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Menschenrechte

Jeder hat das Recht auf Bildung

Bildung ist ein Menschenrecht. Darauf hat sich die Weltgemeinschaft im Jahr 2000 unter Federführung der UNESCO verständigt. Wird dieses große Versprechen eingelöst?

"Wir sind keine Human Ressource - wir wollen Bildung", hatten die spanischen Studenten auf ihre Plakate geschrieben, mit denen sie Anfang des Jahres gegen die befürchtete Privatisierung der Hochschulen protestierten. Ein Appell an den Staat zur Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung. "Es gehört zu den Aufgaben des Staates, Schule und Bildung wirklich für alle frei zugänglich zu machen - unabhängig vom ökonomischen Hintergrund", sagt Claudia Lohrenscheit, Expertin vom Deutschen Institut für Menschenrechte. "Damit garantiert ein Staat das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte versprochene Recht auf Bildung."

Mit der Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung haben nicht nur die armen Länder ihre Probleme, sondern auch die westlichen Industriestaaten. Die "finanzgetriebene Globalisierung" - wie es die UNCTAD (UN-Konferenz für Handel und Entwicklung) in einem aktuellen Bericht bezeichnet - hat weltweit Veränderungen gebracht. Dort, wo sich der Staat zurückzieht, gibt es vermehrt privat oder kirchlich finanzierte Bildungseinrichtungen. Das hat auch Lutz Möller von der deutschen National-Kommission der UNESCO, der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, beobachtet.

Der Staat muss steuern

Ein Mädchen meldet sich im Unterricht an einer Grundschule (Foto: )

Bildung muss gerecht sein!

"Damit aus privat finanzierter Eliteförderung keine Ausgrenzung und damit Diskriminierung der Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten wird", betont Lutz Möller, "braucht es zunächst einmal gute staatliche Strukturen, die in der Lage sind, Bildungsgerechtigkeit in einer Gesellschaft zu organisieren."

Steht bei der Bildung vor allem die "Employability", also die Arbeitsfähigkeit im Vordergrund, wird der Anspruch auf das Menschenrecht nicht erfüllt. "Damit wird Bildung als technisches Instrument verstanden. Menschen sollen fit gemacht werden für den Arbeitsmarkt", sagt Claudia Lohrenscheit vom Institut für Menschenrechte. "Das ist eine Bildung, die die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen unberücksichtigt lässt." Wenn das Gelernte dann nicht angewendet werden könne, etwa um sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, gerate es schnell wieder in Vergessenheit.

Persönlichkeit und Selbstbestimmung fördern

Näherin in einer berufsbildenden Schule in Sake, Ruanda (Foto: Hanne Hall / Innenministerium Rheinland-Pfalz)

Bildung soll zur Verbesserung der Lebensverhältnisse führen

Vergleichbares hatte schon in den 1970er Jahren der brasilianische Pädagoge Paulo Freire in einer Bildungskampagne zur Verbesserung der Alphabetisierung festgestellt. Wenn Menschen lesen und schreiben lernen, dies aber nicht zur Verbesserung der eigenen Lebensverhältnisse anwenden können, verlieren sie diese Fähigkeit wieder. "Bildung muss uns also immer dahin führen, sie vor allem für die selbstbestimmte Verbesserung der eigenen Lebensverhältnisse einzusetzen. Sonst geben Menschen diesen Bildungsanspruch für sich selbst wieder auf", lautet auch das Fazit der Menschenrechtsexpertin Lohrenscheit.

Solche Bildungskonzepte zu garantieren, ist eine Aufgabe für die Weltgemeinschaft. Dabei muss sie vorrangig das Recht auf Bildung für Menschen verbessern, die in Armut, Ausgrenzung oder zum Beispiel in Kriegs- und Konfliktgebieten leben. "An den Bildungschancen der Schwachen", betont Claudia Lohrenscheit, "wird der zivilisatorische und auch der humane Fortschritt in einer Gesellschaft gemessen."

