Komplott".

Porträt von Erdogans Sohn Bilal (Foto: AFP)
Erdogans Sohn Bilal soll in den Korruptionsskandal verwickelt seinBild: picture-alliance/dpa

Die Republikanische Volkspartei (CHP), die größte Oppositionspartei im Land, warf Erdogan vor, er habe jede Legitimation verloren und müsse zurücktreten. Die Mitschnitte seien echt. Das Youtube-Video wurde bis Dienstagnachmittag rund zwei Millionen Mal angeklickt.

Anlässlich der Eröffnung einer umstrittenen Straße durch Erdogan kam es am Dienstag in Ankara zu Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, aus den Reihen der mehreren hundert Demonstranten wurde mit Steinschleudern geschossen, wie Augenzeugen berichteten. Die Straße führt durch einen Universitätscampus in der Hauptstadt Ankara. Für den Bau mussten zahlreiche Bäume gefällt werden.

as/pg/sc (dpa, afp, rtre)