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Kunst

Inspirierende Ostsee

Seit jeher zieht die Landschaft der Ostsee Menschen in ihren Bann. Auch bildende Künstler suchen dort Abgeschiedenheit und Anregung. In Ahrenshoop finden Maltradition und Gegenwartskunst zusammen.

Der weiße Ostseestrand bei Ahrenshoop

Strandläufer

Kreidefelsen auf Rügen Gemälde von Caspar David Friedrich (1774–1840) , etwa 1818, Öl auf Leinwand, Ausmaße: 90,5 × 71 cm
Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Caspar_David_Friedrich_023.jpg Das Kunstwerk in diesem Bild und der Reproduktion davon sind weltweit gemeinfrei.

Caspar David Friedrich "Kreidefelsen auf Rügen"

Der Wind nimmt einem den Atem und lässt winzige Salzkristalle auf der Haut zurück. Dazu das Rauschen der Wellen. Vor dem Auge schier endlose Weite, den Geruch von Algen in der Nase. Schon seit Jahrhunderten haben Künstler die Ostsee als Rückzugsort entdeckt. Weit ab vom Lärm der Städte. Caspar David Friedrich malte Rügens Kreidefelsen, die Schriftsteller Thomas Mann und Gerhard Hauptmann verbrachten ihre Sommer auf Hiddensee, der Maler Lyonel Feininger liebte Usedom.

Besonders die Einsamkeit und die weite, spröde Landschaft der Küste zogen Kreative an und beeinflussten deren Schaffen. Einige Künstler gründeten Ende des 19. Jahrhunderts sogenannte Künstlerkolonien, in denen sie lebten und arbeiteten: so etwa auf Hiddensee oder in Ahrenshoop. Dort traf sich die Berliner Avantgarde und es entstanden Ideen und Werke, die heute zum deutschen Kulturgut zählen.

Entspannung öffnet den Blick

Das kleine Fischerdorf Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß ist auch heute noch ein Künstlerort mit zahlreichen Ausstellungsräumen: etwa den Kunstkaten, eine der ältesten Galerien des Nordens, das Kunstmuseum und das Künstlerhaus Lukas, das 1894 als Malschule für höhere Töchter eröffnete und heute Stipendiaten unterschiedlicher Kunstrichtungen fördert.

Rote Strandkörbe am menschenleeren Ostseestrand

Strand von Ahrenshoop

Gerlinde Creutzburg ist die Leiterin des Künstlerhauses Lukas und engagiert sich für zeitgenössische Kunst, um so ein Gegengewicht zur kunsthistorischen Vergangenheit zu schaffen. Neben ihrer eigenen Arbeit - von Ölmalerei bis Keramik - kuratierte sie bereits zahlreiche Ausstellungen. "Es ist schon toll, dass die Mischung aus großartiger Landschaft und geistiger Auseinandersetzung hier ein zu Hause hat.", sagt Gerlinde Creutzburg. "Man muss aber aufpassen, dass das Business um die Kunst nicht wichtiger wird als die Kunst selbst." Auch deshalb steht das Künstlerhaus Besuchern zum "kiek mol in" wie die Einheimischen sagen, an einem Sonntag im Monat offen.

Die touristische Überflutung des Ortes in der Sommersaison findet Gerlinde Creutzburg unangenehm. "Aber durch die hier herrschende entspannte Urlaubsstimmung haben kunstinteressierte Urlauber einen aufgeschlossenen Blick auf die Kunst, oft ganz anders als in ihrem sonstigen Umfeld", sagt sie.

Umbrüche im 20. Jahrhundert

Spärlicher Kiefernwald vor einer Düne mit Blick auf das Meer

Darßer Weststrand

Dabei war die Idylle des Ortes nicht immer ungestört. So endete 1914 die Künstlerkolonie Ahrenshoop, als sich ihre Mitglieder in den Wirren des Ersten Weltkrieges in alle Himmelsrichtungen verstreuten. Doch schon in den Goldenen Zwanzigern zog es wieder Intellektuelle in das Fischerdorf. So verbrachten George Grosz, Max Pechstein und Albert Einstein ihre Sommer in Ahrenshoop.

Die Ruhe wurde erneut unterbrochen, als in den späten 30er Jahren die Nationalsozialisten den Ort vereinnahmten und auf dem "Hohen Ufer" eine Küstenartillerie errichteten. Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, hatte bis 1945 ein Jagdhaus am Darßer Weststrand.

Nach dem zweiten Weltkrieg erklärte die Regierung der DDR Ahrenshoop zum "Bad der Kulturschaffenden", in dem Hanns Eisler, Arnold Zweig und Johannes R. Becher ein- und ausgingen. Das Kunsthandwerk erlebte einen Aufschwung, gleich zwei Werkstätten produzierten seit Mitte der 50er Jahre traditionelle Keramikkunst, die sogenannte Fischlandkeramik.

Licht und Weite

Das Landschaftsaquarell zeigt die Steilküste „Hohes Ufer“ zwischen Ahrenshoop und Wustrow

Max Struwe "Am hohen Ufer"

Bis heute ist die Anziehungskraft der Ostsee auf Künstler ungebrochen. Während der Strand von Ahrenshoop im Sommer von Badegästen übersät ist, wirkt er im Herbst fast verlassen. Für Max Struwes Malkurse sind das beste Voraussetzungen. Der Aquarellist lehrt seine Schüler, ihre Umgebung und deren Details wahrzunehmen: "Malen verändert das Bewusstsein, man sieht die Welt anders, bunter und vielfältiger."

Nicht von ungefähr hat er dafür das Fischland als Kulisse gewählt. "Das Besondere hier ist das Licht. Dadurch wirken die Farben viel klarer. Die Hügellandschaft mit den wilden Kiefern, das Meer mit seiner Weite, den Wellen, der Gischt, den Steinen und Abbruchkanten, so abwechslungsreich und einfach überwältigend", sagt Struwe. Auf dem Papier verlaufen Aquarellfarbe und Wasser zu poetischen Gebilden.

Während die Malenden in ihre Arbeiten vertieft sind, spaziert ein Paar den einsamen Strand entlang. Zwei schemenhafte Figuren, fast verloren am weiten Meer, ein stimmungsvolles, melancholisches Bild. Eins, das zeigt, dass man nach dem touristischen Trubel des Sommers in Ahrenshoop beeindruckende Ruhe finden kann.