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Ausruhen gilt nicht

Rolf Wenkel18. Januar 2014

Das Label "Made in Germany" hat immer noch einen guten Ruf. Doch darauf ausruhen sollten sich die deutschen Unternehmer lieber nicht, denn der Glanz schwindet. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.

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Produktaufkleber mit Deutschlandflagge, "Made in Germany"-Schriftzug und Barcode (Foto: openwater / Fotolia.com)
Bild: openwater - Fotolia.com

Die deutsche Herkunftsbezeichnung "Made in Germany" müsse unbedingt erhalten bleiben, fordern Politiker und Verbandsfunktionäre in Richtung Brüssel. Denn dort gibt es Überlegungen, diese Herkunftsbezeichnung mehr an Zollvorschriften anzupassen. Damit sei die "Premium-Position deutscher Unternehmer" in Gefahr, heißt es von den Kritikern, denn "Made in Germany" sei in mehr als 125 Jahren zu einem Gütesiegel herangereift, dem nicht nur 70 Prozent der deutschen Verbraucher vertrauten, sondern auch Kunden und Konsumenten in der ganzen Welt.

„Made in Germany“ hat seinen Preis

Wie wertvoll dieses Label tatsächlich ist, wollte der regierungseigene Dienstleister "Germany Trade & Invest" (GTAI), die frühere Bundesagentur für Außenhandelsinformationen, genauer wissen. Sie vermarktet den Wirtschafts- und Technologiestandort Deutschland im Ausland, informiert deutsche Unternehmen über Auslandsmärkte und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland. Dazu unterhält die GTAI ein großes Netz an Länder- oder Marktbeobachtern, die der Zentrale in Berlin Informationen liefern - eben auch darüber, wie viel das Label "Made in Germany" noch wert ist.

Zurück bis in die Zarenzeit

In Russland zum Beispiel ist die Welt noch in Ordnung. Dort reiche der gute Ruf deutscher Produkte bis in die Zarenzeit zurück, schreibt GTAI-Korrespondent Bernd Hones aus Moskau. "Eine deutsche Maschine reicht - und schon versprechen russische Unternehmen ihren Kunden deutsche Qualität. Gasthäuser buhlen mit deutsch klingenden Namen um Gäste. Und im Internet loben Konsumenten deutsche Waren in höchsten Tönen. Kurzum: Das Label 'Made in Germany' steht in Russland für Qualität und Zuverlässigkeit."

Auch aus Großbritannien kommen beruhigende Nachrichten. "Die Reputation von aus Deutschland stammenden Waren und Dienstleistungen ist im Vereinigten Königreich unverändert gut", meldete Steffen Ehninger aus London in die GTAI-Zentrale nach Berlin. "Bereits seit mindestens 110 Jahren verbinden viele Briten vor allem Qualität und Zuverlässigkeit mit deutschen Erzeugnissen." Das habe sich laut Umfragen in letzter Zeit sogar noch verstärkt.

Das Label allein reicht nicht

Indes: Beurteilungen wie die aus Moskau und aus London sind inzwischen eher die Ausnahme. "'Made in Germany' gilt in Brasilien zwar immer noch als Garantie für Zuverlässigkeit, Haltbarkeit und Qualität", schreibt zum Beispiel Oliver Döhne, GTAI-Korrespondent in São Paulo. "Allerdings sinkt die Bereitschaft, dafür zu bezahlen. Deutsche Firmen sollten stärker in Kommunikation, Kundennähe und After-Sales-Service investieren", also die Betreuung des Kunden auch nach dem Kauf.

Logo Made in Germany (Foto: Fotolia)
Ein schönes Logo allein macht noch keinen ExporterfolgBild: Fotolia/cirquedesprit

"'Made in Germany' ist in der Volksrepublik China nach wie vor ein gutes Verkaufsargument. Allerdings führt es allein nicht zum Erfolg", schreibt Stefanie Schmitt aus Peking. Die Konkurrenzsituation habe sich in fast allen Sparten deutlich verschärft. Zudem müssten vor Ort produzierende Unternehmen erklären, dass ihre Produkte oft nur noch "Designed" oder "Engineered in Germany" seien. Deshalb rät die GTAI-Korrespondentin, sich nicht mehr auf das alte Gütesiegel zu verlassen: "Die Zukunft liegt im Aufbau der eigenen Marke."

Nur Technik, kein Lifestyle

In Indien genießen deutsche Produkte zwar einen guten Ruf, aber das gelte nicht für alle Branchen, schreibt Katrin Pasvantis aus Neu Delhi. "Deutsche Produkte stehen für Qualität und faszinierende Technik." Aber trotz aller Begeisterung schrecke der zumeist hohe Preis Unternehmen und Konsumenten vom Kauf ab. "Eher nicht punkten können deutsche Produkte dort, wo vor allem Design und Lifestyle gefragt sind. Besonders beliebt sind deutsche Maschinen, Autos und Küchen."

"Made in Germany" steht auf der Unterseite eines Spielzeugautos der Marke Siku (Foto: Armin Weigel dpa/lby)
"Made in Germany" steht in vielen Ländern immer noch für Qualität - aber nicht überall und nicht für allesBild: picture-alliance/dpa

In den Vereinigten Staaten gilt der Hinweis auf die deutsche Herkunft in vielen Branchen immer noch als ein gutes Verkaufsargument. "Ist der deutsche Ursprung bekannt, werden Herstellern oder Produkten häufig eine gute Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit unterstellt", schreibt Martin Wiekert aus Washington. "Andererseits wird damit aber auch zuweilen ein stattlicher Preis oder eine unliebsame Konkurrenz zu 'Made in the USA' verbunden. Viele deutsche Firmen verwenden solche Hinweise daher dosiert und manchmal eher im Hintergrund."

Der Ruf färbt ab auf andere "Produkte"

"'Made in Germany' ist in Japan ein wichtiger Aktivposten", schreibt Detlev Rehn aus Tokio. Gerade Kriterien wie Qualität und Zuverlässigkeit würden von Japanern sehr geschätzt. Vor allem bei Autos oder Maschinen sei das Siegel bedeutsam. Auch in den Bereichen Umwelt- und Energietechnik werde Deutschland eine hohe Kompetenz eingeräumt. Diese Reputation müsse aber immer wieder nachgewiesen werden, schreibt Rehn. Immerhin: "'Made in Germany' ist nicht auf Produkte beschränkt. Dies zeigen die in Japan sehr populären Oktoberfeste und Weihnachtsmärkte."