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Alltagsdeutsch

Konjunktiv

"Wenn ich ein Vöglein wär', flög' ich..." - das würde heute wohl kaum jemand mehr sagen, genauso wenig wie die Worte "büke" oder "hülfe". Stattdessen wird die Umschreibung mit "würde" immer gebräuchlicher.

Wenn ich König Heinrich IV. von Frankreich gewesen wäre, wäre ich 1610 ermordet worden.

Musik:

Rio Reiser: König von Deutschland

Das alles und noch viel mehr

Würd' ich machen

Wenn ich König von Deutschland wär'

Ich würd' die Krone täglich wechseln, würde zweimal baden

Würd' die Lottozahlen eine Woche vorher sagen

Bei der Bundeswehr gäb' es nur noch Hitparaden

Ich würd' jeden Tag im Jahr Geburtstag haben

Sprecher:

Was würde ich denn machen, wenn ich König von Deutschland wär‘?

Sprecherin:

Wenn ich Königin von Deutschland wär‘, würde ich erst mal in Urlaub fahren, auf eine einsame, friedliche Insel. Da würde ich täglich in der Sonne baden. Ich könnte essen, so viel ich wollte und würde schlank bleiben. Und auf den Bäumen würden ständig neue Schuhe und elegante Sommerkleider wachsen.

Sprecher:

Also ich würde erst mal die Wirtschaft ankurbeln und dann würde ich natürlich Arbeitsplätze schaffen.

Sprecher:

Der Konjunktiv macht’s möglich!

Sprecherin:

Wenn ich die deutsche Sprache lernen müsste, würde ich verzweifeln. Hätte, würde, wäre, sei. Er käme, er wäre gekommen, er sei gekommen. Ich wüsste wirklich nicht, wie ich das Rätsel Konjunktiv verstehen könnte. Wenn ich Königin der Sprachen wäre, würde ich dieses Konjunktiv-Chaos abschaffen!

Sprecher:

Das ist zum Glück unmöglich und außerdem wäre es dumm. Der Konjunktiv offenbart nämlich den Reichtum und die Raffinesse unserer sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Seien wir froh, dass wir ihn haben! Konjunktiv I und II gehören zur "Dreieinigkeit" der Möglichkeiten des deutschen Verbs etwas aussagen. Konjunktiv: die Möglichkeitsform. Indikativ: die Wirklichkeitsform. Imperativ: die Aufforderungsform. Der Konjunktiv ist der Modus der Phantasie, der Vorstellungen, der Bitten oder der Wünsche. "Ach, wäre ich doch König von Deutschland!" Mit dem Konjunktiv drücken wir aber auch aus, dass wir etwas für unwahrscheinlich oder unmöglich halten.

Sprecherin:

Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär', wär' mein Vater Millionär. Und wenn meine Oma Räder hätte, wäre sie ein Omnibus.

Sprecher:

Hätte, hätte. Die Oma hat aber nun mal keine Räder. Folglich ist sie auch kein Omnibus. Diese Redensarten benutzen wir, um zu verdeutlichen, dass die genannte Bedingung nicht zutrifft und irreale Möglichkeiten nicht zählen. Meist geht der Konjunktiv, und wir sprechen hier vom Konjunktiv II, mit einem nicht stattgefundenen Geschehen einher. "Wenn du das Backpulver nicht vergessen hättest, wäre der Kuchen gut gelungen!" Im Plusquamperfekt lässt sich das Geschehene leider auch nicht mehr verändern. Backpulver vergessen zu haben, bedeutet: Da kann man nichts mehr machen. So wird der potenziell gelungene Kuchen zum irrealen, in der Wirklichkeit nicht existierenden Backwerk.

Sprecher:

Wenn der Konjunktiv jedoch in der einfachen Vergangenheit steht, bezieht er sich auf ein mögliches Geschehen in der Gegenwart oder der Zukunft. "Peter käme, wenn du den leckeren Kuchen backen würdest." Ob du den Kuchen aber wirklich backst, und ob Peter dann auch kommt? Was zu einem späteren Zeitpunkt durchaus eine Tatsache werden kann, befindet sich zur Zeit der Äußerung noch im Reich der Möglichkeiten. Wenn wir den Konjunktiv II gebrauchen, verdeutlichen wir also, dass wir einen anderen Zeit- und Wirklichkeitsbezug haben als in der Wirklichkeitsform, mit der wir Tatsachen ausdrücken. Mit dem Konjunktiv Potentialis beziehen wir uns auf Möglichkeiten, mit dem Konjunktiv Irrealis auf Unwirkliches oder Unerfüllbares.

Sprecherin:

Man nehme: 250 Gramm Butter, 250 Gramm Zucker, ein Päckchen Vanillezucker und rühre die Zutaten schaumig. Dann gebe man fünf Eier hinzu, eine Messerspitze Salz und mische 1/8 Liter Milch darunter, gebe ein Päckchen Backpulver und 375 Gramm Mehl dazu und rühre es unter. Nun fette man eine Kuchenform ein, gebe 2/3 des Teigs hinein und vermische den Rest mit drei Esslöffeln Kakao. Nun mische man den dunklen Teig mit dem hellen und lasse den Kuchen bei 190 Grad Umluft eine Stunde backen.

Sprecher:

Auf dass der Kuchen gelinge! Den Konjunktiv I gebrauchen wir als Ausdruck eines Wunsches oder einer Aufforderung. Man nennt ihn auch den heischenden Konjunktiv, nach dem mittelhochdeutschen Wort "heischen": "fragen", "fordern". Häufig findet er sich in mathematischen Fachtexten, aber auch in Rezepten.

