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Kenia

Kenia: Ungleich verteilte Bildungschancen

In Kenia können alle Kinder acht Jahre lang kostenlos die Schule besuchen. Für das Studium gibt es Stipendien. Doch nur wer Geld hat, kann dafür sorgen, dass seine Kinder gute Noten bekommen.

GMF-Programmprojekt Bildung für alle: Bildungssituation in Kenia.
Copyright: DW/Georg Verweyen
April, 2012

GMF-Programmprojekt Bildung für alle: Bildungssituation in Kenia

Kinder und Jugendliche bilden zusammen fast die Hälfte aller Kenianer. Die Menschen in Kenia sind sehr jung, Frauen bekommen im Durchschnitt vier Kinder. Viele dieser Kinder brechen die "kostenlose" öffentliche Primarschule vor der achten Klasse ab, denn in der Schule braucht man Schuluniformen und Schuhe, Bücher, Stifte und Hefte - das ist für viele Familien zu teuer. Die öffentlichen Schulen sind überfüllt, ein schlecht bezahlter Lehrer unterrichtet vierzig Kinder oder mehr. Es gibt nicht genügend Bänke für alle Schüler. Bücher oder Karten fehlen, der Boden besteht manchmal aus gestampftem Lehm.

Private Schulen dagegen sind teuer, aber viel besser ausgestattet. Die Lehrer werden besser bezahlt und sind besser ausgebildet. Bei einer zentralen staatlichen Prüfung nach acht Jahren Schule wird entschieden, wer die Sekundarschule besuchen darf. Schüler von privaten Schulen erreichen viel bessere Noten und haben damit den besseren Start an den Sekundarschulen.

Schulkinder in Kenia
(Foto: DW/Jan-Philipp Scholz)

Viele Schüler brechen die Primarschule ab, weil ihre Eltern sich den Schulbesuch nicht leisten können

Frühe Auswahl der Schüler

Öffentliche Sekundarschulen kosten die Schüler täglich ungefähr einen Euro. Das ist für viele Kenianer unbezahlbar, da ein Fünftel der Menschen weniger als diesen einen Euro pro Tag zum Leben hat. Teure Sekundarschulen in privater Hand kann sich erst recht nur eine wohlhabende Minderheit leisten. Die Sekundarschule führt zur Hochschulreife. Vor Beginn der neunten Klasse entscheidet sich also, ob ein Kind später studieren wird oder nicht: Ohne Sekundarschule ist die Bildungskarriere nach acht Jahren zu Ende.

Doch selbst wer eine öffentliche Sekundarschule besucht, hat nur geringe Chancen, später zu studieren. Schließlich kostet auch das Studium Geld. Staatlich unterstützt werden nur Schüler mit sehr guten Noten. In den teuren privaten Sekundarschulen erreicht die Mehrzahl der Schüler sehr gute Noten und kann damit auch auf die staatliche Unterstützung im Studium bauen. Reiche Eltern können ihre Kinder allerdings auch mit schlechteren Noten studieren lassen, wenn sie die Studiengebühren komplett selbst finanzieren. Das Studium kostet jedes Jahr so viel wie ein Lehrer in fünf Monaten verdient.

Bildungshunger und Wachstum der Hochschulen

Die Menschen in Kenia legen großen Wert auf Bildung. Viele Eltern sind bereit, sich zu verschulden oder Land zu verkaufen, damit ihr Kind eine gute Ausbildung erhält. Universitäten und andere Bildungseinrichtungen bedienen den Hunger nach Bildungsabschlüssen und Zeugnissen, indem sie viele verschiedene kürzere Ausbildungsgänge auf unterschiedlichem Niveau anbieten. Leider entspricht die Qualität der Ausbildung oft nicht dem internationalen Standard.

An den öffentlichen Universitäten hat sich die Zahl der Studenten in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Um auch in Zukunft genügend qualifizierte Hochschullehrer pro Student zu haben, müssten in Kenia mindestens tausend Dozenten jedes Jahr einen Doktorgrad erwerben. In den letzten Jahren hat Kenia jedoch nicht mehr als 230 Studierende zur Promotion gebracht, davon hat allein der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) 50 gefördert. Das größte Problem ist die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses: Die meisten Studenten sind nicht gut genug vorbereitet, um eine Doktorarbeit zu schreiben.

In einem Land, das sich mit großen Schritten entwickelt, werden die Universitäten vom eigenen Wachstum überholt.

Studentinnen der Kenyatta University in Nariobi mit ihrem Dozenten (Foto: DW/Georg Verweyen)

Sie haben's geschafft: Studentinnen der Kenyatta University in Nairobi

Frauen haben schlechtere Chancen

Besonders schwierig ist die Lage für junge Frauen. Familien investieren weniger in die Ausbildung von Mädchen. Obwohl die Zugangsnote für Studentinnen etwas niedriger festgesetzt wurde als für Studenten, besuchen weniger Mädchen die Universität. Frauen machen nur 40 Prozent der geförderten Studenten aus.

Seit Jahren finanzieren immer mehr Familien aus eigener Tasche die Studiengebühren ihrer Kinder. Diese Entwicklung verstärkt nicht nur die Auswahl nach dem Vermögen der Eltern, sondern benachteiligt auch junge Frauen. Traditionell wird von Frauen erwartet, dass sie heiraten, Kinder bekommen und sich um die Familie kümmern.

Wenn junge Frauen an die Universität gehen, dann wählen sie oft sozial- oder geisteswissenschaftliche Fächer, die wenig Sozialprestige und Einkommen bringen. An der Universität sind akademische Vorbilder, Dozentinnen, Professorinnen, weibliche Dekane und Rektorinnen sehr selten, sodass die Studentinnen nicht motiviert sind, nach dem Bachelor noch einen Master- oder gar Doktorgrad anzustreben. Auf diese Weise wird das bestehende Ungleichgewicht weiter verstärkt.

Positive Ausnahmen machen Mut

Es gibt auch Studentinnen und Studenten, deren Geschichte Mut macht. Ein junger Mann aus Nyeri hatte nach der achten Klasse die besten Noten in der ganzen Stadt. Eine sehr gute Sekundarschule in Nairobi hat ihm ein Stipendium für Schulgebühren und Unterkunft im Internat gegeben, sodass er heute mit staatlicher Unterstützung Wirtschaftswissenschaften und Deutsch studieren kann. Das bekannteste Beispiel für eine sehr erfolgreiche kenianische Schülerin ist Auma Obama, die große Schwester von Barack Obama: Sie hat nach einem sehr guten Schulabschluss mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland studiert, promoviert und arbeitet heute für CARE-International.

Georg Verweyen ist DAAD-Lektor und lebt mit seiner Familie seit drei Jahren in Kenia. Er unterrichtet an der Kenyatta University Germanistik und berät Studenten im DAAD-Büro.

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