Zugang zu Bildung ermöglichen

Kinder mit Schulranzen in Sarwan, Indien (Foto: DW/Helle Jeppesen)

Auch in ärmeren Regionen muss Bildung allen zugänglich sein

Ein Anliegen, das die ehemalige UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Bildung, Katharina Tomaschevski, motivierte, die Anforderungen für das Recht auf Bildung genauer zu definieren. Sie entwickelte vier Kriterien, das sogenannte "Vier A-Schema": "Availability", also die Verfügbarkeit von Bildung, "Accessability", den Zugang zu Bildung, die "Adaptability", das bedeutet die Anpassung von Bildung an die Bedürfnisse der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, und schließlich die "Acceptability", womit eine Form von Bildung gemeint ist, die mit den Menschenrechten übereinstimmen muss.

Vor allem in den ärmeren Weltregionen scheitert es vielfach bereits am Zugang zu Bildung. Werden in den ländlichen Regionen zum Beispiel Schulen nur mit einem einzigen gemeinsamen Toilettenraum für Mädchen und Jungen ausgestattet, würden die Mädchen oftmals nicht mehr zur Schule gehen, weil das für sie kulturell oder hygienisch nicht akzeptabel sei, berichtet Menschenrechtsexperte Lutz Möller von den Erfahrungen der UNESCO in vielen Ländern der südlichen Erdhalbkugel.

Grundbildung und Qualität sicherstellen

Eine Schulklasse mit ihrer Lehrerin in Haiti (Foto: World Vision)

Bis 2015 sollen alle Kinder weltweit eine Grundbildung erhalten

Zur Verbesserung der Bildungschancen hatte die UN-Organisation 2000 in Dakar, in Senegal, das Weltbildungsforum organisiert. 164 Staaten hatten sich dort über sechs Bildungsziele verständigt. Dazu gehört, bis 2015 weltweit allen Kindern eine Grundbildung zu ermöglichen. Noch immer sind 70 Millionen Kinder im Grundschulalter ohne Unterricht. Probleme gibt es vor allem in Südostasien, Südasien und in Afrika, südlich der Sahara. Dass bei der Grundbildung aber die Zahl der Mädchen im Vergleich zu den Jungen deutlich angestiegen sei, sieht Lutz Möller als Erfolg.

Zu den großen Herausforderungen zählt für die UNESCO die Qualität der Bildung: Weltweit werden knapp zwei Millionen qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer benötigt, die Klassen sind noch zu groß, und die Ausstattung der Schulen mit Büchern und Schreibmaterialien muss besser werden. Das betont die UNESCO im Bildungsbericht 2011 und appelliert an die Geberländer, ihre finanziellen Zusagen einzulösen. Außerdem müssten nationale Bildungskonzepte zukünftig stärker das Thema Nachhaltigkeit und den Umgang mit den knapper werdenden Umweltressourcen in den Blick nehmen, ergänzt Lutz Möller.

Demokratie fördern ist Bildungsziel

Schüler im Instituto Industrial de Maputo (Foto:

Bildung ermöglicht, das Leben in die eigene Hand zu nehmen

Das Menschenrecht auf Bildung mit dem Anspruch auf ein friedliches, diskriminierungsfreies Zusammenleben in einer wachsenden Weltgesellschaft zu ermöglichen, ist eine Aufgabe für alle Nationen. Dabei auch die Erwachsenen in den Blick zu nehmen und für lebenslanges Lernen zu motivieren, ist deshalb für Claudia Lohrenscheit wichtig. Das Menschenrecht auf Bildung erfülle sich qualitativ vor allem dann, wenn es die Autonomie der Menschen fördere, damit sie selbst aktiv werden und ihr Leben in die Hand nehmen könnten. "Es hat jeder Mensch das Recht auf Bildung und darauf, die volle Persönlichkeit zur Entfaltung zu bringen, um zu lernen, Menschenrechte und Grundfreiheiten zu achten und zu schätzen".

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