Sprecherin:

In Redewendungen und in Bitten: "Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte!" – Friedrich Schiller.

Sprecher:

Und wie in diesem häufig verwendeten Zitat, können das durchaus erfüllbare Wünsche sein.

Sprecherin:

"Gott sei Dank!" Endlich mal was Reales.

Sprecher:

"Gott sei Dank!" Ein Ausruf der Erleichterung. Verwünschungen wie "Er möge sich zum Teufel scheren!", aber auch gute Wünsche wie "Er lebe hoch"! kleiden wir ebenfalls oft in den Konjunktiv I. Aufforderungen wie: "Seien wir doch vernünftig!" ebenso.

Sprecherin:

"Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" – Goethe!

Sprecher:

Tja, das wäre schön. Das häufigste Anwendungsgebiet des Konjunktiv I ist allerdings die wiedergegebene Rede. Wir benutzen ihn in der Regel vor allem zur unpersönlichen Wiedergabe eines Berichts. In den Nachrichten, im Radio, in der Zeitung.

Sprecherin:

"Für die Regierung findet Außenminister Joschka Fischer die entscheidenden Worte. Er spricht von einem traurigen Tag. Krieg sei die schlechteste aller Lösungen. Fischer wiederholt, es habe die Chance zu einer friedlichen Entwaffnung von Saddam Hussein bestanden."

Sprecher:

Hier gibt der Autor des "Kölner Stadtanzeigers" die Äußerung des Ex-Außenministers wieder und enthält sich jeglicher Stellungnahme zum Bericht.

Sprecherin:

Der Außenminister spricht von einem traurigen Tag. Krieg wäre die schlechteste aller Lösungen. Fischer wiederholt, es hätte die Chance zu einer friedlichen Entwaffnung von Saddam Hussein bestanden.

Sprecher:

Doch der Autor kann auch den Konjunktiv II in seinem Bericht wählen. So distanziert er sich von der Aussage des Ex-Außenministers und gibt zu verstehen, dass er den Inhalt des Gesagten für unwahrscheinlich oder unmöglich hält. Zumindest deutet er durch die Wahl des Konjunktivs II einen Zweifel an der Wahrheit, eine Irrealität, an und kann so eine ablehnende Stellungnahme zu seinem Bericht ausdrücken.

Sprecherin:

Das wäre für den Autor eine Möglichkeit, seine Meinung zu offenbaren, ohne direkt zu kritisieren.

Sprecher:

Könnte man so sagen. Der Konjunktiv II wird oft benutzt, um Einstellungen und Haltungen auszudrücken. Zum Beispiel in höflichen Fragen:

Sprecherin:
Wären Sie so freundlich, mir mal den Konjunktiv zu erklären?

Sprecher:

Das klingt doch viel angenehmer, als die direkte Aufforderung: "Erklären Sie mir das mal!"

Sprecherin:

Das wäre viel zu schroff!

Sprecher:

Genau. Damit man seinen Gesprächspartner nicht vor den Kopf stößt, wählt man häufig den Konjunktiv II. "Ich würde Ihnen empfehlen, dieses Buch zu lesen" oder "Wir würden uns freuen, wenn Sie das Geld bis zum Ersten des Monats überwiesen." Wendungen wie "Ich würde meinen" oder "Ich hätte Sie gern mal gesprochen" gebrauchen wir schon fast formelhaft.

Sprecherin:

Das dürfte bekannt sein.

Sprecher:

Manche Verben, wie das Modalverb "dürfen" erhalten im Konjunktiv sogar eine zusätzliche Bedeutung. Im Indikativ, in der Wirklichkeitsform, beinhaltet "dürfen" eine Erlaubnis, steht es jedoch im Konjunktiv, heißt es: damit ist zu rechnen. Überhaupt, setzt man "wollen", "können", "müssen" in den Konjunktiv, dann vermeidet man eine eindeutige Festlegung seiner Aussage.

Sprecherin:

Da könnte was dran sein.

Sprecher:

So, und jetzt hätten wir es auch bald geschafft! Wir kommen nämlich langsam zum Ende. Eine Tatsache oder ein Ergebnis, das nur mühsam erreicht wurde, drücken wir übrigens auch häufig im Konjunktiv aus. "Da wären wir endlich!"

Sprecherin:

Jetzt tust du aber so, als ob der Konjunktiv eine furchtbar mühsame Angelegenheit wäre!

Sprecher:

Na hör‘ mal, du wolltest doch den Konjunktiv abschaffen! Wahrscheinlich könntest du ihn ganz leicht verstehen, wenn wir wären wie die Kinder. Die benutzen nämlich im Spiel den Konjunktiv ohne "wenn" und "aber". Trotzdem ist die Phantasie, das Vorgestellte, für sie real. Eine wunderbare Möglichkeit, seine Wünsche und Träume wahr werden zu lassen.

Sprecherin:

Genau. Ich wäre jetzt die Königin von Deutschland und du wärst mein treuer Diener.

Fragen zum Text:

Die Aufforderungsform nennt man…?

1. Konjunktiv

2. Indikativ

3. Imperativ

Der Konjunktiv als Ausdruck eines Wunsches heißt auch…?

1. Konjunktiv Irrealis

2. heischender Konjunktiv

3. Konjunktiv Potentialis

Von wem stammt das Zitat Edel sei der Mensch, hilfreich und gut?

1. Johann Wolfgang von Goethe

2. Friedrich Schiller

3. Heinrich Heine

Arbeitsauftrag:

Was würden Sie machen, wenn Sie König oder Königin Ihres Landes wären? Schreiben Sie hierzu einen Text im Konjunktiv.

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