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Digitales Leben

Innovationslabor für Technik-Nerds

Hacker gelten als notorische Einzelgänger im digitalen Raum. Ein altes Vorurteil, denn auch Hacker sind gesellig. In Hackerspaces treffen sie sich zum gegenseitigen Austausch. Und jeder ist hier willkommen.

Chaos Computer Club-Mitglieder sitzen mit ihren Geräten am großen Tisch und diskutieren (Photo by Patrick Lux/Getty Images)

Chaos Computer Club

Hacker genießen bisweilen einen etwas fragwürdigen Ruf. In der Vorstellung vieler Menschen sitzen sie bis spät in die Nacht einsam vor ihren Rechnern, neben sich einen Becher mit kalt gewordenem Kaffee, und gehen illegalen Aktivitäten im Internet nach.

Sicherlich gibt es diese Spezies. Ihren schlechten Ruf hat die Hackerzunft jedoch längst verloren. Immer mehr Hacker werden von offiziellen Stellen um Rat gebeten, wenn es zum Beispiel darum geht, Internetkriminalität zu bekämpfen. In den Städten entstehen sogenannte Hackerspaces, in denen sich Hacker und andere Computerfreaks zum gemeinsamen Austausch treffen, ganz öffentlich.

Pizza und Internet

RaumZeitLabor
Quelle: Table of glory
Author: Windgeist

Alles andere als ein dunkler Keller

Die meisten Hackerspaces sind eingetragene Vereine. Denn sie dienen einem öffentlichen Wohl: Wissen im Informatik- und Technikbereich durch Austausch zu gewinnen und zu verbreiten. Zu diesem Zweck finden sich hier vor allem Menschen aus computeraffinen Berufen zusammen. Die "c-base" in Berlin wurde als einer der ersten Hackerspaces bereits 1995 gegründet. Hier finden die Mitglieder die nötige Infrastruktur wie Platz und Strom, schnelle Internet- und Netzwerkverbindungen.

Auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz – wenn es auch nur die Speisekarte des nächsten Pizzalieferdienstes ist. Willkommen ist jeder im Hackerspace, der Spaß an der Sache mitbringt. Da aber Miete, Strom und Internet jeden Monat Geld kosten, sind regelmäßige Besucher dazu angehalten, dem Verein beizutreten und Beiträge zu bezahlen.

Der "Attraktor" in Hamburg

Tüftelfreunde erwartet aber in vielen Hackerspaces noch viel mehr als bloß eine Internetverbindung: Maschinen und Werkzeuge aller Art liegen bereit, mit denen nach Lust und Laune gewerkelt werden darf.

Auch der Hamburger Verein "Attraktor" bietet seinen Mitgliedern eine solche Do-It-Yourself-Infrastruktur. Inmitten des grauen Betons des Büroviertels City Nord verbirgt sich hinter den großen Schaufenstern einer ehemaligen Sparkassenfiliale der Hacker & Makerspace, in dem der Verein seit 2010 seinen Sitz hat.

Hackerspace Attraktor in Hamburg. Selbstgebauter 3D-Drucker. Foto: Marc von Lüpke

Ein selbstgebastelter 3D-Drucker im Hamburger "Attraktor"

Die Einrichtung passt: Etliche Stromkabel hängen von der Wand, ein Getränkeautomat bietet Erfrischungen an und Mitglieder sitzen emsig tippend vor ihren Notebooks. Sebastian Wendel, einer der drei Vereinsvorstände, führt durch die Räume, in denen sich Technik über Technik häuft.

"Hier haben wir eine CNC-Fräse, die wir einmal gespendet bekommen haben", erklärt Sebastian eine Apparatur auf einem Rolltisch. "Für unsere Bedürfnisse haben wir sie dann noch etwas modifiziert. Hier ist zum Beispiel ein zusätzlicher linuxbasierter Controller angebracht. Die dreidimensionalen Konstruktionen, die wir am Rechner entwerfen, werden dann von der Fräse produziert." Sebastian führt vor, was die Mitglieder des Attraktors mit ihren Rechnern und dieser elektroisch gesteuerten Fräse zustande bringen: ein perfekt aus Holz gefrästes Gehäuse eines digitalen Weckers, in dem nur noch die Elektronik fehlt.

Eine Wand voll Technik

Im hinteren Teil eine meterhohe Regalwand. Dutzende DVD-Laufwerke und Kisten mit allerhand Kabeln füllen neben lauter anderem technischem Equipment die Fächer. "Die Mitglieder bringen wahnsinnig viel Zeug mit", meint Sebastian.

Ein Regal voller Elektronikteile in einem Raum des Hackerspaces Attraktor in Hamburg. Foto: Marc von Lüpke

Kein Chaos im Eletronik-Regal

Und wer sind die rund 70 Mitglieder des Attraktors, die hier jederzeit programmieren und basteln können? "Wir hatten hier am Anfang die üblichen Verdächtigen, eben Leute aus der Informatik. Mittlerweile gab es aber einen Wandel, man muss nichts mit IT zu tun haben. Nur Interesse an dem, was wir hier tun, muss da sein."

Mittlerweile füllt sich der Raum, im Vortragsbereich nehmen immer mehr Mitglieder auf freien Stühlen Platz. Am Dienstagabend steht "Back to Hack" auf dem Programm, eine wöchentliche Vortragsreihe zu den Bereichen Softwareentwicklung und Computersicherheit. Die digitale Kunstwährung "Bitcoins" wird an diesem Abend diskutiert. Die Mitglieder des Hackerclubs kennen jedoch auch eine Welt jenseits von Bits und Bites: "Donnerstags kochen wir auch in der Gruppe miteinander", meint Sebastian.

Do it yourself

Ihr Arbeitsgerät basteln sich die "Traktoristen", wie sie sich selbst nennen, teils auch selbst. Ein Mitglied tüftelt gerade an einem ganz besonderen Projekt. Was wie eine simple alte Fernsehantenne aussieht, ist in Wirklichkeit eine Art Satellitenempfänger. Sebastian erklärt: "Mit einer bestimmten Software kann man herausbekommen, wann der nächste Wettersatellit vorbeikommt. Der Satellit sendet seine Daten aus, die man wiederum auffangen kann." Mit genau der Antenne, die hier gerade im Attraktor optimiert wird und dann verlässliche Wetterdaten liefern soll.

Hackerspace Attraktor File:ElektronikStammtisch14-4703.jpg

So sieht ein Elektronik-Stammtisch aus

Neue Mitglieder sind im Attraktor stets willkommen. "Wir möchten niemanden ausgrenzen", betont Sebastian mit deutlichem Nachdruck. Vor einiger Zeit gab es große Unruhe um den Hamburger Attraktor. Ein früheres Vorstandsmitglied, das inzwischen jedoch nicht mehr beim Verein ist, war ein Aussteiger aus der rechten Szene. Ein Vorwurf lautete, dass die betreffende Person immer noch für rechte Kreise aktiv gewesen wäre. Der Attraktor wählte später einen neuen Vorstand und präzisierte seine Satzung, dass im Verein keinerlei rassistische Diskriminierung geduldet würde.

Ein Ort des Austausches

Hackerspaces wie den Hamburger Attraktor gib es mittlerweile weltweit. Trotz der englischen Bezeichnung Hackerspace sind diese Clubs eine deutsche Erfindung, die mittlerweile weltweit Nachahmer findet: Rund um den Globus treffen sich Computerinteressierte in diesen Clubs, um gemeinsam zu tüfteln. Und helfen so auch dabei, das Image des Hackers in ein besseres Licht zu rücken.