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Abschuss mit russischen Raketen?

20. Juli 2014

US-Außenminister Kerry zufolge sollen die Rebellen in der Ostukraine Luftabwehrsysteme von Russland bekommen haben. Wurde damit Flug MH 17 abgeschossen? Die Separatisten melden, sie hätten den Flugschreiber gefunden.

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Mitglieder des ukrainischen Notfallministeriums an der Absturzstelle von Flug MH 17 (Foto: rtr)
Bild: Reuters

Bei mehreren Fernseh-Auftritten sagte der US-Außenminister, die USA hätten Informationen darüber, dass die Rebellen schwere Waffen und auch Luftabwehrsysteme von Russland bekommen hätten. Russland müsse daher auch die Verantwortung für den Zwischenfall mit dem malaysischen Flugzeug übernehmen. Und John Kerry wurde noch deutlicher: "Die Beweise zeigten klar auf die Separatisten", sagte er in einem CNN-Interview.

Damit unterstützt Kerry die Sichtweise der ukrainischen Regierung in Kiew. Diese hatte zuvor mitgeteilt, sie habe unumstößliche Beweise dafür, dass russische Flugabwehrraketen des Typs BUK nicht nur von Russland aus in die Ukraine gebracht worden sondern auch von Russen bedient worden seien. Inzwischen seien die mobilen Waffensysteme wieder nach Russland zurückgebracht worden.

Auch das "Wall Street Journal" berichtete unter Berufung auf US-Geheimdienste, Russland habe wahrscheinlich die Separatisten erst kürzlich mit modernen Luftabwehr-Raketen beliefert.

Schärfere EU-Sanktionen in Planung

Der Absturz des Passagierflugzeugs mit 298 Toten im Osten der Ukraine wird vermutlich auch das EU-Außenministertreffen am Dienstag bestimmen. Frankreich und Großbritannien drohten Russland, sich dort für eine Verschärfung der EU-Sanktionen einzusetzen, sollte Präsident Wladimir Putin nicht umgehend Druck auf die prorussischen Separatisten ausüben, damit diese internationalen Ermittlern ungehinderten Zugang zur Absturzstelle gewähren. Paris und London zufolge will sich möglicherweise auch Deutschland für eine Sanktionsverschärfung stark machen.

Der russische Präsident hatte die Separatisten zwar bereits aufgefordert, mit den internationalen Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten, zugleich aber gemahnt, es sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden.

Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat

Über Konsequenzen aus dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing 777 der Malaysia Airlines über dem Osten der Ukraine berät auch der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York. Er erwägt eine Resolution, um den Vorfall in der zu verurteilen. In einem ersten Entwurf wird gefordert, "dass jene, die für den Zwischenfall verantwortlich sind, zur Rechenschaft gezogen werden". Außerdem sollen die Separatisten aufgefordert werden, den Zugang zur Absturzstelle zu ermöglichen. An die Staaten der Region - darunter auch Russland - soll die Aufforderung ergehen, bei der internationalen Untersuchung zu kooperieren. Laut Diplomaten könnte der Sicherheitsrat bereits am Montag über die Resolution abstimmen.

Rebellen melden Flugschreiber-Fund

Die Aufständischen haben nach eigenen Angaben den Flugschreiber gefunden. Ihr Anführer, Alexander Borodaj, sagte, einige Gegenstände des Flugzeugs, darunter etwas, das einer Black Box ähnelt, seien in ihrer Hand. "Die Flugschreiber sind in Donezk, und wir übergeben sie nur internationalen Organisationen. Die ukrainische Regierung wird die Daten sonst fälschen", so Borodaj.

Die Führung in Kiew wirft dagegen den militanten Separatisten vor, an der Absturzstelle Beweise zu vernichten. Die Ursache des Flugzeugabsturzes soll eine internationale Untersuchung aufklären.

Opfer von der Absturzstelle weggebracht

Bislang erschweren die Separatisten die Ermittlungen an der Absturzstelle bei Donezk. Schwer bewaffnete und teils maskierte Männer behinderten immer wieder die Arbeit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw sagte dem US-Sender CNN, zudem gebe es keine Absperrung um den Unglücksort. "Jeder kann da rein und womöglich mit Beweisstücken herumhantieren", so der Sprecher.

Bociurkiw zufolge brachten Aufständische die sterblichen Überreste von vielen Opfern in die ostukrainische Stadt Tores. Drei Kühlwaggons stünden inzwischen auf dem örtlichen Bahnhof. Die Separatisten sagten, der Abtransport der Leichen sei angesichts der hohen Temperaturen notwendig gewesen. Die Waggons sollten bis zum Eintreffen internationaler Experten in Tores bleiben.

cw/qu (dpa, afp, rtr)