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Ist WhatsApp wirklich 19 Milliarden Dollar wert?

Henrik Böhme / Klaus Ulrich20. Februar 2014

Donnerschlag in der IT-Branche: Facebook kauft den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Das wirft eine Menge Fragen auf. Vor allem eine: Ist 19 Milliarden Dollar nicht viel zu teuer?

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Smartphone mit WhatsApp (Foto: Imago)
Bild: imago/Rüdiger Wölk

Es ist gerade mal zwei Wochen her, da feierte das soziale Netzwerk Facebook seinen 10. Geburtstag. Kurz zuvor hatte das Unternehmen von Mark Zuckerberg die Börsen mit einer Zahl überrascht: 1,23 Milliarden Menschen würden Facebook nutzen. Die Aktie markierte mit 62 Dollar ein neues Rekordhoch. Der Wert des Unternehmens kletterte damit auf 150 Milliarden Dollar. Da kann man schon mal 19 Milliarden locker machen, um einen - durchaus erfolgreichen - Kurznachrichtendienst zu kaufen.

Facebook kauft "WhatsApp"

Werbefrei und billig

WhatsApp, gegründet 2009 von zwei ehemaligen Yahoo-Mitarbeitern, hat derzeit 450 Millionen Nutzer, jeden Tag kämen eine Million neue hinzu. Und die kommunizieren fleißig Texte, Bilder, Videos und Audiobotschaften rund um den Globus. 18 Milliarden Kurznachrichten - an jedem Tag. Die App gehört zu den beliebtesten Programmen, die auf Smartphone oder Tablets installiert sind und läuft unter allen gängigen Betriebssystemen. Sie ist zunächst ein Jahr kostenlos - dann ist ein Obulus von einem Dollar fällig für jedes weitere Jahr. Dafür ist es werbefrei - und das soll, glaubt mit dem WhatsApp-Mitgründer, Jan Koum, so bleiben. Also: "Keine Werbung! Keine Spiele! Kein Schnickschnack!", wie eine handschriftliche Notiz zeigt, die seit den Anfangszeiten am Tisch von Jan Koum kleben soll.

Vormachtstellung gefährdet

Trotz allem scheinen 19 Milliarden Dollar ein gigantischer Preis zu sein. "Das ist mit Sicherheit ein kluger Deal, weil WhatsApp sich in der jüngeren Zeit zu einem echten Konkurrenten von Facebook aufgeschwungen hat", sagt Tobias Kollmann, E-Business-Experte von der Uni Duisburg-Essen gegenüber der DW. Insbesondere bei der jüngeren Zielgruppe seien in letzter Zeit rasante Zuwächse zu beobachten. Da habe durchaus eine Gefahr für Facebook bestanden, in dieser Zielgruppe die Vormachtstellung in den sozialen Netzwerken zu verlieren. "Von daher war das nicht nur ein spektakulärer Preis, sondern auch ein schlauer Schachzug."

Tobias Kollmann (Foto: netSTART)
E-Business-Experte Tobias Kollmann: "Schlauer Schachzug"Bild: netSTART Venture GmbH

Kollmann weist zudem darauf hin, dass WhatsApp deutlich stärker genutzt werde als der Facebook-eigene Messenger-Dienst, sowohl in Europa aber auch in den wichtigen aufstrebenden Märkten wie in Südamerika und Asien. "Und wenn Facebook an sich selber den Anspruch hat, das führende soziale Netzwerk zu sein, dann gehört so eine Messenger-Funktion zwangsweise dazu und deswegen war der Aufkauf nur eine logische Schlussfolgerung."

Auch Google im Rennen

Offenbar stand Zuckerberg bei seinem Deal auch unter Zeitdruck, denn wie der Tech-Blog "The Information" berichtet, sei auch Google an WhatsApp interessiert gewesen. Und noch vor wenigen Monaten war Facebook bei einem anderen Messenger-Dienst, nämlich bei Snapchat, abgeblitzt. Da standen immerhin drei Milliarden Dollar im Raum. Jetzt sollte also nichts schiefgehen, daher wohl der besonders tiefe Griff in die Firmenschatulle. Dabei galt schon der Kauf der Foto-App Instagram für eine Milliarde Dollar vor zwei Jahren als überteuert.

Kompetenz aufbauen

Freilich hegen viele Nutzer spätestens seit dem NSA-Skandal den Verdacht, dass mit ihren Daten Schindluder getrieben werden könnte. Doch Jan Koum hat stets betont, dass es für ihn klare Grenzen gebe. Und Tobias Kollmann merkt an, dass man um eine gewisse Kompetenz in Sachen Mediennutzung nicht umhin komme, wenn man Informationen online stelle. "Ich glaube, es ist eher an der Zeit, darüber nachzudenken, wie die Medienkompetenz bei den Nutzern gesteigert werden kann, um sich die entsprechenden Aspekte vor Augen zu führen und nicht nur mit Verunsicherung zu reagieren oder Angstzuständen."

Klar ist vielen Kennern der Branche auch, dass dies nicht der letzte Milliarden-Deal sein dürfte. Die Preise für IT-Unternehmen jeder Größe dürften, befeuert auch durch den WhatsApp-Kauf, weiter in die Höhe schnellen - wenn denn das Produkt stimmt. Letztlich, so sagt Tobias Kollmann, sei es ja das Ziel eines Gründers, seine Firma groß zu machen und es im besten Fall an einen Großen zu verkaufen. Und wohin die Reise am Ende gehe, sei noch gar nicht klar: "Wir sind hier immer noch in so einem unglaublich dynamischen Umfeld, dass wir nicht wissen, wer das Facebook von morgen sein wird."