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Afghanistan

Karsai will in USA Zeichen setzen

2014 zieht die Internationale Schutztruppe aus Afghanistan ab. Im Vorfeld versucht Präsident Karsai, seine Position zu stärken. Er setzt auf die USA und eine Annäherung an die Taliban.

Afghanischer Präsident Hamid Karsai mit erhobenem Zeigefinger (Foto: picture-alliance/dpa)

Hamid Karsai

Der afghanische Präsident Hamid Karsai wird in dieser Woche gleich mehrere Tage in den USA verbringen. Mit seinem amerikanischen Amtskollegen Barack Obama spricht Karsai über die Truppenstärke der amerikanischen Soldaten nach 2014 und über die kommenden Präsidentschaftswahlen in Afghanistan. Beide Themen sind für die Zukunft des Landes von entscheidender Bedeutung. Die Truppenstärke ist zentral für die Sicherheit des Landes, und die Wahlen werden zeigen, welchen Weg das konfliktgeprägte Land geht.

Weitere Themen sind die Wirtschaftslage, die Beziehungen zu den Nachbarländern Afghanistans, allen voran Pakistan, und eine mögliche bilaterale Sicherheitsvereinbarung.

Nach dem Truppenabzug 2014

US-Militärfahrzeuge auf Patrouillenfahrt im afghanischen Herat (Foto: picture alliance/dpa)

Die USA sind in Afghanistan militärisch stark präsent

Experten gehen davon aus, dass US- und NATO-Truppen in einer Größenordnung von 30.000 Mann in Afghanistan stationiert bleiben. Viele Afghanen sorgen sich trotzdem, dass der Süden und Osten des Landes, der an Pakistan grenzt, wieder in die Hände von Aufständischen fallen werden, sobald der Großteil der ausländischen Sicherheitskräfte abgezogen ist.

Die afghanische Regierung fordert deswegen eine umfassende Aufrüstung von Armee und Polizei. Aimal Faisi, der Sprecher des afghanischen Präsidenten, sagt: "Einer der wichtigsten Punkte bei den Gesprächen zwischen Präsident Karsai und Präsident Obama wird die Aufrüstung der afghanischen Sicherheitskräfte sein. Wir haben bereits deutlich gemacht, dass die USA unser Militär entsprechend unseren Interessen und Bedürfnissen ausrüsten und ausbilden sollen.“

Eine Luftwaffe für Afghanistan

Faisi meint weiter, dass es Präsident Karsai insbesondere um eine neue Ausrüstung der bisher nur schlecht ausgestatteten afghanischen Luftwaffe gehe. Die USA haben bei der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte vor allem in die Infanterie mit leichter Bewaffnung investiert.

An das Nachbarland Pakistan haben die USA in den vergangenen zehn Jahren 18 Kampfflugzeuge geliefert. Afghanistan möchte nachziehen, sagt der Südasien-Experte Conrad Schetter. Er glaube jedoch nicht, dass dies geschehen werde: "Aufgrund des Konkurrenzverhältnisses zwischen Afghanistan und Pakistan würde eine US-Lieferung an die Luftwaffe der Afghanen zu einer Eskalation des Konflikts zwischen beiden Ländern führen und mit Sicherheit eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Pakistan zur Folge haben. Das kann in Washington niemand befürworten."

Zeichen an Pakistan und die Taliban

Pakistanische Taliban-Kämpfer sitzen vor einem Ausbilder auf dem Boden (Foto: AP)

Pakistanische Taliban bewachen ihr Territorium im Grenzgebiet zu Afghanistan

Die Reise soll ein Zeichen setzen, das zugleich an Pakistan und die aufständischen Taliban gerichtet ist. Die erneute Beteuerung der Nähe zwischen den USA und Afghanistan setzt Pakistan unter Druck. "Das heißt für Pakistan, dass es ebenfalls versuchen muss, in das Bündnis einzutreten, um nicht isoliert zu werden", betont Schetter.

Karsais Signal an die Taliban ist: Wenn es zu Friedensverhandlungen kommen sollte, dann könnten diese nicht nur mit den USA, sondern nur unter Einbeziehung der afghanischen Regierung geführt werden, da er die Rückendeckung der USA hat, wie seine Reise beweist.

Kein Frieden ohne Taliban

Die USA, Afghanistan und Pakistan sind sich einig, so die afghanische Regierung, dass der Konflikt in Afghanistan nicht mit Krieg zu lösen ist. Darüber hinaus glauben vor allem viele afghanische Experten, dass ein Frieden ohne die gesprächsbereiten Taliban nicht möglich ist. Der afghanische Außenminister Zalmay Rassoul sicherte diesen kürzlich auf einer Pressekonferenz zu: "Sollten die Taliban am Friedensprozess teilnehmen und Fortschritte erzielt werden, können sie als politische Partei an den kommenden Wahlen teilnehmen."

Auch Abdul Hamid Azer, Gemeindevorsteher einer Gemeinde in der Provinz Kabul, unterstützt diese Herangehensweise: "Es ist eine gute Nachricht, dass die Taliban auf diplomatischem Parkett aktive Kontakte mit der Welt haben. Sie sind auch Afghanen, und man kann nicht sagen, dass sie nicht ebenfalls unter den Kriegszuständen leiden.“

Ob die Strategie von Verhandlungen mit den gesprächsbereiten Taliban aufgeht, wird sich vermutlich erst nach den Präsidentschaftswahlen 2014 zeigen. Die USA sind auf den Abzug ihrer 65.000 Mann starken Truppen bereits eingestellt. Sie unterstützen Friedensgespräche mit den Taliban, um ein Ende des Konflikts und damit ein Ende des militärischen Einsatzes in Afghanistan herbeizuführen. Trotz aller Schritte auf die Taliban zu, zeigt die Reise Karsais, dass sich die afghanische Regierung in erster Linie auf die USA als Schutzmacht verlässt.

DW.DE