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Kamoun: Die Fortschritte bei der Sicherheit sind enorm

Tiassou Kossivi11. August 2014

Mahamat Kamoun ist als erster Muslim zum Regierungschef der Zentralafrikanischen Republik ernannt worden. Im DW-Interview erzählt er, wie er das konfessionell gespaltene Land versöhnen will.

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Zentralafrikanische Republik
Bild: Getty Images/AFP/Pacome Pabandji

DW: Herr Premierminister, was sind Ihre Prioritäten als neuer Regierungschef der zentralafrikanischen Republik?

Mahamat Kamoun: Es gibt einen Fahrplan, der ist mit der Wirtschaftsgemeinschaft der zentralafrikanischen Staaten und der internationalen Gemeinschaft abgestimmt. Die erste Priorität ist, diesen Fahrplan in Gang zu setzten. Darin gibt es dann vier wichtige Punkte: erstens die Wiederherstellung der Sicherheit, zweitens humanitäre Hilfe für die Flüchtlinge im In- und Ausland, drittens die Wiederherstellung der Verwaltung und die Ankurbelung der Wirtschaft. Schließlich gilt es, die kommende Präsidentschaftswahl zu organisieren. Wir werden also fortsetzen, was die jetzige Regierung angefangen hat.

DW: Ihre Prioritäten sind die gleichen wie die der vorherigen Regierung. Wieso glauben sie, dass Sie Erfolg haben werden, wo die alte Regierung gescheitert ist, besonders bei der Sicherheitslage?

Sie wissen, dass unser Land geteilt ist. Die Vereinbarung zur Einstellung der Kampfhandlungen, die im Juli in Brazzaville unterschrieben wurde, war der erste Schritt für die nationale Versöhnung. In den kommenden Tagen und Wochen werden wir nun die nächsten Phasen der Versöhnung angehen in Abstimmung mit allen Akteuren an der Basis im ganzen Land. Das alles, bevor wir ein Forum der Versöhnung hier in Bangui organisieren. Zunächst war das Wichtigste, dass die Friedensvereinbarung in Brazzaville unterschrieben wurde. Bei der Umsetzung wird es immer wieder Leute geben, die das eine oder andere ablehnen. Aber wir müssen uns unseren Elan aus den Friedensverhandlungen erhalten.

DW: Ist die Tatsache, dass Sie ein Muslim sind, ein Vorteil für Sie und Ihre Aufgabe?

Ich möchte mich zu dieser Frage nicht äußern, da die Konfession keine Rolle bei meiner Nominierung gespielt hat. Ich glaube, man braucht heute eine Person, die einigend wirkt - einen Menschen, der alle Zentralafrikaner zusammenbringen, allen die Hand ausstrecken und mit allen im Einvernehmen arbeiten kann. Wir wissen, dass es noch Spaltungen im Land gibt.

DW: Was sind die Kriterien für die Auswahl Ihrer Regierungsmitglieder?

Wir möchten eine “inklusive” Regierung bilden, aus Technokraten und kompetenten Vertretern des Landes, die beim Friedensforum in Brazzaville anwesend waren. Ein Kriterium für die Auswahl der Personen ist neben Kompetenz, Integrität und Erfahrung auch die ethnische Zugehörigkeit. Wir werden im Kabinett auf Ausgewogenheit achten - und dabei auch auf die Teilnahme der Jugend.

DW: In welchem Zustand befindet sich die Zentralafrikanische Republik jetzt nach sechs Monaten mit der Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza an der Spitze?

Als die Präsidenten ihr Amt antrat, stand das Land am Rande des Chaos. Gleich nach der Amtseinführung haben wir eine enorme Eskalation der Gewalt gehabt. Die Gehälter, Pensionen, Stipendien wurden mit Verspätung ausgezahlt. Die Lage war schwierig, die Verwaltung war bei ihrer Arbeit sehr eingeschränkt. Sogar in der Hauptstadt erschienen viele nicht zu Arbeit. Dank der Hilfe der internationalen Gemeinschaft und der Regierung sind wir in eine etwas ruhigere Phase eingetreten. Die Fortschritte bei der Sicherheitslage sind enorm. Heute können die Menschen reisen. Die Wirtschaft kommt wieder in Gang und mit der Hilfe der internationalen Gemeinschaft werden Gehälter und Pensionen ausgezahlt. Vieles ist erreicht worden, aber uns ist bewusst, dass es noch eine Menge zu tun gibt.

Mahamat Kamoun wurde am 10. August 2014 als Ministerpräsident der Zentralafrikanischen Republik nominiert. Der 53-jährige Finanzexperte war zuvor Berater von Übergangspräsidentin Catherine Samba-Panza und diente auch unter deren Vorgängern, dem Ex-Rebellenführer Michel Djotodia und dem 2013 gestürzten Präsidenten Francois Bozizé.

Das Interview führte Tiassou Kossivi.