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Porträt

Hans Schöler - Stammzellforschung von morgen

Hans Schöler ist einer der weltweit führenden Stammzellforscher. Mit seinem stetig wachsenden Team will er herausfinden, was Stammzellen so wandlungsfähig macht. Als Vorbilder dienen ihm dabei winzige Plattwürmer.

Zell- und Entwicklungsbiologe Hans Schöler (Foto: Friso Gentsch dpa/Bildfunk)

Zell- und Entwicklungsbiologe Hans Schöler

2004 kam Hans Schöler mit seiner Frau und zwei Kindern aus Philadelphia in die westfälische Provinz. Ein Weg ins Ungewisse, denn er wusste nur wenig über die Universitätsstadt Münster. Heute sagt er stolz: "Ich liebe diese Stadt." Und als Beweis zeigt er mir seinen Fahrradhelm. Denn Fahrradfahren gehört in Münster zum Alltag, nicht nur für Studenten.

Natürlich will ich mit Deutschlands führendem Stammzellforscher über Wissenschaft reden: Über Fortschritte bei der Züchtung neuer Zellen, aber auch über die nicht enden wollende Debatte um die Forschung mit embryonalen Stammzellen. Doch da entdecke ich ein kleines Bild an der Wand. Darauf zu sehen: Ein kleines Küken und die Aufschrift: "Ich kann Karate". "Man sollte niemanden unterschätzen", erklärt Hans Schöler und als perfekter Gastgeber gießt er mir einen Jasmin-Tee ein. Mein Blick fällt auf allerlei asiatische Bilder und Gegenstände in seinem hellen großen Büro. Hans Schöler gibt sich als Freund und Bewunderer Südkoreas zu erkennen. Viele Menschen dort hat er kennen und schätzen gelernt: "Die sind so offen und arbeiten so begeistert und trotzdem locker."

Regenerationswunder Plattwurm

Plattwurm (Foto: Michael Lange /DW)

Plattwürmer sind Meister der Regeneration. Schneidet man sie in Stücke, wachsen die fehlenden Körperteile nach

Begeisterung für die Wissenschaft, gepaart mit Lockerheit im Umgang miteinander. Diese Maxime gilt auch für die Atmosphäre in seinem internationalen Forscherteam am Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin. Hans Schöler gerät ins Schwärmen, sobald er über einige junge Wissenschaftler aus aller Welt spricht, die in einem Nachbargebäude kleine Forscherteams aufbauen. Die jungen Teams züchten in ihren Labors bis zu ein Zentimeter große Plattwürmer. Von ihnen wollen sie lernen, wie Regeneration funktioniert. Wie schaffen es die Tiere, ihre Organe immer wieder neu aufzubauen?

Was die Würmer schon können, wollen die Forscher mit menschlichen Zellen nachahmen. So ließen sich viele Krankheiten, bei denen Zellen zu Grunde gehen, zukünftig behandeln. Davon ist Hans Schöler überzeugt. Das reicht von der Alzheimer Krankheit, Multipler Sklerose, Parkinson über Herzkrankheiten bis zu Diabetes. Mir scheint, als würde Hans Schöler am liebsten seine Direktorenpflichten vergessen, um sich im Labor an die Arbeit zu machen, aber er winkt ab. Er müsse nicht mehr jeden Tag an der Laborbank stehen, versichert er.

Stammzellforscher am Pranger

Als Teil seiner Arbeit versteht Hans Schöler auch die ethische Debatte um menschliche embryonale Stammzellen. Seine Forschung zielt darauf, Behandlungsmethoden zu entwickeln, die ohne Zellen aus Embryonen auskommen. Dennoch hält er die Stammzellengewinnung aus menschlichen Embryonen für wissenschaftlich unverzichtbar und ethisch akzeptabel. Schließlich würden embryonale Stammzellen in Befruchtungskliniken aus Embryonen gewonnen, die sonst ohnehin vernichtet würden. Die Gewinnung von Stammzellen aus diesen Embryonen, sei für ihn "fast eine christliche Pflicht."

Wissenschaftsjournalist Michael Lange (Foto: M. Lange/DW)

Trank Jasmintee mit Hans Schöler: Wissenschaftsjournalist Michael Lange

In der katholischen Universitätsstadt Münster sind natürlich nicht alle dieser Auffassung. Immer wieder muss sich der protestantische Hans Schöler ethischen Diskussionen stellen. Das fällt ihm nicht immer leicht. Konflikten geht er eigentlich lieber aus dem Weg: "Wenn es nur um eine Diskussion geht, um den anderen an den Pranger zu stellen, kann man sich das genauso gut sparen", sagt er. Gerne verzichtet hätte er auf eine Diskussion, zu der er von der katholischen Fakultät in die Nachbarstadt Osnabrück eingeladen worden war. Damals dachte er: "Wenn die mich jetzt auf den Scheiterhaufen werfen könnten, würden sie es tun."

Hans Schöler regt sich auf, sobald ihm Gegner niedere Beweggründe wie Geldgier oder Geltungssucht unterstellen. "Das ist Quatsch", ärgert er sich. Meist jedoch ginge es sachlich zu. Auch mit dem katholischen Bischof von Münster habe er interessante Gespräche geführt, ohne aber, dass einer den anderen überzeugen konnte.

Hans Schöler fühlt sich wohl in Münster, denn er werde respektiert als Mensch und als Wissenschaftler. "Hier kann man wunderbar leben", sagt er und gießt noch einen Jasmintee ein. Schon bald aber zieht es ihn wieder nach Asien. Auch Südkorea steht erneut auf dem Reiseplan. Dort wurde kürzlich sogar ein Stammzellen-Forschungsinstitut nach ihm benannt: Das Hans-Schöler-Institut.

Autor: Michael Lange
Redaktion: Judith Hartl

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