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Assads Taktik wird auch in Jarmuk aufgehen

Sabine Rossi12. April 2015

Assad hat im syrischen Bürgerkrieg von Anfang an auf den Terrorismus gesetzt. Dieses Kalkül wird auch in Jarmuk aufgehen, meint Sabine Rossi. So kann er sich der Welt als Alternative zu den Terroristen präsentieren.

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Flüchtlingslager Jarmuk in Syrien (Foto: picture alliance/AP)
Bild: picture-alliance/AP

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das Flüchtlingslager Jarmuk als das "schwärzeste Loch der Hölle" bezeichnet. Das Stadtviertel im Süden von Damaskus gleiche einem "Todeslager". Doch das gilt nicht erst seit die Extremisten des selbsternannten "Islamischen Staats" (IS) vor gut einer Woche erstmals nach Jarmuk eingedrungen sind. Seitdem ist das "schwärzeste Loch der Hölle" nur noch etwas schwärzer geworden.

Der Appell von Ban Ki Moon wirkt hilflos, und er hinterlässt einen faden Beigeschmack. Er wird verhallen - ungehört, wie all die Appelle der vergangenen Jahre. Denn Syriens Machthaber Baschar al-Assad ist nicht bereit, einzulenken. Er nimmt es hin, dass die Hälfte seiner Bürger auf der Flucht ist. Er ist bereit, die Menschen in Syrien für seine Macht zu opfern. Die Mehrzahl der Toten geht auf das Konto seiner Soldaten sowie der Milizen und Söldner, die er entsendet oder auf seine Verbündeten Iran und auf die libanesische Hisbollah.

Die meisten Toten durch syrische Armee getötet

Menschenrechtler schätzen, dass 95 Prozent der Toten in Syrien durch Bomben des Regimes getötet wurden und nicht durch das Schwert der Islamisten. Bilder aus Aleppo, wo die syrische Armee regelmäßig ganze Viertel aus der Luft beschießt, schaffen es nur nicht mehr in unsere Wahrnehmung. Journalisten oder internationale Beobachter, die Aufnahmen machen könnten, kommen nur selten an solche Orte. Und während der IS seine Enthauptungsvideos im Internet verbreitet, hat Assad seine Medienabteilung angehalten, Normalität zu propagieren. Erst am Donnerstag zeigte die syrische Nachrichtenagentur SANA Bilder einer französischen Reisegruppe, die zurzeit in Syrien Urlaub macht.

Sabine Rossi, ARD-Korrespondentin in Kairo (Foto: WDR/Sachs)
Sabine Rossi, ARD-Korrespondentin in KairoBild: WDR/Sachs

Der internationale Aufschrei angesichts von Assads Morden bleibt also aus. Traurig und beschämend ist es, dass die internationale Gemeinschaft jede Möglichkeit verpasst hat, dem Leiden der Menschen in Syrien ein Ende zu bereiten. Hilflos stehe ich Syrern gegenüber, wenn sie mich fragen: Warum habt ihr uns allein gelassen?

Die Terror-Miliz IS gezielt nicht gestoppt

Assad hat von Anfang an auf die Terrorismus-Karte gesetzt: Er hat das Gespenst gemalt, lange bevor es Wirklichkeit wurde. Seit seinem Amtsantritt warnt er vor der Gefahr von Terroristen in Syrien. Als die Proteste gegen ihn 2011 begannen, hat er diese Gefahr zum Vorwand genommen, um gegen Demonstranten vorzugehen. Gruppen wie den IS hat er gezielt groß werden lassen. Sein Kalkül: Sie erledigen die Arbeit für ihn und schwächen andere, moderatere Gegner. Bislang ist diese Taktik aufgegangen. Auch in Jarmuk wird sie aufgehen. Jetzt kann sich Assad der Welt als Alternative zu den Terroristen präsentieren, als kleineres Übel.

Und ich schaue betreten zu Boden, wenn ich in die fragenden Augen der Syrer blicke: Warum habt ihr uns allein gelassen?

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