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Geschichte

Keine Gegenwart ohne Vergangenheit

Recherchen rund um den Globus, eindrucksvolle Protagonisten, ein Panorama deutsch-jüdischer Kultur in aller Welt: Die Deutsche Welle dokumentiert Geschichte und Gegenwart, multimedial.

Jüdisches Leben und jüdische Kultur gehören wieder zu Deutschland. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland wuchs nach 1989 schneller als irgendwo sonst in Europa. Mehr als 100 Gemeinden, mehr als 100.000 praktizierende Mitglieder. Ja, es gibt wieder jüdische Normalität in unserem Land! Sie ist für Deutschland wichtig – und doch keine Selbstverständlichkeit.

Denn nach 1933 marginalisierte, beschimpfte, vertrieb und zerstörte unser Land jüdische Kultur und jüdisches Leben. Millionen von Menschen fielen dem nationalsozialistischen Rassenwahn zum Opfer. 400.000 Juden verließen Deutschland auf der Flucht vor dem braunen Terror und seiner Vernichtungsmaschinerie. Durch den Nationalsozialismus verlor die deutsche Gesellschaft Literaten, Künstler, Regisseure, Philosophen und herausragende Forscher. Die meisten kehrten nicht zurück. Frauen wie Männer: das Physik-Genie Albert Einstein, der Maler Max Beckmann, Starautoren wie Kurt Tucholsky oder die spätere Nobelpreisträgerin Nelly Sachs, Denker wie Hannah Arendt und Theodor Adorno. Und auch der spätere amerikanische Außenminister Henry Alfred Kissinger kam ursprünglich aus Deutschland. Sie nahmen ihre Erfahrungen, ihre liebgewonnen deutschen Gewohnheiten, ihre Bräuche und Vorlieben in die neue Heimat mit. Die einen mehr, die anderen weniger.

Anspruchsvolle Recherchen

So wie die Protagonisten und Protagonistinnen des großen Multimedia-Projekts „Spurensuche“ der Deutschen Welle. DW-Reporter sind an zehn Schauplätze rund um den Globus gereist und dort den Spuren deutsch-jüdischer Einwanderer nachgegangen. Wann kamen sie? Warum? Was haben sie mitgebracht? Wie haben die Zuwanderer die Kultur der neuen Heimatländer beeinflusst? Und: Wie sieht (ihr) jüdisches Leben heute aus?

Noch sind die Zeitzeugen dieser Flucht und Vertreibung zu hören, zu sehen. Auch deshalb war es uns ein journalistisches Anliegen, sie ins Bild zu rücken, zu befragen und ihre Geschichten zu dokumentieren. Wir haben Studierende getroffen und hoch betagte Zeitzeugen. Sie sind nicht nur Flüchtlinge des Holocaust, sondern auch Juden, deren Familien schon früher Europa den Rücken kehrten. Denn die politische und rassistische Verfolgung von Juden hat ihre Wurzeln lange vor 1933.

Unter den Porträtierten finden sich Historiker, Museumsexperten, Künstler, eine Köchin, Rabbiner, Geschäftsleute, Dichterinnen, Musiker, Archivare – und das alles quer durch drei Generationen. Entstanden ist eine Porträtreihe starker, engagierter und beeindruckender Persönlichkeiten. Viele, die in der neuen Heimat ihre jüdische Kultur stärken, die jüdische Kultureinrichtungen mit gegründet haben. Mit ihnen haben wir die früheren Wohnviertel der deutschstämmigen Juden besucht, sind durch Museen gestreift, waren zu Gast bei einem großen Familientreffen, bei einem Literaturfestival, in Wohnzimmern, beim Jiddischkurs und in Zeitungsredaktionen. Auf Spurensuche auch in ehemaligen Ghettos und in Gedenkstätten, die an die NS-Verbrechen erinnern. Und diese Lebensgeschichten verknüpfen sich zu einem bunten Patchwork deutsch-jüdischer Kultur in aller Welt. Die „Spurensuche“ der DW macht deutlich: Unsere deutsche Gegenwart, unsere deutsche Gesellschaft ist ohne diese Vergangenheit nicht zu verstehen.

Verantwortung der Deutschen Welle

Ute Schaeffer, Chefredakteurin der Multimediadirektion Regionen, Deutsche Welle (Foto: DW/Per Henriksen)

Chefredakteurin Ute Schaeffer

Das entspricht dem Auftrag und dem journalistischen Selbstverständnis der DW: wir wollen Deutschland als modernes und offenes Land zeigen, aber auch als Gesellschaft, die um ihre kulturellen und historischen Wurzeln weiß und deren Wert kennt. Die sich zugleich der besonderen Verantwortung gegenüber dem Judentum bewusst ist – und sich mehrheitlich gegen Übergriffe und Anfeindungen stellt, wie sie in der jüngeren Vergangenheit immer wieder passieren. Mit Unterstützung des Moses-Mendelssohn-Zentrums und unterstützt durch das Auswärtige Amt ist es der DW gelungen, diesen besonderen Aspekt in aufwendigen Recherchen zu dokumentieren. Eine kleine Kulturgeschichte mit eindrucksvollen Protagonisten. Ich hoffe, Sie sind neugierig geworden. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Meinung, Ihre Kommentare zu unseren Spurensuchen schicken: spurensuche (at) dw.de.

Ute Schaeffer, Chefredakteurin